Klare Rollenverteilung im Derby - TV Bittenfeld ist in der Entwicklung weiter als der TV Neuhausen - Schweikardt: "Jetzt wollen wir auch oben bleiben" - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Klare Rollenverteilung im Derby

TV Bittenfeld ist in der Entwicklung weiter als der TV Neuhausen - Schweikardt: "Jetzt wollen wir auch oben bleiben"

Derbies sind die Sahnehäubchen im Liga-Alltag, und schmecken je nach Ergebnis besonders süß oder sauer. Das Schwabenderby TV Bittenfeld - TV Neuhausen gehört traditionell zu den ganz besonderen. Beide Vereine haben identische Vergangenheiten und ähnliche Entwicklungen, sind Turnvereine, fast gleich alt. Der TVB wurde 1898 gegründet, der TVN fünf Jahre früher. Beide kommen aus ähnlichen ländlich geprägten Strukturen. Den Handballsport entdeckten beide für sich Mitte der 1920er-Jahre. Bis heute wird in beiden Vereinen kein Fußball gespielt. Ehrenamtlichkeit, Idealismus, Geselligkeit, Engagement und Leidenschaft prägen ihre Vereinskultur.

Vor dem zweiten Weltkrieg begegnete man sich freundschaftlich, ab den 1950er-Jahren im sportlichen Wettkampf. Großartige Duelle im Großfeldhandball prägten diese Zeit. Beide spielten mit dem Anspruch, nach Frischauf Göppingen, VfL Oßweil, TSV Zuffenhausen zu den Besten in Württemberg zu gehören. Nach der Großfeldzeit auch im Hallenhandball, bis heute, wo sich beide in der Zweiten Bundesliga auf Augenhöhe begegnen. Der TVB stieg 2006 in diese Klasse auf, der TVN 2009.

Beim TVN erfolgte der Trainerwechsel von Ehrentrainer Kurt Reusch auf Markus Gaugisch (39 Jahre) im gleichen Jahr. Beim TVB der von Urgewächs Günter Schweikardt auf Sohn Jürgen (33) 2013. Vom Typ und Alter her gleich ähnlich, waren beide Trainer in ihren Vereinen zuvor als Spieler überaus erfolgreich. Beide haben weitgehend identische Zielsetzungen, wollen mit ihren Teams schön und erfolgreich Handball spielen um diese zu erreichen.

Nach dem Bundesliga-Abstieg des TVN ist der sofortige Wiederaufstieg nicht geplant. TVN-Trainer Markus Gaugisch meinte nach dem 21:32 im Derby: "Wir müssen stabiler, dynamischer werden. Das Timing fehlt." Die zahlreichen personellen Wechsel vor der Saison sind ein Grund, aber keine Entschuldigung für die Niederlage. "Wir hatten absolut keinen guten Tag. Durch diese Leistung haben wir uns zurecht aus dem oberen Tabellendrittel verabschiedet."

Der TVB ist da etwas weiter: Die großen personellen Veränderungen erfolgten eine Saison früher, die Mannschaft kommt immer besser in Fahrt, weil Abläufe und Automatismen "sitzen". Die Weiterentwicklung ist in vollem Gang, insbesondere bei den Youngstern Dennis Szczesny, Michael Seiz, Martin Kienzle, Djibril M'Bengue. Vor allem Szczesny vollzieht wahre Leistungssprünge. Coach Jürgen Schweikardt freut sich darüber, auch über den grandiosen Derby-Sieg: "Wir wollten gewinnen. Dass uns dies gelungen ist, ist um so schöner. Mit dem doppelten Punktgewinn haben wir uns oben festgesetzt, und da wollen wir auch bleiben."

Die aktuelle Derby-Bilanz sieht den TVB momentan im Vorteil: In sieben Spielen gab es für ihn eine Niederlage, zwei Unentschieden, vier Siege - darunter als höchsten mit 32:21 das aktuelle Derby.