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Eine zweite Heimat

Nordhorn: Am 14. Dezember spielt die HSG zum ersten Mal in der Emsland-Arena

Als Nils Meyer am Rande des frisch verlegten Handballfeldes seine Dehnübungen machte, ließ er den Blick durch die Emsland-Arena schweifen. "Als wir vor ein paar Monaten bei der Baustellenbesichtigung hier waren", erinnerte sich der erfahrenste Handballer der HSG Nordhorn-Lingen, "da konnte ich mir das noch gar nicht so vorstellen." Doch als er und seine Kollegen beim Zweitligisten kürzlich erstmals ihre künftige Zweitspielstätte beim Training erkunden durften, fand er, "gefällt mir das wirklich gut." Und vor allem der parkettähnliche Belag, der zu jedem Spiel auf- und abgebaut werden muss, lässt seine Augen glänzen: "Das sieht richtig nach Handball-Arena aus", schwärmt Meyer, der als Spielmacher des Teams nicht nur die sportliche Seite vertritt, sondern als Marketing-Experte auch im Umfeld mit anpackt.

Die Vorfreude auf den 14. Dezember, wenn die HSG erstmals in Lingen antritt, ist auch auf die Fans übergesprungen. Als vergangene Woche zum so genannten "Softopening" mit dem Zweitligisten etwa 350 Zuschauer das öffentliche Training verfolgten, staunte Trainer Heiner Bültmann: "Ich bin total überrascht, dass das so viele interessiert." Von der Tribüne schauten etliche HSG-Fans zu, die seit Jahren auch das Euregium besuchen, "aber es sind auch ganz viele neue Gesichter da", freute sich HSG-Mitarbeiterin Melanie Tebbel.

Beim ersten Spiel gegen den Landesrivalen Eintracht Hildesheim könnte die bei einem Handballspiel 3.600 Zuschauer fassende Halle sogar ausverkauft sein. Sitzplatzkarten gibt es schon seit einigen Wochen nicht mehr; und die Wahrscheinlichkeit, dass die restlichen Stehplatz-Tickets in den nächsten Wochen noch weggehen, ist groß. Sportlich sollen dann zum einen zwei Punkte eingefahren werden und zum anderen geworben werden für vier weitere Spiele, die in dieser Saison in der Emsland-Arena geplant sind. Und wenn es perfekt läuft, erweitern die Grafschafter Handballer so ihr Stammpublikum und locken auch zu den Spielen im Euregium mehr Zuschauer an.

Das ist die Rechnung, die aufgehen soll mit dem Projekt "zwei Städte - ein Team": Mehr Zuschauer, mehr Sponsoren, größere Einnahmen - macht zusammen eine stabilere Basis, um dauerhaft Spitzenhandball in der Region anbieten zu können. Oder wie Florian Krebs es formuliert, der Geschäftsführer der neuen Arena und der Emslandhalle nebenan: "Alle zusammen müssen wir daran arbeiten, dass daraus eine gute Sache wird." Und offenbar sind die Voraussetzungen für einen perfekten Auftakt erfüllt: Trainer Heiner Bültmann und seine Spieler waren begeistert, nachdem sie die Arena inspiziert hatten. "Der erste Eindruck ist super, sehr positiv, echt geil", suchte der Trainer nach dem richtigen Superlativ.


An alte Zeiten anknüpfen

Auch beim HC Lingen, der die HSG bei dem Projekt "zwei Städte, ein Team" nach Kräften unterstützt, sehnt man das erste Zweitligaspiel in der Stadt herbei. "Endlich haben wir in Lingen eine vernünftige Halle", sagte Hans-Dieter Standop aus der Führungsriege des Nordhorner Nachbarvereins. Er erinnerte daran, dass Lingen mal eine Handball-Hochburg war. Nach dem Krieg ging es auf dem Großfeld gegen den THW Kiel oder Polizei Hamburg um Punkte für die deutsche Meisterschaft. Der vor bald 25 Jahren aus dem TuS Lingen hervorgegangene HCL hofft darauf, dass vom Glanz der Zweitligaspiele etwas auf ihn abstrahlt, um der Nachwuchsarbeit weiteren Schub zu verleihen.

Zu ihrer Lingen-Premiere spielt den Handballern ein entscheidender Aspekt in die Karten: Die Neugier ist groß, im Emsland ebenso wie in der Grafschaft. Danach darf man gespannt sein, was die HSG, der HC Lingen und die Arena-Betreiber aus den guten Standort-Bedingungen in Nordhorn und Lingen machen. Eine Aufgabe, auf die Nils Meyer sich freut: "Das ist etwas Neues und sehr spannend." In diese Kerbe schlug auch Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone, der den Besuchern beim "Softopening" übers Hallenmikrofon empfahl: "Kommen Sie zu den Spielen in Lingen, aber fahren Sie auch zur HSG nach Nordhorn. Denn damit das Projekt "zwei Städte, ein Team" auf Dauer funktioniert, muss der Zuschauerzuspruch in beiden Hallen stimmen.