Die Wölfe heulen nicht mehr - Tarp-Wanderup: Insolvenz und Einstellung des Spielbetriebs - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Die Wölfe heulen nicht mehr

Tarp-Wanderup: Insolvenz und Einstellung des Spielbetriebs

Schritt für Schritt ist das Heulen der Wölfe verstummt. Bereits seit Dezember war klar, dass die HSG Tarp-Wanderup keine Zweitliga-Zukunft haben wird, da die Führung sich auf Grund ökonomischer Überlegungen dazu entschieden hatte, keinen Lizenzantrag für die Serie 2014/15 zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt war sich Trainer Christian Voß noch "zu 99 Prozent" sicher, dass seine Mannschaft, die Saison zu Ende spielen würde. Spätestens mit dem 23. Januar wich diese optimistische Einschätzung. Florian Korte, Geschäftsführer der "HSG Tarp-Wanderup GmbH & Co. KG", stellte wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Flensburg den Antrag auf Insolvenz. Damit lag die Fortsetzung des Spielbetriebs in den Händen des Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt - und der senkte am Donnerstag den Daumen: Das Aus - mit sofortiger Wirkung meldeten sich die Nordlichter vom Spielbetrieb der zweiten Liga ab.

Wie konnte es zu dieser prekären Schieflage kommen? Die vermeintliche Zweitliga-Idylle zerbröselte zusehends. Mit dem sportlichen Misserfolg sank die Zahl der Zuschauer rapide, sodass die Fans zuletzt gar als "letzte Mohikaner" begrüßt wurden. Die Suche nach weiteren Sponsoren aus der Wirtschaft lief ins Leere. Der Gesamtetat von rund 400.000 Euro wurde zum Großenteil von Mäzen Jochen Ohm und seinem Netzwerk getragen. Und der potente Geldgeber verlor offenbar zunehmend die Lust, sein Ausstieg nach dieser Saison war kein Geheimnis mehr.

Gerüchte und weitere Niederlagen setzten eine bedrohliche Abwärtsspirale in Bewegung. Das Etat-Loch soll auf rund 100.000 Euro angewachsen sein. Die letzten Tage vor dem Insolvenzantrag sollen - gerafft - so verlaufen sein: Zwei Sponsoren aus der zweiten Reihe stellten wegen fehlender mittelfristiger Perspektiven ihre Zahlungen ein. Es klaffte eine Lücke, die auch Mäzen Ohm nicht allein stopfen wollte. Es fand sich keine weitere Unterstützung. So sah sich Geschäftsführer Korte am 23. Januar gezwungen, zusammen mit Vereins-Steuerberater Ronald Daas die Insolvenz-Unterlagen zusammenzustellen, die er exakt 12.03 Uhr beim Flensburger Amtsgericht einreichte.

Damit war der Geschäftsführer aus der Verantwortung, er agierte nur noch auf Anweisungen und in Absprache mit dem Anwalt. Die Mannschaft setzte sich am vergangenen Montag zusammen und erklärte trotz der prekären Lage die Treue zum Club. "Wir wollen uns nichts zuschulden kommen lassen und wollen abwarten, wie lange unter diesen Umständen der Spielbetrieb weiterlaufen kann", erklärte danach HSG-Kapitän Matthias Hinrichsen.


Keine Perspektive mehr

Zwei Tage später die Nachhol-Partie gegen Empor Rostock: "Es kann sein, dass es unser letztes Spiel ist" sagte Trainer Voß in der Kabine. Sein Team verlor zwar mit 30:31, präsentierte sich aber vergleichsweise gut. Was zu diesem Zeitpunkte niemand hoffte: Es war der letzte Auftritt, schon die Wochenend-Begegnung gegen die SG Leutershausen fand nicht mehr statt. Am Donnerstagabend war zum eigentlichen Trainingsbeginn ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters erschienen und überbrachte die Hiobsbotschaft. Die Perspektiven für eine Fortsetzung des Spielbetriebs seien einfach zu schlecht, hieß es. Nur ein kleines Beispiel: Die Heimauftritte bringen - obwohl die Gemeinde keine Hallenmiete verlangt - Fixkosten von rund 1.500 Euro mit. Die wenigen verkauften Eintrittskarten können diese Ausgaben nicht decken.

Die Spieler erhielten die Info, dass ihr Januar-Gehalt durch das Insolvenz-Ausfallgeld gesichert ist, auch für Februar und März scheint es noch Zahlungen zu geben. Der eine oder andere wird vielleicht versuchen, bis zum Ende der Wechselfrist am 15. Februar einen neuen Verein zu finden.

Ob es für den Verein einen Neuanfang in der 3. Liga geben wird, ist derzeit nicht abzusehen.