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HG Saarlouis

Suton: Die Kunst, zwischen verschiedenen Konzentrationen umzuschalten

Die HG Saarlouis hat sich in der zweiten Liga etabliert, sich gegen die „großen“ Mannschaften gerade in der letzten Runde des öfteren durchgesetzt. Bei den Saarländern ist mit Tim Suton eines der größten Handball-Talente Deutschlands zum Zweitliga-Spieler mit Ambitionen nach mehr gereift und die A-Jugend hat den Sprung in die Nachwuchs-Bundesliga geschafft. Das alles hat mit einer Gesamt-Konzeption zu tun, deren Mechanismen immer besser greifen. Auch in der neuen Runde werden die Saarländer weitere junge Talente an die Bundesliga heranführen. Das Konzept in Saarlouis ist auch mit einem Namen verbunden: Goran Suton.


Der  kroatische Handball-Lehrer ist nicht nur ein akribischer Arbeiter, sondern auch ein Coach, der 24 Stunden am Tag Handball lebt. Und das färbt auf seine Spieler ab. Wir sprachen mit Goran Suton vor dem Start in die neue Saison über seine Philisophie und seinen Plan.

Die HG Saarlouis ist heute eine heterogene Mannschaft mit Profis, Berufstätigen, Studenten und Schülern.  Wie bringt man ein solches Team unter einen Hut?
Goran Suton: Indem man die Trainingsmethodik sensibilisiert und  individualisiert. Von der Leistungsanalyse, über die Trainingsplanung  bis hin zur täglichen Arbeit muss alles auf  den einzelnen Spieler zugeschnitten werden und dann anhand von Leitmotiven zusammengebracht werden. Für jeden Spieler gilt es zudem, so etwas, wie ein „Jongleur des Lebens“ zu sein, die wichtigen Dinge neben dem Handball, wie Familie, Beruf, Ausbildung und Schule zu handhaben. Wichtig dabei ist, sich zum richtigen Zeitpunkt  dem richtigen Ball zu widmen. Das Thema heißt also Konzentration, und die Kunst dabei ist, sich nicht nur auf eine Sache zu fokussieren, sondern vielmehr zwischen verschiedenen Konzentrationen umzuschalten

Können Sie uns ein Beispiel für die Leitmotive geben?
Mehr als eines.  „Vorsprung durch Technik und Kreativität“ meint das Einstudieren von Spielkonzepten.  „Torgefährlich sein, um Mitspieler torgefährlicher zu machen“, „Abwehr macht Spaß und fördert den Teamgeist“, Fitness ist nicht alles, aber ohne Fitness ist alles nichts“. Und ganz wichtig: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile“ und „Sei du selbst und lerne ich zu werden“.

...lerne ich zu werden?
Da sind wir wieder beim Thema individuelle Förderung. Ich habe noch nie zwei identische Spieler gesehen, also braucht jeder Spieler ein auf ihn zugeschnittenes Konzept. Und damit arbeiten wir dann. Wir lernen, ich zu werden.

Dabei gibt es sicher auch Reibungsflächen. Wie gehen ihre Spieler mit Kritik um?
Ich lobe oder kritisiere selten öffentlich. Das findet im Mannschaftskreis statt. Und ich denke man kann nur nach vorne gehen, wenn man damit umgehen kann, wenn man auch mal was einstecken kann. Wichtig für den Trainer ist es, Entscheidungen zu treffen, die nachvollziehbar sind.

Wo soll die Reise in diesem Jahr hingehen?

Es ist das Schlimmste für einen Verein, sich zum ewigen Kampf um den Klassenerhalt, zum Mittelfeld, zum Durchschnitt zu bekennen. Irgendwann kann man den Durchschnitt nicht mehr halten und dann steigt man ab. Bei uns sind alle Spieler ehrgeizig und wollen weiterkommen. Aber es werden nicht alle gleich schnell diesen Weg gehen können.  Als Einheit aber werden wir auf diesem Weg vorankommen.Peter Wagner