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2. Bundesliga

Pokern um die Aufstiegsplätze

Auch wenn es die Verantwortlichen in Großwallstadt nicht wahr haben wollen: Der Altmeister ist der Top-Favorit auf die Meisterschaft und damit auf den direkten Wiederaufstieg. Zwar dementiert der neue Coach Khalid Khan alle Ansprüche vehement und spricht von Demut beim Absteiger – die Konkurrenz sieht dies aber anders. Vor allem die „erste Garnitur“ mit Putera, Spatz, Lopez, Fridgeirsson, Pomeranz, Arnaud und Holst gehört sicher zu den besten in der Zweitklassigkeit. Schwerer auszurechnen ist hingegen die Durchschlagskraft der zweiten Reihe. Sollte der TVG von großem Verletzungspech verschont bleiben, dürfte einer Rückkehr ins Oberhaus nicht viel entgegenstehen.


Ähnlich verhalten zeigt man sich auch beim TV Neuhausen. „Die Jungs“ ließen aber schon in der vergangenen Saison ihr Können aufblitzen. Das Team ist nach dem „Betriebsunfall Bundesliga“ gestärkt in die zweite Liga zurückgekehrt und profitiert von den Erfahrungen der letzten Spielzeit. „Die zweite Liga ist in ihrer Leistungsdichte um einiges höher geworden“, glaubt TVN-Coach Markus Gaugisch. Gegen einen weiteren „Unfall“ der ins Oberhaus führt, hätte er sicherlich nichts einzuwenden.
Oben mitspielen will auch wieder die SG BBM Bietigheim. Der Vierte der vergangenen Saison kann auf die altbewährten Kräfte vertrauen. Allerdings könnte der Wechsel auf der Kommandobrücke ein kleines Störfeuer sein. Zürn-Nachfolger Hartmut Mayerhoffer genießt einen guten Ruf in der Szene, doch viel Zeit bleibt ihm nicht. Je schneller die Prozesse greifen und Mayerhoffer den Zugang zum gefestigten und gewachsenen Team findet und dieses seine Philosophie umsetzt, desto größer sind die Chancen, dass die SG BBM erneut um die Aufstiegsplätze mitspielt.

Diese drei Teams zählen bei vielen Szenekennern zu den heißesten Anwärtern auf die Aufstiegsplätze. Aber eine lange Saison mit vielen Herausforderungen liegt vor den Teams. Die Leistungsdichte ist hoch, besonders  in der oberen Tabellenhälfte. Der HC Empor Rostock und die TSG Ludwigshafen-Friesenheim sind sicherlich zwei Mannschaften, die ein Wörtchen bei der Vergabe der ersten drei Plätze mitsprechen werden.


Empor landete nach einer überragenden Rückrunde auf Platz sechs und löste Aufbruchstimmung im Umfeld aus. Auch die Rothemden aus Friesenheim besitzen die Qualität, um auch wieder an der Tür zur ersten Liga anzuklopfen. Aber das Verletzungspech war  in der letzten Saison ein ständiger Begleiter. Sollten die beiden Führungsspieler Andrej Kogut und Stephan Just  gesund bleiben, dann ist sicherlich ein Platz unter den ersten fünf möglich.


In diesen Regionen würde sich  gerne auch der SC DHfK Leipzig positionieren. Das prominente Handball-Großprojekt hat sich das Ziel „Erstklassigkeit“ auf die Fahne geschrieben. Nach einer verkorksten Saison 2012/13, in der sogar um den Klassenverbleib gezittert werden musste, sollte in diesem Jahr ein guter Mittelfeldplatz drin sein. Dort befinden sich  die Messestädter in guter Gesellschaft mit Mannschaften wie zum Beispiel Schwartau, Saarlouis, Nordhorn, Erlangen, Hamm, Bittenfeld und Hildesheim.


Zu dieser Riege sollte sich auch der Traditionsclub von der Essener Margarethenhöhe einreihen. Zwar musste der TuSEM einen heftigen personellen Aderlass hinnehmen,  aber der Absteiger verfügt trotzdem noch über genügend Potenzial, um sich in  Liga zwei zu behaupten – auch wenn es sich um eine sehr junge Mannschaft handelt. Deshalb scheint die Entscheidung für Mark Dragunski als neuen Trainer richtig. Er hat schon im Essener Jugendbereich bewiesen, dass er mit Nachwuchsspielern erfolgreich umgehen kann.

Ein Händchen für junge Spieler hat auch Leutershausens Coach Holger Löhr. Die SG verpflichtete erneut vor allem junge Spieler, die den Klassenerhalt  sichern sollen. Damit wird konsequent  die Philosophie fortgesetzt,  Talente zu fördern und weiterzuentwickeln, statt fertige Profis einzukaufen. Was der Truppe an Erfahrung fehlt, muss sie mit Begeisterung wieder wett machen. Nur so hat sie eine gute Chance, in einer anspruchsvollen Liga dauerhaft ihren Platz zu finden.

Von den drei Aufsteigern ist  wohl am ehesten Altenholz der Klassenerhalt zuzutrauen. Was in der Mannschaft steckt, bewies das Team in der vergangenen Drittliga-Serie. Selbst der Ausfall von Spielmacher Uwe Kalski konnte kompensiert werden. Trainer Klaus-Dieter Petersen zeigte eindrucksvoll, wie gut er mit jungen Spielern umgehen kann und ihre Leistung zu steigern vermag. Gelingt es, die talentierten Zugänge gut zu integrieren, dürfte ein Platz im unteren Mittelfeld durchaus erreichbar sein. Die HSG Tarp-Wanderup muss sich ins letzte Viertel der Liga orientieren. Allerdings gibt es Teams auf Augenhöhe und einige junge Spieler, bei denen überraschende  Entwicklungsschübe denkbar sind.


Und dann die Frage: Wie viele Teams steigen am Ende wirklich ab? Nur zwei Teams wie im Vorjahr? Dann stehen die Chancen auf den Klassenerhalt für die HSG vielleicht gar nicht so schlecht. Auf ein ähnliches Wunder hoffen auch die Wölfe aus Rimpar. Finanziell, strukturell und auch individuell sind sie wohl das Schlusslicht der Liga. Der Klassenerhalt, und dessen sind sich alle in Rimpar bewusst, wäre das noch größere Wunder, als der Aufstieg.