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Der leise Leitwolf

Es gab Zeiten, da nannten sie ihn Kreuzband. Heute ist Stefan Schmitt für seine Teamkollegen wieder der "Steve" (fränkisch "Schtief"). Nach zwei Kreubandrissen und zwei Operationen hält sein Implantat seit vier Jahren. Damals, im November 2009, stand er im Rimparer Regionalliga-Team vor seinem Comeback und antwortete auf die Frage, was er auf eine einsame Insel mitnehmen würde: "Einen Ball, ein Tor und einen Gegner."

Die Antwort sagte viel aus über den Sportler Stefan Schmitt, über seine Liebe zum Handball. Sie spricht bis heute aus ihm, wenn er erzählt, wie sehr er es genießt, den "Bundesliga-Traum" mit der DJK Rimpar zu leben und "in großen Hallen von Traditionsclubs spielen zu dürfen." Und wie sehr er die Doppelbelastung als Werktags-Hauptschullehrer in München und Wochenend-Spielführer in Rimpar immer noch "mit Freude" in Kauf nimmt - auch wenn es ihn manchmal nervt, nur einmal pro Woche mit der Mannschaft zu trainieren. In beiden Aufgaben sieht er Parallelen: "Als Lehrer sollte man für seine Schüler, als Kapitän für seine Teamkollegen ein offenes Ohr haben."

Auch dieser Satz sagt viel aus über den Menschen Stefan Schmitt - ein auf den ersten Blick empathischer Mensch. Wahrscheinlich haben ihn seine Mitspieler deswegen vor sechs Jahren zu ihrem Kapitän gewählt und bestätigen ihn seither. "Ich hatte immer ein super Verhältnis zu allen", erzählt der 29-Jährige. "Vielleicht liegt das auch daran, dass ich darauf achte, in welchem Ton ich was zu wem sage."

Präsent sein, ohne laut zu sein - das gelingt dem Rimparer auf und neben dem Parkett. Im linken Rückraum hat der athletische und spielintelligente 1,85-Meter-Mann eine Führungsrolle inne, die er von Partie zu Partie besser ausfüllt, phasenweise auch auf der Spielmacherposition. Wie etwa beim Auswärtssieg gegen Bittenfeld, wo er mit sechs Treffern zweitbester Werfer war.