Der beste Saisonstart der Zweitliga-Historie - Nordhorn: Trainer Heiner Bültmann freut sich über die Weiterentwicklung seiner Mannschaft - Probleme mit kleinem Kader - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Der beste Saisonstart der Zweitliga-Historie

Nordhorn: Trainer Heiner Bültmann freut sich über die Weiterentwicklung seiner Mannschaft - Probleme mit kleinem Kader

Die Frage ist schnell beantwortet: Ob die HSG Nordhorn-Lingen mit 10:2 Punkten den besten Start seit der Rückversetzung in die zweite Liga hingelegt hat? Heiner Bültmann muss nicht lange überlegen. "Auf jeden Fall", antwortet der Trainer, "denn in den Jahren davor fehlten uns dazu die Auswärtssiege." Es ist schon erstaunlich: Kapitän Nicky Verjans und Co. haben von den ersten drei Spielen in fremder Halle zwei gewonnen, bei der HG Saarlouis (34:28) und beim VfL Bad Schwartau (25:24). Zum Vergleich: In der kompletten vergangenen Spielzeit kamen die Grafschafter auf nur drei Auswärtssiege insgesamt.

Nun hofft Bültmann, dass sein Team diese neue Qualität dauerhaft verfestigen kann. Zumindest ein Indiz, dass die HSG sich in dieser Hinsicht weiter entwickelt hat, lässt sich festmachen: "Letzte Saison haben wir bei zwei Aufsteigern und mit Hüttenberg bei einem etablierten Zweitligisten gewonnen", sagt er, "jetzt waren es Siege bei zwei Etablierten." So könnte der Erfolg in Saarlouis eine Initialzündung gewesen sein: "Das war schon befreiend", berichtet Bültmann, "und ich hoffe, dass das so ein kleiner Büchsenöffner für die ganze Saison war."

Auch das Spiel gegen Schwartau, so Bültmann, "war etwas Besonderes". Vor allem die Art und Weise, wie sein Team mehr als 40 Minuten die Partie dominiert und mit bis zu sechs Toren geführt hatte, imponierte ihm. Und selbst als es in den letzten zehn Minuten immer stärker unter Druck geriet, weil die Schwartauer bis auf ein Tor herankamen, offenbarte es eine neue Qualität: "Wie cool wir das zu Ende gespielt haben, war stark", lobt der Trainer, der auch hier einen Fortschritt sieht: "Wir haben gelernt, ruhiger zu werden."


Eine stabile Defensive

Die Erfolgsserie basiert eindeutig auf einer stabilen Defensive. Mit Frank Schumann, dem einzigen Neuzugang, als neuem Partner von Paul Trodler in der Innenverteidigung, hat die 6:0-Deckung weiter an Stabilität gewonnen. Dazu kamen herausragende Leistungen von Björn Buhrmester im Tor. "Wir decken im Moment richtig gut", freut sich Bültmann, hebt dabei aber ausdrücklich auch alle anderen Spieler hervor. "Ich habe das Gefühl, jeder hat noch mal einen kleinen Schritt nach vorne gemacht."

Derart verlässliche Abwehrarbeit ist auch ein Plus für den Angriff. Sie ermöglicht die einfachen Tore nach Gegenstößen. Und: "Wir haben nicht den Druck, bei jedem Angriff treffen zu müssen", erklärt Bültmann. Doch es zeigte sich auch, auf welch zerbrechlichem Fundament die Erfolgssträhne gründet. Gegen Schwartau verletzte sich Jens Wiese an zwei Fingern der rechten Wurfhand. Das war bitter, weil er sich gerade mit acht Toren gegen Leipzig und vier Treffern gegen Schwartau bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden Ende der ersten Halbzeit aus einem kleinen Formtief befreit hatte.

Kurzfristig kann der kleine Kader der HSG derartige Ausfälle kompensieren, langfristig dürfte es an der Substanz zehren. Weil Schumann und Patrick Miedema krank waren und Luca de Boer und Alex Terwolbeck als Studienanfänger in Münster gebunden waren, strich Bültmann vergangene Woche die Trainingseinheiten - aber nicht nur mangels Masse: Verdient war der freie Tag nach dem besten Saisonstart im fünften Jahr zweiten Liga ja auch. Da gibt es keine Zweifel.