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2. Bundesliga

Emsdetten: Ein ersehnter aber unerwarteter Aufstieg

27 Jahre – und damit nicht nur eine halbe Ewigkeit, sondern auch mit Abstand am längsten von allen Konkurrenten – tummelte sich der TV Emsdetten in der 2. Handball Bundesliga. In dieser Saison schaffte der Club aus dem Münsterland den seit einigen Jahren ersehnten Sprung in die „bel etage“ des Handballs.

Wie immer spekulierten Verantwortliche, Spieler und Fans über mögliche Platzierungen. Und wie immer gab es Szenarien von Abstiegskampf bis Aufstiegskampf. Ein Indiz dafür, dass die 2. Handball Bundesliga ganz eng beieinander ist. Das Team selbst hatte als offizielles Ziel keine Verschlechterung gegenüber der Vorsaison (Platz 7) herausgegeben.

Trainer Liljestrand musste die Vorbereitung unter denkbar ungünstigsten Voraussetzungen beginnen. Die Neuverpflichtung Ólafur Bjarki Ragnarsson weilte mit der isländischen Nationalmannschaft in London bei Olympia. Die Verträge von Patrik Kvalvik und Elvir Selmanovic – die beiden Köpfe der vorausgegangenen Saison – Kvalvik (Abwehr) Selmanovic (Angriff), fehlten da die Verträge zunächst aus finanziellen Gründen nicht verlängert wurden.

So war Liljestrand gezwungen in Vorbereitungsspielen zu improvisieren. Mit Max Schüttemeyer empfahl sich ein TVE Eigengewächs für die Abwehr. Die Spielanteile, die er in der Vorbereitung erhielt, sollten im späteren Verlauf der Saison noch viel wert sein.

Kurz vor Saisonbeginn dann die Bekanntgabe der Vertragsverlängerung von Selmanovic und Kvalvik. Trainer Liljestrand hatte nun zwar noch keinen großen erfahrenen Kader, jedoch der kleine aber feine Kern beruhigte Fans und Verantwortliche.

Gleich zu Beginn wartete mit dem Auswärtsspiel in Saarlouis eine schwere Aufgabe, die der TVE jedoch durch einen 26:28 Sieg meisterte. Eine Woche später setzte der TVE das erste Ausrufezeichen.

Der große Favorit, der Bergische HC wurde in der Emshalle nicht nur besiegt. Nein, er wurde schon fast gedemütigt. Mit 24:18 bei zwischenzeitlicher  8 Tor-Führung wurden erste Hoffnungen auf eine erfolgreiche Saison genährt. Nils Babin wurde als erster Zweitligatorwart nach diesem Spiel in die Mannschaft der Woche der DKB Handball Bundesliga gewählt. Liljestrand hatte eine Abwehrphilosophie entwickelt, die gegen dem BHC nur 18 Tore zuließ. Es folgten Siege gegen Henstedt, Ferndorf, Erlangen. Stets war das „System Liljestrand“ erfolgreich. Gesicherte Abwehr und geduldiges Angriffsspiel.

Nach 6 Spielen die erste Niederlage in Friesenheim. Das Team kam umso gestärkter zurück. Das folgende Heimspiel gegen die hoch gehandelten Leipziger sollte zur TVE-Demonstration werden. Mit 31:20 wurden die Ostdeutschen aus der Halle „gefegt“. Dieses Spiel war ein Spiegelbild der gesamten Hinrunde. Es war keine „Ein-Mann-Show“. Der beste Schütze erzielte 6 Treffer. Insgesamt waren 9 Schützen am Sieg beteiligt. Die ausgeglichene Breite mit einem starken Torhüter Duo sorgte für Siege am laufenden Band. Es folgte der Dezember. Ein Monat, der wohl nie vergessen werden wird. Trotz großer Verletzungssorgen, denn Kvalvik, Wesseling und Kurchev fielen aus, siegte die Liljestrand-Truppe gegen Bietigheim, Hamm und Nordhorn. 2 Derbysiege hintereinander waren nicht nur nach dem Geschmack der Fans. Die Euphorie kannte keine Grenzen. Denn im DHB Pokal folgte nun das Spiel gegen HSV Hamburg. Zuvor hatte das Team den Erstligisten TV Neuhausen mit 33:20 aus der Halle gefegt. Die Truppe von Martin Schwalb war somit gewarnt: 2.200 Eintrittskarten waren innerhalb von 80 Minuten vergriffen. Das Spiel war an Dramatik kaum zu übertreffen. Trotz dem Fehlen einiger Leistungsträger und mit dem angeschlagenen Spielmacher Ragnarsson führte der TV Emsdetten bis 5 Minuten vor Abpfiff mit 2 Treffern. Am Ende waren es dann die besseren Individualisten, die dem HSV den Sieg bescherten.  Doch spätestens da war klar, der TVE kann um den Aufstieg mitspielen.

Dass am Ende der Aufstieg gelang lag auch am zweiten Sieg gegen den Bergischen HC. Über 500 grün gekleidete Fans waren mit Bussen, PKWs und der Bahn ins Bergische Land gereist um die Revanche des großen Favoriten erfolgreich abzuwehren.

Der Aufstieg wurde auswärts in Bietigheim fixiert. Etwas unerwartet, denn zu diesem Zeitpunkt fehlten Kurchev, Wesseling und Schüttemeyer. Während Ragnarsson, Arnarson und Kvalvik (Handbruch) teilweise schwer angeschlagen waren. Doch dann tönte es durch das Internetradio von Dirk Schemann: „Viiiitaliiii hält, Viitaliii häääält, der TV Emsdetten ist aufgestiegen“.

Feshchanka hatte in letzter Sekunde einen 7-Meter gehalten und damit den notwendigen Sieg gesichert. Seitdem ist der Dino „TV Emsdetten“ auf Abschieds- und gleichzeitig seine Fans auf Partytour. Die erste Liga kann sich auf diese sympathischen Fans freuen. Dass am Ende der Saison Patrik Liljestrand zum besten Trainer und Nils Babin zum besten Torhüter gewählt wurden unterstreicht den Verdienst des Aufstiegs. Immerhin erfolgte die Wahl unter anderem durch alle Zweitligatrainer und Manager.