2. Liga geht in ihre erste eingleisige Saison

Reform im Unterhaus

Florian Schütz, 13.09.11, 09:26 Uhr
Herrn Kehl kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Traditionsreiche, aber nicht gerade finanziell starke Handballvereine haben so keine Chance mehr, in der 2. Liga zu spielen. Das Aussterben dieser sportlichen Highlights in traditionsreichen Handballregionen steht damit vielerorts bevor - wenn nicht schon geschehen. Schade!
Christian Kehl, 02.09.11, 08:38 Uhr
Bei aller Skepsis der eingleisigen zweiten Liga gegenüber muss ich sagen, dass ich mich deutlich mehr dafür interessieren werde als für die gespaltene Variante in den vorherigen Jahren. Rein sportlich ist das Niveau erheblich höher einzustufen, was die Spiele für die Fans attraktiver macht, für die Entwicklung der Nachwuchskräfte sowie das Sponsoring vermute ich dagegen kaum positive Effekte. Nur wenige Unternehmen dürften mehr Geld zahlen, weil der unterstützte Verein nun in der eingleisigen statt der zweigleisigen zweiten Liga spielt. Und die Vereine, die auf Jugendförderung setzen, werden dies auch weiterhin tun, ergänzt mit arrivierten Spielern natürlich, aber die Nachwuchskonzepte dürften wohl kaum über den Haufen geworfen werden. Der Vorteil der höheren Leistungsdichte der Liga für die Entwicklung der Nachwuchskräfte dürfte sich jedoch die Waage halten mit geringeren Einsatzzeiten, da es mit etablierten Kräften eben wahrscheinlicher ist, die Liga zu halten. Was Herr Bohrmann jeodch lapidar als "eher unerheblich" einschätzt, erachte ich als gewaltigen Nachteil. Immerhin haben finanzielle Gründe dazu geführt, dass einige Vereine gar nicht erst die Lizenz für die Spielklasse beantragt haben. Außerdem handelt es sich meist nicht um Vollprofis, so dass eventuell zusätzlich zurückzulegende 2x300km am Wochenende schlappe sechs weitere Stunden Freizeitverlust bedeuten, einige Übernachtungen kommen hinzu, die man vorher nicht benötigte, da die gegnerische Halle eben keine 860km entfernt lag. Das als "eher unerheblich" einzustufen legt die Vermutung nahe, dass man es mit reinen Bürokraten zu tun hat, die mit 25 Cent pro gefahreren Kilometer rechnen und daraufhin feststellen, dass weitere 600km lediglich schlappe 150 Euro Mehrkosten bedeuten. Freizeit jedoch ist unbezahlbar und wenn man sich nebenbei mit einem Job etwas hinzuverdinen muss oder unverschämterweise das Familienleben genießen möchte, dann sind neun Stunden von Saarlouis nach Rostock und wieder zurück eine verdammt schlechte Erholungsmöglichkeit am Wochenende und man kann es keinem Spieler verübeln, dessen Familie auf Zusatzeinkünfte aus einem Job neben dem Handball angewiesen ist, wenn er sich überlegt, ob er sich unter diesen Bedingungen den ganzen Stress noch antun will/kann/soll. Und Vollprofis können die meisten Vereine sich schlicht nicht leisten ... und das - finde ich - ist nicht gerade "eher unerheblich" ... Herr Bitter ist das beste Beispiel und ich kann es gut verstehen! Trotzdem freue ich mich auf die heute Abend beginnende Saison und hoffe, dass Herr Bohrmann trotz meiner Befürchtungen Recht behalten wird!

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