Eine schwierige Entscheidung - Großwallstadt trennt sich von Publikumsliebling Jakobsson - Holst nach Wetzlar - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Eine schwierige Entscheidung

Großwallstadt trennt sich von Publikumsliebling Jakobsson - Holst nach Wetzlar

Es gibt Entscheidungen, die sind sportlich nachvollziehbar und wirtschaftlich notwendig. Und doch fallen sie allen Beteiligten unendlich schwer. In diese Kategorie gehört der Abschied von Sverre Jakobsson vom TV Großwallstadt im nächsten Sommer. Der isländische EM-Teilnehmer spielt seit fünf Jahren für die Unterfranken, hat gute Zeiten wie den Einzug ins Europapokalfinale oder schlechte wie den Abstieg mitgemacht. Er ist Kapitän der Mannschaft, er ist beliebt bei den Mitspielern, im gesamten Verein, vor allem auch bei den Fans. Und doch geht aus Sicht des Clubs kein Weg an der Trennung vorbei.

"Diese Entscheidung ist uns wirklich schwer gefallen", gibt Geschäftsführer Andreas Klein zu. Aber sie konnte aus Sicht der Clubführung nicht anders ausfallen. Denn Jakobsson gehört nach wie vor zu den teuersten Spielern des TVG, sein Vertrag wurde noch zu Bundesligakonditionen abgeschlossen. Sportlich hat Jakobsson bei all seinen Qualitäten den Nachteil, dass er ausschließlich in der Defensive einzusetzen ist. In dieser Saison hat er es gerade auf ein einziges Tor gebracht. Schließlich feiert er am 8. Februar seinen 37. Geburtstag, das Ende der Karriere ist also nahe. "Wir können ihn auch nicht weiter in die Vereinsarbeit einbinden, weil er ja dann nach Island zurückkehrt", sagt Klein. Das alles hat für eine Trennung gesprochen.

Beim TVG versuchen sie mit Blick auf die kommende Saison trotz der begrenzten finanziellen Mittel eine Mannschaft aufzubauen, die dann um den Aufstieg mitspielen kann. Der Nachfolger für Jakobsson ist bereits gefunden und hat gerade einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Vom Konkurrenten aus Leipzig kommt der 34 Jahre alte Pavel Prokopec. Der Tscheche ist in Abwehr und Angriff einzusetzen, soll in beiden Mannschaftsteilen Führungsaufgaben übernehmen. "Ich habe mit Pavel in der Vergangenheit bereits gut und erfolgreich zusammengearbeitet", sagte TVG-Trainer Maik Handschke: "Er ist ein Spieler mit großer Erfahrung und Führungsqualitäten, von dem unsere jungen Spieler extrem profitieren können." Pikant: Gleich im ersten Spiel nach der EM-Pause stellt sich der Neue am 4. Februar mit seinem alten Verein SC DHfK Leipzig in Großwallstadt vor.

Prokopec ist der erste Neuzugang für die neue Saison, zwei, drei weitere sollen noch folgen. Einen kompletten Neuaufbau wie vor dieser Spielzeit aber soll es nicht geben. Geplant ist nur eine punktuelle Verstärkung des Teams. Dazu gehören ein weiterer Linkshänder als "Backup" für den Spanier Hugo Lopez und ein weiterer Linksaußen neben Florian Eisenträger. Denn mit dem aktuell zweiten Mann auf links, Maximilian Holst, steht neben Jakobsson der zweite Abgang zum Saisonende fest.

Holst wechselt zur HSG Wetzlar in die erste Bundesliga. Eine Entscheidung, die beim TV Großwallstadt niemand überrascht hat, gab es darum doch schon seit einiger Zeit Gerüchte. "Wir können seine Beweggründe nachvollziehen", sagt Klein, der allerdings sauer ist wegen der fehlenden Kommunikation mit dem hessischen Nachbarn aus Wetzlar vor der Verkündung des Wechsels. "Üblicherweise spricht man sich da ab", erklärt Klein: "Das war diesmal nicht der Fall."