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Fehlstart ist perfekt

"Die Mannschaft verfügt in jedem Fall über das personelle Potenzial, die Klasse zu halten und sich mittelfristig in der zweiten Bundesliga zu etablieren", sagte Martin Volk, Mitarbeiter der TVH-Marketing-GmbH im Vorfeld dieser von weiteren Strukturveränderungen geprägten Saison. Sieben Stammkräfte verließen den TV Hüttenberg, während das Kollektiv bewusst mit nur zwei externen Neuzugängen gestärkt wurde.

In diesen Tagen fällt oft der viel zitierte Begriff des "Hüttenberger Wegs" - junge Spieler, vornehmlich aus den eigenen Reihen, sollen den Sprung in den Handball auf Profiniveau schaffen. Dafür benötigen sie Praxis, Zeit entsprechende Fehler zu machen und Möglichkeiten, sich langsam an die hohen Anforderungen der zweiten Liga anzupassen. Der TVH gewährt diese Chance, bekommt allerdings aktuell zum Start der Saison bereits die bittere Quittung geliefert - 0:8 Punkte.


Keine Aufgabe

Oft ordentlich gespielt und wenig erzielt. Krasser Fehlstart. "Das Verkehrteste was wir jetzt machen könnten, ist den Kopf in den Sand zu stecken. Ich war mit dieser Mannschaft selbst noch nicht in einer solchen Situation, aber nun müssen wir einfach rudern. Alle gemeinsam", gibt sich Trainer Heiko Karrer nach dem Negativhöhepunkt der vergangenen Woche zu Gast in Aue weiterhin zielstrebig.

Die Erzgebirgler hatten bis dahin ebenfalls ein ausgeglichenes Punktekonto. In der Folge schmetterten sie die Hüttenberger mit 30:18 aus der eigenen Halle und damit bereits ab in eine verfrühte Krise. "Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Wir haben im Angriff zu wenig Geduld, versemmeln ein paar Bälle und tragen plötzlich eine mächtige Nervosität in unser Spiel", so Karrer weiter. Auch dem erfahrenen Neuzugang Alois Mraz von der HSG Wetzlar gelingt es derzeit nicht, die Wogen innerhalb der Mannschaft zu glätten und für etwas mehr Abgeklärtheit zu sorgen.

Gerade nach hinten heraus ist dem Team schlicht anzumerken, dass wichtige Eckpfeiler des Spiels in der letzten Zeit weggebrochen sind und der Druck zu sehr auf ungeschliffenen Rohdiamanten liegt. Allerdings scheint die Zeit, in der die zweite Liga die idealen Rahmenbedingungen für deren Schleifprozess lieferte, endgültig vorbei. Die jungen Akteure spielen durchaus ambitionierten Handball, machen dann aber ein paar Fehler zu viel, was bisher noch jeder der vier Kontrahenten gnadenlos bestraft hat.


Große Frustration

Es entscheiden tatsächlich Nuancen, wobei es im Moment umso schwerer scheint, dieses kleine Mehrgewicht vielleicht mal auf der eigenen Seite in die Waagschale zu werfen. "Natürlich sind die Jungs derzeit maßlos enttäuscht, doch wir müssen einfach hart weiterarbeiten. Auch mental müssen wir unsere Fehler nochmals durchgehen", erklärt Heiko Karrer. Viel Raum für weitere Fehltritte bleibt den Blau-Roten jedenfalls nicht, denn am nächsten Spieltag wird mit dem Schlusslicht der HSG Tarp-Wanderup ein absolutes "Punkte-Muss" im Sportzentrum Hüttenberg vorstellig. Sollte an dieser Stelle erneut die schwache Offensive für ein Debakel sorgen, dann könnte dieser Fehlstart weitaus größere Lücken reißen, als jedem in Hüttenberg lieb ist.