Traum vom Final Four - Bad Schwartau steht zum dritten Mal binnen fünf Jahren im Pokal-Viertelfinale - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Traum vom Final Four

Bad Schwartau steht zum dritten Mal binnen fünf Jahren im Pokal-Viertelfinale

"Scheiß drauf, Malle gibt’s nur einmal im Jahr!": Der Ballermann-Hit dröhnte aus der Kabine in der Endlosschleife. Schwartau feiert wieder eine Pokal-Party. Der VfL steht zum dritten Mal in fünf Jahren im Viertelfinale. "Einfach geil, Pokal ist einfach unser Ding", sprudelte es aus Torjäger Jan Schult nach dem erstligareifen Sieg über Leutershausen heraus. Manager Christian Fitzek fand es einfach nur "überragend, sensationell". Jetzt schaut die VfL-Familie gebannt nach Göppingen, wo heute die Viertelfinal-Auslosung steigt und der VfL als einziger Zweitligist in der Glaskugel liegt.


Fragwürdige Ehre

Der Pokalsieger von 2001 steht im Viertelfinale - so wie 2009/2010 und 2010/2011, als erst der HSV und dann Flensburg das Stoppschild setzten. Nun träumt eine ganze Region vom dritten Final-Four-Einzug der Vereinsgeschichte und hofft auf ein Heimspiel. Ein Wunschgegner? "Bloß nicht wieder Flensburg, die hatten wir schon zu oft", meinte Schult. Für Trainer Torge Greve ist "alles, was jetzt kommt, ohnehin Zubrot und wir sind krasser Außenseiter". Und Fitzek findet es reizvoll: "Wir sind das begehrteste Los im Topf."

Schwartaus Handballer zählen im Pokal zu den Top Acht und haben sich in der Zweitliga-Mitte etabliert. Hut ab. Weil die Mannschaft im sechsten Zweitliga-Jahr in Folge den größten Umbruch zu meistern hat, gleich sieben Spieler, darunter fünf Stammkräfte, den Verein verließen. Weil es mit Mini-Kader (13 Spieler) und Mini-Etat (650.000 Euro) immer noch ein Ritt auf der Rasierklinge ist. Und der ist/war schmerzhafter denn je. Für die Fans, die längst überfällige Ticketpreisanpassungen verkraften mussten. Für die Spieler, die es mit Gehaltseinbußen traf. Für die Gesellschafter, die trotz einem Hin zu mehr Professionalität im Geschäftsbereich erneut Löcher stopften.

Fitzek setzt so auf ein erfolgreiches Jahresfinale (in Altenholz, gegen Hildesheim, in Aue), "damit wir unser Ziel erreichen, uns einstellig einordnen". Denn noch liegt der VfL dahinter. Der Chef ist aber mit der Team-Leistung bisher zufrieden: "Die erste Sieben hat gezeigt, dass sie jede Mannschaft in der Liga schlagen kann. Dahinter haben wir aber leichte Lücken." Darin ist er sich mit Greve einig. Auch er sieht sein Team im Soll, auch wenn die Heimniederlagen gegen Hamm und Nordhorn "schon sehr schmerzen".

Aber gerade der Saisonstart mit 10:4-Zählern habe gezeigt, "dass wir in der Vorbereitung vieles richtig gemacht haben". Und von einer neuen VfL-Qualität ist selbst er überrascht: Große Rückstände, mit sechs, sieben Toren, auch auswärts schocken Schult und Co. offenbar nicht. Nahezu spielerisch leicht machen sie sie in Windeseile wett. "Die spielerische Qualität war im Vorjahr sicher höher", sagt Greve, "aber an Kampfeswille und Geschlossenheit habe ich bisher keine bessere Mannschaft trainiert." Von den Neuzugängen ist er mit Keeper Markus Noel und Neu-Juniorenauswahlspieler Thees Glabisch zufrieden ("Das war schon gut"), Christian Schwarz, Jacob Fritsch und Uwe Kalski "brauchen noch Zeit".


Keine Entwarnung

Die benötigten auch die Fans, die nach für Schwartau verhaltenem Zuspruch jetzt vermehrt in die Hansehalle kommen. Mit 1.560 Zuschauern liegt der Schnitt aber immer noch unter dem des Vorjahres (1.809), "aber wir sind damit knapp über dem, was wir brauchen und im Etat kalkuliert haben", sagt Fitzek und gibt zu: "Wir bewegen uns mit unserem Etat aber immer noch auf dünnem Eis, müssen kämpfen".

Mit vielen kleinen und großen Aktionen kämpft der VfL nach dem Etat-Einbruch vor zwei Jahren (300.000 Euro-Loch) um mehr Zuspruch, Imagegewinn und neue Partner. "Doch das ist ein langer Weg, braucht noch ein, zwei Jahre", sagt Fitzek, verspricht aber für 2014: "Wir wollen und werden die schwarze Null schreiben." Die Final-Four-Antrittsprämie von 120.000 Euro - knapp ein Fünftel des Etats - würde das Problem lösen.