Interview mit Hamms Trainer Kay Rothenpieler - "Wir wollen erstmal aufsteigen" - Handball - Handball-M Zweite Liga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Hamms Trainer Kay Rothenpieler

"Wir wollen erstmal aufsteigen"

Noch ist er Trainer des ASV Hamm und mit dem konkreten Auftrag ausgestattet, den Aufstieg in die 1. Liga zu schaffen. Doch ab der kommenden Saison wird für Kay Rothenpieler alles anders. Dann soll der 38-Jährige zum Manager einer Sportgemeinschaft der beiden Lokalrivalen aus Hamm und Ahlen aufsteigen, während Jens Pfänder, gegenwärtig Coach des Noch-Konkurrenten dann höchstwahrscheinlich Trainer des neuen Erstligisten HSG Ahlen-Hamm wird. Wir sprachen mit Kay Rothenpieler über die Fusion.

> Die SG zwischen den alten Rivalen Ahlen und Hamm ist seit dem Wochenende beschlossene Sache. War bestimmt ein schwieriger Gang, alle Verantwortlichen davon zu überzeugen, oder?
„So etwas birgt immer Konfliktstoff. Andererseits haben alle Beteiligten schnell eingesehen, dass es unbedingt erforderlich ist, will man vernünftig über die 1. Liga nachdenken. Nur so schaffen wir uns sowohl sportlich als auch wirtschaftlich ganz andere Möglichkeiten. Allein schafft das mittelfristig keiner von beiden.“

> Wie gehen die Fans, die sich doch eigentlich nicht mögen, damit um?
„Zwischen den beiden Fanlagern herrschte keine Hassliebe wie zwischen Schalke und Dortmund. Dafür fehlen die entsprechenden Fanstrukturen. In Hamm haben wir unsere Fanklubs allerdings zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Planungen einbezogen. Sicher war das am Anfang alles sehr emotional, aber viele haben sehr positiv reagiert. Nun ist es für den Hammer sicher leichter als für den Ahlener, weil der ja seinen Standort nicht aufgeben muss. Aber da werden wir uns arrangieren und Lösungen finden. Abgesehen von einigen wenigen, die es immer geben wird, ist mittlerweile große Zustimmung zu erkennen. Wir haben ganz spontan schon einen Fanklub unter dem Namen ‚HSG United‘ gegründet.“

> Die Vereine selbst aber bleiben autark, nicht wahr?
„Korrekt. Viele haben das nicht sofort verstanden. Das ist aber auch schwierig angesichts furchtbar vieler Regularien und Verbandsvorschriften. Die HSG ist lediglich eine Sportgemeinschaft mit einem wirtschaftlichen Träger. Allerdings werden beide Vereine die Lizenz für die kommende Saison beantragen, sodass - den Aufstieg einmal vorausgesetzt - eine zweite Mannschaft in der zweiten Liga starten kann.“

> Der Aufstieg ist fest programmiert. Wächst da nun eine neue Handball-Macht im Ruhrpott heran?
„Das wäre sicher zu hoch gegriffen. Wir wollen erst einmal aufsteigen und mittelfristig die Klasse halten. Aber auch wir werden - wie die Klubs aus Düsseldorf, Hannover, Dormagen oder Minden - mit den wirtschaftlichen Realitäten zurechtkommen müssen. Sicher werden wir in der ersten Saison gegen den Abstieg kämpfen. Dafür ist ein eventueller Sprung in die 1. Liga einfach zu groß. Wir wollen aber gleichzeitig kräftig werben für unser Projekt und Sponsoren für das Gesamtkonzept gewinnen.“

> Was sagen potentielle Sponsoren dazu?
„Wir haben nach wie vor nicht den einen Geldgeber, der uns zwei Millionen Euro auf den Tisch legt. Deshalb haben wir immer den gesamten Wirtschaftsraum Hamm mit einbezogen. Gemeinsam mit Ahlen können wir jetzt das Netzwerk erweitern. Die Sponsoren finden das gut, und vielleicht kommt aufgrund des neuen Konstruktes ja noch der eine oder andere Große zu uns. Ein wenig schwerer wird es, die Kleinsponsoren aus Ahlen zu halten. Aber auch da werden wir Lösungen finden, weil wir niemanden fallen lassen, der uns über viele Jahre unterstützt hat. Und weil wir jeden Sponsor brauchen, um das neue Modell zum Erfolg zu führen.“

> Zweimal müssen Hamm und Ahlen in der Liga noch gegeneinander antreten. Tut man sich da noch weh?
„Ich sehe das so: Gegenwärtig stehen die Hammer mit 23:1-Punkten oben. Wir werden daheim gegen Ahlen spielen. Und dieses Match wollen wir natürlich unbedingt gewinnen. Ich gehe davon aus, dass alle Spieler auf beiden Seiten Sportler genug sind, um solche Spiele nicht absichtlich zu verlieren.“

> Die Halle in Hamm ist gerade mal zwei Jahre alt. Dennoch denken Sie bereits über einen Ausbau nach. Wie sind die Pläne?
„Wir spinnen hier schon ein wenig herum. Fakt ist, dass wir den VIP-Raum unbedingt erweitern müssen. Der ist schon heute bei jedem Heimspiel richtig voll. Und jetzt kommen auch noch die Sponsoren aus Ahlen dazu. Der Architekt war bereits da, um über Möglichkeiten nachzudenken. Natürlich suchen wir auch noch nach Erweiterungsmöglichkeiten für die Halle. Aber das müssen dann die Statiker entscheiden. Ich gehe aber auch davon aus, dass das jetzige Fassungsvermögen von 2.800 Besuchern für eine erste Bundesligasaison reichen sollte. Man kann gegebenenfalls immer noch darüber nachdenken, mit den ganz großen Spielen in die nahegelegene Dortmunder Westfalenhalle umzuziehen.“

> Und wie soll die SG offiziell heißen?
„Die offizielle Schreibweise wird Handball Sportgemeinschaft - kurz HSG - Ahlen-Hamm lauten.“