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Hamburgs Coach Häusler besteht Feuertaufe

30 Herzschläge mehr

In kurzer Zeit ist Jens Häusler beim HSV vom Co- zum Interimstrainer aufgestiegen. Seine Feuertaufe hat er mit einem knappen 24:23 gegen die Füchse Berlin bestanden. Für Häusler ein emotionales Erlebnis - doch viel Zeit zum Jubeln bleibt ihm nicht.

Nach dem Schlusspfiff warf Jens Häusler alle Zurückhaltung über Bord und schrie, was das Zeug hielt. Gerade hatte Handball-Meister HSV Hamburg mit 24:23 gegen die Füchse Berlin gewonnen und dem Coach sein erstes eigenes Erfolgserlebnis beschert. Spieler, Betreuer, alle wollten ihn umarmen und ihm gratulieren. Sein Einstand als Übergangstrainer ist gelungen, jetzt kann er in Ruhe weiterarbeiten. Bei der fünften Saisonniederlage wäre es beim HSV vielleicht ungemütlich geworden - auch für Häusler.

Für den 44 Jahre alten Häusler, der vor wenigen Wochen den entlassenen Per Carlén ablöste, war das erste Spiel mit voller Verantwortung eine besondere Erfahrung. „Es war ein sehr emotionales Spiel“, sagte er. Ein halbes Jahr lang darf er sich als Trainer beweisen, dann rückt er wieder in die zweite Reihe zurück.
In der Fankurve ließ sich Häusler nach dem Spiel feiern und bedankte sich für die Unterstützung. Er applaudierte und winkte in die Menge, die Fans jubelten und klatschten. In den 60 Minuten zuvor sind die grauen Strähnen in Häuslers dunklen Haaren vielleicht ein paar mehr geworden. Nach einer Viertelstunde lagen die Hamburger mit 3:7 zurück, doch das Team kämpfte sich ins Spiel zurück.

Trotzdem blieb er auf der Bank ruhiger als seine Vorgänger Carlén und Martin Schwalb. Erst gegen Ende der Partie stand der Trainer öfter, gestikulierte, rief Anweisungen und beschwerte sich über die Schiedsrichter-Entscheidungen. „Ungefähr 30 Herzschläge mehr“, sagt er grinsend über den Unterschied zu dem Job als Co-Trainer. „Das ist schon anstrengend, intensiv.“

HSV-Präsident Schwalb war erleichtert. Er hielt sich mit Ratschlägen und Hinweisen zurück, um nicht den Eindruck zu vermitteln, er sei der heimliche Coach. Während der Partie besprach sich Häusler immer wieder mit seinem Team. „Im Gespräch mit den Spielern, die mir ganz offen gegenübertreten, kann ich viel besser Entscheidungen treffen. Das ist spitze.“ Für die Profis sind die Rollen dennoch klar verteilt: „Ich war zu 100 Prozent Spieler“, sagte Kapitän Guillaume Gille.

Nach dem gelungenen Debüt gab es für den in Kiel lebenden Häusler Lob von allen Seiten. „Der Trainer hat einen großen Anteil an dem Sieg“, sagte Kreisläufer Igor Vori. „Er gibt uns ganz viel Selbstbewusstsein und spricht viel mit uns. Ich denke, er macht gute Arbeit bis jetzt“, sagte Torhüter Johannes Bitter. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt aber nicht. In drei Wettbewerben hat der HSV zumindest noch eine theoretische Titelchance, am Sonntag steht in der Champions League bereits das nächste Spiel in St. Petersburg an. Schlecht schlafen, das kennt der vierfache Vater trotzdem nicht: „Das Gute ist, dass meine kleinen Jungs mich derart auf Trab halten, dass ich auch gut schlafe.“