Neues "Wir-Gefühl" in Hildesheim - Eintracht Hildesheim schöpft aus der Krise Anfang 2013 neues Selbstvertrauen - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Neues "Wir-Gefühl" in Hildesheim

Eintracht Hildesheim schöpft aus der Krise Anfang 2013 neues Selbstvertrauen

Was für eine Wandelung: Im Frühjahr diesen Jahres schrillten in Hildesheim die Alarmglocken. Die Mannschaft, die alles war, aber keine Eintracht, befand sich im Abstiegskampf der zweiten Liga. Trainer Gerald Oberbeck warf entnervt das Handtuch, um nach dem mit Interimstrainer Jürgen Kloth dennoch geschafften Klassenerhalt wieder auf die Trainerbank zurückzukehren.

Als Manager musste Oberbeck mit einigen Schwierigkeiten kämpfen. Zurückhaltende Sponsoren und Dauerkartenwünsche sorgten dafür, dass der Etat deutlich schrumpfte. Zehn Spieler mussten gehen. Nur drei externe Neuzugänge wurden verpflichtet. Dabei bewies der Manager aber ein glückliches Händchen. Damien Kabengele wurde aus Katar an die Innerste zurückgeholt und beweist neben Führungsqualitäten, dass er in Abwehr und Angriff eine Verstärkung ist. Kreisläufer Nikolaos Tzoufras hat sich sofort eingelebt. Er harmoniert mit der gesamten Rückraumreihe und verblüfft durch eine hohe Trefferquote. Dazu kommen die Eigengewächse. Frederic Stüber hat schon angedeutet, dass er im Mittelblock mehr als nur eine Alternative ist. Eine Verletzung stoppte den Aufstieg des 19-Jährigen kurzfristig. Die Außen Maurice Lungela und Nils Eichenberger sind wichtige "Back-Ups".

Und auch Tim Gerstmann hat den Fans im Rückraum schon Freude bereitet. Großes Vertrauen besitzt Torwart Pascal Kinzel, der eine gute Nummer zwei hinter Dennis Klockmann ist. Dazu scheint die Hierarchie im Team wieder hergestellt. Keine Alleingänge, wenig Show- alles in Eintracht. Dazu ist dann auch noch das Selbstvertrauen zurückgekehrt, das die Fans in der vergangenen Saison vermisst haben.

Bestes Beispiel war der 30:27-Pokalerfolg gegen Leipzig. Eintracht führte über weite Strecken der Partie. Teilweise sogar mit vier Toren. Mitte der zweiten Halbzeit hatten die Sachsen den Spieß kurzzeitig umgedreht und gingen in Führung. In der vergangenen Spielzeit hätte das Oberbeck-Team so ein Match sicher verloren. Mit dem Publikum im Rücken und dem wieder gewonnen Selbstvertrauen von 10:6-Punkten in der Liga, behielten die Hildesheimer einen kühlen Kopf. Das ist die nur etwas veränderte und doch so andere Eintracht Ende des Jahres 2013.


Auf der Suche nach Erklärungen

Fragt man nach Erklärungen, was in den vergangenen sieben Monaten passiert ist, sieht man nur lächelndes Schulterzucken. "Ich kann es mir auch nicht erklären. Der Trainer ist der gleiche, die Spieler sind fast die gleichen. Nur die Stimmung ist viel positiver", sagt Gesellschafter Carsten Paulick. Gerald Oberbeck ergeht es ähnlich. "Die Mannschaft glaubt wieder bis zur Schlusssierene an sich. Die Erfolgserlebnisse machen sich bemerkbar", sagt der Trainer.

Besonders deutlich wird das am Beispiel Michael Hoffmann. Der Ex-Kapitän hat zwei Seuchenjahre mit vielen Verletzungen hinter sich. Viele hatten den 38 Jahre alten Rechtsaußen abgeschrieben. Gemeinsam mit dem Physiotherapeuten Uwe Lieb und Mannschaftsarzt Jens Becker kämpfte sich der Däne wieder heran. "Ich habe immer geglaubt, dass ich noch einmal auf die Platte zurückkehre", sagt Hoffmann. Durch die Verletzung von Lothar von Hermanni hat Hoffmann seine Chance bekommen und genutzt. Er scheint wieder der Alte zu sein. Gegen Leipzig verwandelte er sehenswert vier von vier Versuchen. In der Deckung hat er ebenfalls zu früherer Stabilität zurückgefunden. Michael Hoffmann macht den Fans wieder Spaß. Er ist das Sinnbild für die positive Wandelung des Hildesheimer Handballs.