Wir brauchen die zweite Liga - Interview mit den Managern Bob Hanning und Gerald Oberbeck vor dem Pokalspiel Hildesheim gegen Berlin - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Wir brauchen die zweite Liga

Interview mit den Managern Bob Hanning und Gerald Oberbeck vor dem Pokalspiel Hildesheim gegen Berlin

In zwei Wochen treffen Zweitligist Eintracht Hildesheim und das Bundesliga-Topteam Füchse Berlin im DHB-Pokal-Achtelfinale aufeinander. Grund genug für die HANDBALLWOCHE, die beiden Macher der Teams an einen Tisch zu holen. Auf neutralem Boden, im hannoverschen Dormero-Hotel, sprachen Hildesheims Handball-Boss Gerald Oberbeck und Füchse-Chef und DHB-Vizepräsident Bob Hanning über das Pokalduell und die Zukunft der eingleisigen zweiten Liga. %_helveticafett_%Wie groß war die Freude, als Diskuswerfer Robert Harting das Pokal-Los Eintracht Hildesheim gegen die Füchse aus der Schale zog?%__helveticafett_% Gerald Oberbeck: Sehr groß. Ich habe immer gesagt, ich möchte einen der Top-Fünf-Clubs im Pokal als Gegner haben. Wir können den Hildesheimer Fans nun eine der größten fünf Mannschaften Europas präsentieren. Das garantiert eine volle Halle mit toller Stimmung und eine gute Einnahme. Bob Hanning: Wir haben in den vergangenen Jahren Kiel und Hamburg frühzeitig im Pokal gehabt und sind ausgeschieden. Jetzt ist die Chance aufs Weiterkommen sehr groß. %_helveticafett_%Sehen sie das genauso Herr Oberbeck?%__helveticafett_% Oberbeck: Wenn man eine Chance gegen einen Erstligisten haben will, dann im Achtelfinale. Im Viertelfinale weiß jeder Spieler des Erstligisten, dass bei einem Sieg das Final Four winkt. Da hat man keine Chance. Hanning: Das stimmt. Aber wir müssen uns maximal auf das Spiel fokussieren. Wenn wir das nicht machen, kann es uns so gehen wie zu Hause gegen Brest (mühsamer 22:20-Sieg im EHF-Pokal-Hinspiel, Anm. der Red.). Das darf uns aber nicht passieren. %_helveticafett_%Lassen Sie uns über die zweite Liga reden. Wie kann die HBL der zweiten Liga helfen?%__helveticafett_% Hanning: Die zweite Liga ist noch nicht richtig mitgenommen worden. Die Entscheidung, die besten Teams in einer Liga zusammenzuziehen, war richtig. Wir brauchen die zweite Liga unter anderem als Ausbildungsstätte. Dafür müssen wir sie aber stärken. Viele Zweitligisten können den Spielern nur ein geringes Gehalt zahlen. Damit ist keinem geholfen. Die jungen Spieler sollen soviel verdienen, dass sie davon leben können. Sie müssen Professionalität lernen und leben. Das klappt nur in wenigen Vereinen. Dazu müssen die Clubs an anderer Stelle zu viel sparen. Bei der HBL-Tagung im Juni werde ich ansprechen, dass das Hauptaugenmerk auf die zweite Liga gerichtet werden soll. Außerdem müssen die hauptverantwortlichen Präsidiumsmitglieder jetzt für die Zweitligisten aktiv werden. Ob mit Fernsehgeldern, Sponsorenverträgen und anderen Netzwerken. Dazu möchte ich noch ein Beispiel nennen: Als ich noch im Präsidium der HBL tätig war, mussten die Champions-League-Teilnehmer einen fünfstelligen Solidaritäts-Beitrag zahlen. In dieser Saison wurde das wieder gekippt. So ein Betrag könnte künftig der zweiten Liga zu Gute kommen. %_helveticafett_%Warum funktioniert dieses Solidarität nicht?%__helveticafett_% Hanning: Weil jeder nur sich selbst sieht. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Ob HBL, DHB oder die Vereine. Wir müssen den Handballsport, für den wir leben, wieder attraktiver machen. Oberbeck: Durch Christian Fitzek, der in das HBL-Präsidium gewählt wurde, Timo Schön und Werner Fischer erhoffen wir uns eine bessere Vertretung unserer Interessen. Wir brauchen finanzielle Sicherheiten. Man sollte über eine Reduzierung auf 18 Teams und nur noch zwei Aufsteiger nachdenken. Der Dritte, mit geschätzten 26 Minuspunkten, hat bei normalen Verhältnissen keine Chance in der Bundesliga zu bestehen. Die zweite Liga ist wichtig für die Ausbildung junger Spieler. Davon profitiert die HBL. Hanning: Drei Aufsteiger sind zuviel. Da hat Gerald recht. Und für einen Aufsteiger wäre es auch einfacher, sich in der Bundesliga zu halten bei nur zwei Absteigern.