Dr. Jekyll und Mr. Hyde - Rimpar: Interview mit Max Brustmann über Emotionen, Routinen und neuen Ziele - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Rimpar: Interview mit Max Brustmann über Emotionen, Routinen und neuen Ziele

Als Max Brustmann (32) mit elf Jahren zu seinem ersten Handballtraining ging, war kein Torwart da. Der Coach bat ihn: "Stell dich mal rein." Seither steht er da, zwischen den Pfosten in Rimpar, 21 Jahre schon, abgesehen von einem vierjährigen Gastspiel beim HSC Bad Neustadt. Privat gibt sich der Gymnasiallehrer eher introvertiert, im Tor extrem extrovertiert. Mit Erfolg: Brustmann ist mit einer Quote von 44 Prozent parierter Bällen aus dem Feld und rund 40 Prozent vom Siebenmeterpunkt nicht nur einer der Erfolgsgaranten bei den Wölfen, er gilt auch als einer der besten Torhüter der Liga.

%_helveticafett_%Max, ein Kollege hat mal über Sie geschrieben, Sie seien privat wie der gute Dr. Jekyll und im Tor wie der furchtein flößende Mr. Hyde. Ein passendes Bild? %__helveticafett_% Max Brustmann: Ja, das kann man so schon sagen. Ich bin eigentlich ein eher ruhiger Typ, aber sobald ich auf das Spielfeld gehe, kommen Emotionen dazu. Dazu gehört auch meine Einstellung, immer tausend Prozent zu investieren. Wenn ich das Gefühl habe, das nicht jeder an seine Schmerzgrenze geht und dadurch vermeidbare Fehler passieren, dann kann ich schon mal ausrasten. Denn zum einen ist Handball eben ein Mannschaftssport, in dem jeder alles für die anderen geben muss, zum anderen können wir uns nicht so viele Fehler erlauben wie andere Mannschaften, wenn wir Erfolg haben wollen. Aber ich bin auch schon im Tor etwas ruhiger geworden. Früher habe ich öfter den Fokus verloren, wenn ich mich zu sehr aufgeregt habe. Heute kann ich mich besser zurückholen. %_helveticafett_%Was ist Ihr Erfolgsrezept als Torwart?%__helveticafett_% Die Erfahrung. Ich habe mit 32 Jahren schon viel auf das Tor bekommen. Dazu kommt Ruhe in der Aktion und jede Woche wieder eine gewissenhafte Vorbereitung. Durch das ständige Wiederholen haben sich viele Wurfbilder in mich eingebrannt, ich habe heute noch welche von Gegnern vor fünf Jahren im Kopf. Natürlich muss man die Wurfbilder dann auch in Sekundenbruchteilen abrufen und in die Aktion umsetzen können - und das nicht nur mal in einem Spiel, sondern möglichst konstant. Aber das klappt im Moment ganz gut. %_helveticafett_%Konstant ist auch Ihre Treue zu Ihrem Heimatverein. Schon mal darüber nachgedacht, noch mal fremdzugehen?%__helveticafett_% Nicht konkret. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt, dass ich für immer in Rimpar bleiben werde. Ich möchte auf jeden Fall noch ein bisschen auf hohem Niveau spielen. %_helveticafett_%Die Wölfe wollen eigentlich "nur" den Klassenerhalt - und stehen immer noch auf einem Aufstiegsplatz. Wo sehen Sie Ihr Team am Ende der Saison?%__helveticafett_% Ehrlich: Ich habe noch nicht weiter gedacht als bis zur Winterpause. Falls wir da den Klassenerhalt gesichert haben und immer noch oben stehen, dann sollten wir uns tatsächlich neue Ziele setzen. Aber vom Aufstieg zu reden, wäre vermessen, allein schon wegen unserer Strukturen. Und wir sind auch durchaus in der Lage, mal fünf Spiele am Stück zu verlieren (grinst). %_helveticafett_%Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Ihr Trainer Sie damals mit elf nicht ins Tor gestellt hätte?%__helveticafett_% Vielleicht ein überragender Rückraumspieler (lacht). Ich hab jedenfalls keinen schlechten Wurf.