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Das Ende einer Trainer-Ära

Leutershausen: Holger Löhr tritt zurück

Für den "Handball der Neuzeit", wie er in Leutershausen gern genannt wird, war es ein Gänsehautmoment: Holger Löhr, Trainer der "Roten Teufel", trat in der vergangenen Woche vor die Mannschaft und verkündete seinen Rückzug. Er habe nach dem knappen Ausgang der vergangenen Spielzeit und dem wiederum nicht optimalen Saisonstart den Eindruck, dass er die Spieler nicht mehr zur nächsten Erfolgsstufe hin entwickeln könne. Da müsse man sich als Trainer hinterfragen und schließlich die Konsequenz ziehen.

Ganz ruhig sei es danach in der Halle gewesen, sagt einer, der bei diesen Ausführungen dabei war. Es sei eine betretene, überraschte Stille gewesen. Und das ist nachvollziehbar. Denn Holger Löhr galt in den vergangenen sieben Jahren als Konstante in Leutershausen. Niemand im Management rüttelte an seinem Stuhl, nicht öffentlich, aber auch nicht im Hintergrund.

Und das nicht nur, weil die Verdienste des 43 Jahre alten ehemaligen Nationalspielers immens sind: Löhr war es, der nach der Insolvenz und dem Absturz des Vereins in die Baden-Württemberg-Oberliga den Wiederaufstieg zurück in die zweite Liga schaffte. Er bewies, dass in manchem Spieler mehr steckte als zunächst zu vermuten war. Er galt als Integrationsfigur des "Leutershausener Modells", das konsequent darauf baut, junge Talente früh in verantwortungsvolle Positionen zu bringen. Dass sein Rückzug nun am Fundament des gesamten Konstrukts rüttelt, wird an diesem Abend jedem klar gewesen sein.


Gegenseitiger Respekt

In ersten Reaktionen zollten die Verantwortlichen der SGL von Geschäftsführer Jörn Schmitt bis hin zum Sportlichen Leiter Uli Roth Löhrs Entscheidung Respekt. Sie alle kennen sich seit vielen Jahren, die Freundschaften reichen zurück bis in die Jugend. Wenn es nun heißt, dass es weder Streit noch böse Worte beim Abschied gab, dann darf man dies als bare Münze nehmen.

Das Management weiß, dass Holger Löhr nur das getan hat, was er von seinen Spielern erwartet: Er gab vollen Einsatz für das Team, für den gemeinsamen Erfolg. Als der Erfolg ausblieb, als er sich selbst als Schwachstelle in diesem Verbund ausmachte, zog er die Konsequenz. Selbstkritisch. Unprätentiös. Er nahm die gesamte Verantwortung auf sich, um der Mannschaft die Last zu nehmen.

Das Team startet nun mit Marc Nagel in einen Neuanfang. Der 43-Jährige saß seit Mitte der vergangenen Saison gemeinsam mit Löhr gleichberechtigt auf der Trainerbank. Er kennt die Mannschaft, die Liga und das Umfeld. Formell ist bei der SG Leutershausen also alles im Lot, und doch wird sich die Mannschaft nach der Ära Löhr erst wieder auf einen gemeinsamen Kurs einpendeln müssen.