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Interview mit Christian Voß, neuer Trainer des TV Korschenbroich

"Ich will die Hansehalle als Sieger zu verlassen"

Seit einer Woche ist Christian Voß der neue Trainer des Korschenbroicher Bundesligateams. Vor dem wichtigen Auswärtsspiel beim VfL Bad Schwartau am kommenden Samstag ( 19 Uhr, Hansehalle Lübeck) gibt er  Einblicke in seine bisherige berufliche und handballerische Karriere und beschreibt, wie er sich den zukünftigen Weg des Hand.Ball.Herz.-Teams vorstellt.


Christian, Sie sind genau eine Woche in Korschenbroich, wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit aus?

Christiian Voß: „Nun, zunächst muss ich sagen, dass die Aufgabe hier in Korschenbroich im Moment ungeheuer anstrengend ist. Es gibt unheimlich viel zu organisieren und zu tun, dummerweise habe ich mir auch noch eine Erkältung eingefangen, die meinen gesteckten Zeitplan durcheinander gewirbelt hat. Aber ich bin guter Dinge, dass sich die Abläufe hier bald normalisieren und ich etwas durchschnaufen kann. Ansonsten ist es so, dass ich mich schon nach der kurzen Zeit unglaublich heimisch fühle. Ich kriege permanent positive Rückmeldungen für meine Arbeit, das freut mich extrem. Den Jungs scheint mein Training zu gefallen, sie fühlen sich gut belastet. Und auch mit dem Ergebnis von letztem Samstag kann ich natürlich zufrieden sein.“


Bislang lag der Fokus sehr auf dem Sportlichen, bringen Sie doch bitte den Leserinnen und Lesern den Menschen Christian Voß etwas näher.

„Ich wurde am 07.07.1970 in Berlin geboren. Weil mein Vater, der wie ich Mediziner ist, eine Stelle an der Uni Lübeck angenommen hat, bin ich in der schönen Hansestadt aufgewachsen. Nach dem Abitur und dem Ableisten meines Wehrdienstes habe ich zunächst eine Banklehre absolviert. Anschließend habe ich ein BWL-Studium aufgenommen mit dem Ziel, in die Unternehmensberatung zu gehen. Nachdem ich mein Vordiplom in der Tasche hatte ist mir aufgefallen, dass ich in der Bibliothek immer häufiger bei den Medizinbüchern stehen geblieben bin und mich die Medizin allgemein sehr stark interessiert hat. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, das Medizinstudium aufzunehmen, was sicher keine leichte Entscheidung war. Seit Anfang 2006 habe ich als Arzt gearbeitet. Das ist ein sehr schöner Beruf, der mir auch sehr viel Spaß bereitet. Mein mittelfristiges Ziel ist es, die Medizin mit der BWL zu kombinieren.“

Das klingt ja schon mal sehr interessant. Wie sieht denn Ihr handballerischer Werdegang aus?

„Als Handballtrainer angefangen habe ich 1991. Auslöser war der gemeinsame Besuch eines Handballspiels meines Bruders mit meiner Mutter. Ich habe mich während des Spiels fürchterlich über den Trainer der Mannschaft aufgeregt, in der mein Bruder gespielt hat. Meine Mutter hat damals zu mir gesagt, dass ich nicht nur meckern, sondern es selber besser machen soll. Da war mein Ehrgeiz geweckt und ich habe selber angefangen, Handballteams zu coachen. Im Laufe der Jahre bin ich persönlich und handballerisch gewachsen. 1996/97 hat man mir schließlich angeboten, Landesauswahltrainer in Schleswig-Holstein zu werden. Das habe ich insgesamt fünf Jahre gemacht. In dieser Zeit hat mich der damalige DHB-Jugendtrainer Klaus Langhoff sehr stark gefördert und schließlich auch zum DHB-Stützpunkttrainer gemacht. 2000 bin ich zum Ratzeburger SV gekommen, den ich innerhalb der sechs Jahre, die ich dort war, aus der Bezirksliga bis in die Oberliga geführt habe. Leider war man 2006 nicht bereit, den Schritt hin zum etwas professionelleren Handball zu gehen und die dafür finanziell nötigen Mittel aufzubringen. Daher war mein Weg dort auch dann zu Ende.“


Anschließend sind Sie in die Regionalliga gegangen zum VfL Bad Schwartau. Wie war Ihre Zeit bei diesem Traditionsverein?

„Beim VfL hat man mich als Co-Trainer für das Regionalligateam engagiert, angepeiltes Ziel war die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Nach ungefähr einem halben Jahr gab es Probleme zwischen der Mannschaft und dem Trainer, man war insgesamt sehr unzufrieden. Schließlich habe ich den Hauptjob übernommen und am Ende der Saison sind wir Tabellenzweiter geworden. Für die folgende Spielzeit hatte ich eine mündliche Zusage seitens des Vereins. Ich habe das Team auf die Saison vorbereitet und auch den Kader zusammengestellt. Dann wurde Thomas Knorr frei und als Spieler und Co-Trainer verpflichtet. Diese Gelegenheit musste der VfL einfach ergreifen. Thomas ist so ein heimatverbundener Mensch und natürlich auch eine echte Handballpersönlichkeit, von ihm konnte der Verein in vielen Bereichen extrem profitieren. Weil wir aber beide Ambitionen hatten, als verantwortlicher Trainer zu arbeiten, mussten wir einen Kompromiss finden. Wir beide haben uns zusammen gesetzt und am Ende des Gespräches habe ich dann den Entschluss gefasst, den VfL zu verlassen. Ich hege aber keinerlei Groll gegen Bad Schwartau oder die Verantwortlichen.“

Jeder Trainer hat eine bestimmte Idee, was für einen Handball er spielen lassen möchte. Worauf kommt es Ihnen besonders an?

„Grundlage ist für mich immer, dass meine Mannschaft verschiedene Abwehrformationen beherrscht. Mit einem variablen Abwehrspiel kann man den Verlauf einer jeden Partie beeinflussen. Jede Formation hat sicherlich ihre Stärken und Schwächen, aber häufig hat der Gegner Probleme, sich kurzfristig bei einer Systemumstellung anzupassen. Aus einer guten Abwehr heraus leitet sich für mich automatisch ein schnelles und attraktives Tempospiel ab. Dafür ist hohe Präzision und eine genaue Organisation notwendig. Im Angriff sind mir allgemein einfache Auslösehandlungen wichtig, die zu einem variablen Kleingruppenspiel führen.“

Ihr zweites Spiel mit dem TVK führt Sie gleich an Ihre alte Wirkungsstätte nach Lübeck. Am Samstag treffen Sie dort auf den VfL Bad Schwartau. Mit was für einem Gefühl treten Sie die Reise an?

„Wie bereits erwähnt gibt es bei mir in Bezug auf das Umfeld und die Spieler keine negativen Emotionen. Die meisten Leute beim VfL kenne ich lange und gut, ich würde sogar sagen, dass ich zu sehr vielen eine freundschaftliche Basis habe. Für mich als eingesessenen Lübecker ist es eine tolle Sache mit meiner neuen Mannschaft gleich in meine Heimatstadt zurückzukehren. Es überwiegt die totale Freude. Im Prinzip gibt es nichts besseres, ich habe richtig Lust auf das Spiel. Vor allem habe ich Lust darauf, dort zu gewinnen. Es stellt sich nicht die Frage, ob ich dem VfL besonders verbunden bin oder nicht. Wir werden unser Bestes geben und ich habe auf nichts mehr Bock, als am Samstagabend die Hansehalle als Sieger zu verlassen.“