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Interview mit Peter Rauch, Präsident des SV Post Schwerin

"Sportlich äußerst reizvoll"

Er ist ein Fürsprecher der eingleisigen 2. Liga. Insofern freut sich Peter Rauch, Präsident des SV Post Schwerin und langjähriges Mitglied im Präsidium der Toyota Handball-Bundesliga, auf die in etwas mehr als einer Woche beginnende neue Spielzeit, bei der die 2. Handball-Bundesliga erstmalig eingleisig an den Start gehen wird. Welche Chancen, Perspektiven und Herausforderungen die "neue" 2. Handball-Bundesliga bietet, erläuterte Peter Rauch in einem ausführlichen Interview.

Herr Rauch, auch die 2. Liga nimmt am 2. September ihren Spielbetrieb auf. Das Besondere daran: Aus Nord- und Südstaffel wurde nun die eingleisige 2. Liga. Die Erwartungen sind hoch..

Peter Rauch:Ja. Ich wage die Prognose, dass die eingleisige 2. Liga im Saisonverlauf noch spannender werden wird als die Toyota Handball-Bundesliga. Das Teilnehmerfeld - bestehend aus zwanzig Mannschaften - ist relativ ausgeglichen. Wir werden die Situation haben, dass wir viele enge Spiele erleben werden. Kaum eine Begegnung wird einen sicher vorherzusagenden Ausgang haben. Wenn der HSV in Hüttenberg spielt - ich konstruiere jetzt ein Beispiel - kann eigentlich aus Sicht der Hamburger nichts passieren. So etwas wird es in der 2. Liga nicht geben. Die Entscheidung zu Gunsten der eingleisigen 2. Liga wird nach dieser ersten Saison auch jene überzeugt haben, die zunächst ein wenig wankelmütig waren.

Das ist eine sehr optimistische Prognose für ein zunächst ungeliebtes Kind.

Es war in diesem Zusammenhang sicher gut, dass sich alle Mitglieder der Handball-Bundesliga Zeit genommen haben, die Einführung der eingleisigen 2. Liga gut vorzubereiten. Im Jahr 2009 stimmten 85 Prozent aller 54 Erst- und Zweitligisten für die Zusammenlegung der beiden Staffeln. Das sah ein Jahr zuvor noch völlig anders aus. Deshalb haben wir die Abstimmung seinerzeit von der Tagesordnung genommen. Die HBL hat dann die Zeit genutzt und schlüssige Konzepte entwickelt, so dass alle Beteiligten am Ende sicher waren, damit auch die erforderliche Mehrheit zu bekommen.

Sportlich ist also mit einer deutlichen Verbesserung zu rechnen.

Auf alle Fälle. Knapp zwei Drittel aller Zweitligisten spielten schon mal in der 1. Bundesliga oder in der Relegation für die stärkste Liga der Welt. Und da wollen viele auch wieder hin. Sie betrachten die neue 2. Handball-Bundesliga als Sprungbrett, um sich wieder entsprechend zu etablieren. Das ist sportlich äußerst reizvoll und wird ganz sicher auch die Fans begeistern. Ich gehe einfach davon aus, dass mir dieses Spieljahr im Nachhinein Recht geben wird.

Bringt diese 2. Handball-Bundesliga die Clubs auch in Sachen Marketing ein Stück nach vorn?

Davon gehe ich aus. Wenn aus 36 Zweitligisten 20 werden, wird der Alleinvertretungsanspruch eines jeden einzelnen Clubs größer. Das gilt nicht für jeden Verein, aber bei vielen ist nun ringsherum mehr Potenzial zur Vermarktung gegeben. Auch weil die Bedeutung jedes Clubs aufgrund der deutlich gewachsen Relevanz der 2. Liga zugenommen hat.

Dazu trägt nicht zuletzt auch der Umstand bei, dass Sport1 nun zum ersten Mal Bewegtbilder aus der 2. Handball-Bundesliga garantiert.

Die Berichterstattung insgesamt wird eine größere Rolle spielen, da die Qualität der 2. Liga deutlich gestiegen ist. Dabei sind die zehn Spiele, die Sport1 in der Nachberichterstattung anbieten wird, ein erster kleiner, aber ungemein wichtiger Schritt. Ich hoffe, dass sich der Umfang weiterentwickeln wird. Zusätzlich dazu werden wir auf der Homepage der HBL einen Bewegtbildkanal einrichten. Eine Baustelle allerdings bleibt vorerst. Das Namenssponsoring für die 2. Handball-Bundesliga. Wir im Präsidium und Frank Bohmann mit seinem Team arbeiten daran.

Wo soll Ihrer Ansicht nach der Weg der neuen 2. Handball-Bundesliga hinführen?

Zunächst einmal soll sie der Unterbau für eine starke 1. Liga sein. Durch die Zusammenlegung werden die Strukturen vieler Clubs weiter professionalisiert werden. Sie wird auch den jungen Spielern helfen, sich für eine Profilaufbahn entscheiden zu können. Von den aktuellen Junioren-Weltmeistern finden sich ja schon jetzt sehr viele in dieser starken 2. Handball-Bundesliga wieder, um sich im Wettbewerb auf ein höheres Niveau zu bringen.

Demnach haben sich die Ängste hinsichtlich einer Legionärsflut und dem damit einhergehenden Verlust von Ausbildungsplätzen für junge deutsche Spieler nicht bestätigt?

Definitiv nicht. Kaum ein Zweiligaverein hat sich in diesem Sommer massiv mit Ausländern verstärkt, um die neue Saison anzugehen. Selbiges gilt auch für die Sorge, der finanzielle Rahmen werde gesprengt. Auch das ist nicht passiert. Es ist in vielen Gesprächen spürbar, dass es keine Eskalation der Etats geben wird. Im Gegenteil: Hier und dort wird sogar weniger ausgegeben als in der Vorsaison. Ob die Preise und Gehälter, die für Spieler gezahlt werden, vernünftig sind, vermag ich nicht mehr einzuschätzen. Aber definitiv scheinen die Gehälter ein wenig geschrumpft zu sein. Letztlich ist aber jeder Klub für seine Finanzsituation eigenverantwortlich.

Und welche Rolle wird Ihr Club, der SV Post Schwerin, spielen?

Wir haben die Chance, eine gute Rolle zu spielen. Unser Ziel ist es, uns in diesem Premierenjahr in der eingleisigen 2. Liga zu etablieren. Das Problem wird sein, wie sich die Ausgeglichenheit der Liga auswirken wird. Bei vielen engen Spielen werden geistige Frische und körperliche Bereitschaft den Ausschlag geben. Zudem - und das soll nicht als Gejammer verstanden werden - sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten für einen Zweitligisten in den Neuen Bundesländern, so wie wir es sind, nicht so groß wie in den Alten Bundesländern. Die 2. Liga startet mit 15 West- aber nur fünf Ostklubs in die neue Saison. Ich hoffe nur, dass die Entwicklung nicht so dramatisch wie im Fußball verläuft. Ich weiß, dass Geld sicher nicht alles ist, aber die wirtschaftliche Potenz, die ja nun mal die Grundlage erfolgreichen Profisports ist, ist bei uns jedenfalls begrenzt. Dennoch werden wir alles geben.