Duell früherer Handball-Giganten - 1979 standen sich Empor Rostock und Großwallstadt im Europacup-Finale gegenüber / Jetzt ging es um Zweitliga-Punkte - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Duell früherer Handball-Giganten

1979 standen sich Empor Rostock und Großwallstadt im Europacup-Finale gegenüber / Jetzt ging es um Zweitliga-Punkte

Es gab nicht wenige ältere Anhänger des HC Empor Rostock, die am Sonntag am Rande des Zweitliga-Duells gegen den TV Großwallstadt in Erinnerungen schwelgten. Auch wenn es "nur" um Zweitliga-Punkte ging, es war ein Duell zwei früherer Handball-Giganten. Elf nationale Meistertitel der DDR stehen auf der Habenseite der Ostseestädter, sieben sind es für die Unterfranken.

Im April 1979 standen sich beide Vereine im Finale des Europapokals der Landesmeister - heute Champions League - gegenüber. Nach einem 14:10-Erfolg im Hinspiel vor 10.000 Zuschauern in der Münchner Olympiahalle konnte sich der BRD-Meister in Rostock eine 16:18-Niederlage leisten. Im Jubel um den Europapokalgewinn sprach TVG-Coach Klaus Zöll (damals 35) von "der schönsten Niederlage meiner Laufbahn". Unter Zölls Nachfolger Rüdiger-Felix Schmacke wiederholten die Großwallstädter mit Handball-Legenden wie Kurt Klühspies, Manfred Hofmann, Peter Meisinger und Manfred Freisler ein Jahr später ihren europäischen Triumph.

Die Begleitumstände der beiden Endspiele vor über 34 Jahren waren geprägt vom politischen "Kampf der Systeme". Es herrschte "Kalter Krieg", was insbesondere bei den Rostockern - unter anderem mit den Nationalspielern Wolfgang Böhme, Frank-Michael ("Potti") Wahl, Helmut Wilk, Hans-Georg Jaunich und Jürgen Rohde - für enormen Druck sorgte. Sie waren im deutsch-deutschen Duell "von oben" zum Siegen verdammt.

"Klar, der Druck war da", erinnert sich Jürgen Rohde, damals im Empor-Tor die Nummer zwei hinter Bodo Wieland. "Aber geblieben sind trotz der Gesamtniederlage die positiven Eindrücke. Die Fahrt mit einem Ikarus-Bus quer durch Deutschland, der Auftritt vor 10.000 Zuschauern in München, das war sensationell", so der heute 60-Jährige, der dem Handball in Rostock als Mannschaftsbetreuer noch immer eng verbunden ist.

"Für uns war es ein ganz normales Spiel", erinnert sich dagegen der schon damals mit Empor-Spielführer Wolfgang Böhme (heute 63) befreundete TVG-Kapitän Kurt Klühspies (61). "Aber die Rostocker mussten quasi gewinnen." Sie schafften es nicht, "weil die Großwallstädter einfach zu clever waren", wie Empor-Trainer Heinz Strauch (74) heute mit dem Abstand von dreieinhalb Jahrzehnten meint. Und noch etwas machte es für Empor nicht einfacher: Kontakte, die über das Sportliche hinausgingen, waren von der DDR-Führung schlicht unerwünscht.

Diese Tatsache hatte bereits 1978 ein "Rückspiel" verhindert, nachdem Empor im Rahmen des sogenannten innerdeutschen Städtevergleichs in Elsenfeld gegen den TVG mit 17:14 gewonnen hatte. "Unser Verhältnis zu den Großwallstädter Spielern war wohl zu gut", glaubt Deutschlands Rekord-Nationalspieler Frank-Michael Wahl (57) heute. Kurt Klühspies hat dagegen nicht nur wegen des Sieges 1979 angenehmere Erinnerungen an die Duelle mit den Ostseestädtern. "Nach einer ausgiebigen Feier in Rostock sind wir am Montag von Hamburg aus nach Hause geflogen. Großwallstadt hatte damals .000 Einwohner, die haben vier Tage lang im Festzelt gefeiert", erinnert sich der Weltmeister von 1978.