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Viele Kandidaten, kein Favorit

Im Aufstiegskampf werden die beiden Erstliga-Absteiger hoch gehandelt - Leipzig, Bittenfeld und Nordhorn lauern dahinter

Zum vierten Mal startet die zweite Bundesliga eingleisig in die Saison und ist so ausgeglichen wie nie zuvor besetzt. Mehr als die Hälfte der 20 Vereine scheint in der Lage zu sein, am Ende auf einem der drei Aufstiegsplätze zu landen. Ob jeder potenzielle Kandidat tatsächlich aufsteigen will, wird sich zeigen. Noch stehen alle Teams mitten in der Vorbereitung und auch auf dem Transfermarkt dürfte bis zum Saisonstart am 23./24. August noch einiges passieren.

Auffällig ist, dass sich beide Bundesliga-Absteiger weiter verstärkt haben. Beim ThSV Eisenach bekommt Stratege Hannes Jon Jonsson bei der Spiellenkung künftig Unterstützung durch Marcel Schliedermann, der vom VfL Bad Schwartau zu den Thüringern wechselte. Den rechten Rückraum wird Jan Forstbauer (MT Melsungen) per Zweitspielrecht verstärken. Offiziell nimmt man in Eisenach das Wort Wiederaufstieg (noch nicht) in den Mund. "Wir haben Respekt vor den Konkurrenten. Wir werden keinen unterschätzen, aber in den nächsten zwei Jahren wollen wir wieder hoch", erklärt Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Verzichten muss der ThSV vorerst weiter auf Regisseur Tomas Sklenak und Rückraum-Shooter Dener Jaanimaa (beide Kreuzbandriss).

Auch der TV Emsdetten als zweiter Absteiger hat personell kräftig nachgelegt. Bislang wurden André Kropp, Dominik Schnetgöke, Anton Rúnarsson (Island), Tobias Rivesjö (Schweden), Stian Brevik (Norwegen) sowie die Niederländer Jasper Adams und Iso Sluijters verpflichtet. Damit dürfte Trainer Daniel Kubes über einen der stärksten Kader der zweiten Liga verfügen, aus dem er allerdings noch eine Mannschaft formen muss. Vom sofortigen Wiederaufstieg reden auch die Emsdettener nicht.


Verletzungspech beim TVB

Die lange Liste weiterer Aufstiegskandidaten beginnt mit dem TV Bittenfeld, dem Vierten der vergangenen Saison. Allerdings beklagen die Schwaben bereits kurz nach dem Start in die Saisonvorbereitung zwei Ausfälle. Kreisläufer Simon Baumgarten zog sich einen Adduktoren-Teilabriss zu, Neuzugang Patrik Kvalvik (vom TV Emsdetten) verletzte sich an der Quadrizeps-Sehne. Noch ist unklar, ob beide bereits im ersten Spiel zur Verfügung stehen.

Auch der SC DHfK Leipzig verpasste Rang drei im Frühjahr nur knapp. Nach nur einem Jahr verlässt Linkshänder Max Jonsson die Sachsen in Richtung Nancy. Die Leipziger setzen auf junge deutsche Talente, wollen im rechten Rückraum neben Max Emanuel die A-Jugendlichen Franz Semper und Sebastian Naumann einbauen. Außerdem wurden die Verträge mit Bastian Roscheck und Uli Streitenberger verlängert und damit zwei vor allem in der Abwehr wichtige Stützen gehalten. Die Schützlinge von Trainer Christian Prokop dürften erneut eine Rolle im Spitzenkampf spielen.

Das ist auch der HSG Nordhorn-Lingen zuzutrauen. Mit Rückkehrer Toon Leenders (aus Essen), Michael Kintrup (vom VfL Gladbeck) und Torwart-Talent Fabian Kaleun (19/vom SV Mecklenburg Schwerin) mischen bis jetzt drei "Neue" mit. Gerade im taktischen Bereich könne das Team auf hohem Niveau beginnen, glaubt Trainer Heiner Bültmann. Wie schon in der vergangenen Saison habe es nur wenige Wechsel gegeben. Lediglich Paul Trodler (nach Essen) hat das Team verlassen.

TuSEM Essen hat durch die Abgänge von André Kropp (Emsdetten), Julius Kühn (Gummersbach), Niclas Pieczkowski (N.-Lübbecke) und Philipp Pöter (Leipzig) nicht nur Qualität, sondern auch Erfahrung verloren. Allerdings reagiert Trainer Mark Dragunski entspannt: "Natürlich müssen wir neu aufbauen, aber die Jungs haben Potenzial und sind heiß. Ich freue mich auf diese Aufgabe." Und die "Neuen" Paul Trodler, Dennis Szczesny, David Hansen und Routinier Michael Hegemann haben immerhin mindestens Zweitliga-Erfahrung.


Neuer Zuschauermagnet?

Der TV Neuhausen, der VfL Bad Schwartau, der ASV Hamm-Westfalen, der TV Großwallstadt, der HC Empor Rostock - alles weitere Mannschaften, die "oben" mitspielen können. Das wird den Aufsteigern indes erfahrungsgemäß schwer fallen. In einem Punkt dürfte der HSC 2000 Coburg allerdings schon jetzt zu den Spitzenteams gehören. In der vergangenen Drittliga-Saison lockten Trainer Jan Gorr und seine Truppe daheim im Schnitt 2.400 Zuschauer an. Immerhin stehen mit Florian Billek und Matthias Gerlich künftig auch zwei Spieler im Coburger Kader, die schon Bundesliga-Luft geschnuppert haben.

Der SV Henstedt-Ulzburg startet mit vielen neuen Gesichtern und dem neuen Trainer-Duo Amen Gafsi/Matthias Karbowski in die Saison und setzt auf eine intensivierte Zusammenarbeit mit dem HSV Hamburg. Neu im Kader sind unter anderem die Dänen Daniel Eggert (25) und Martin Laursen (19), der slowakische Linkshänder Stanislav Demovic (38) und der schwedische Rechtsaußen Pavle Karacic (22). Geschäftsführer Olaf Knüppel ist optimistisch: "Unser Ziel kann nur der Klassenerhalt sein, aber wir bringen eine konkurrenzfähige Mannschaft an den Start."

Das hoffen auch die anderen beiden Aufsteiger, der TSV Bayer Dormagen und der GSV Eintracht Baunatal. Für den TV Hüttenberg, im Frühjahr nur knapp am Abstieg vorbeigeschrammt, sagt Trainer Axel Spandau: "Unsere Mannschaft wird in der kommenden Spielzeit anders werden, wir werden mehr Punkte holen." Auch die erst am "Grünen Tisch" in der zweiten Liga verbliebene HG Saarlouis hofft auf den Klassenerhalt, muss allerdings den Abgang von Torjäger Tim Suton zu den Rhein-Neckar Löwen verkraften.