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Michael Roth wird neuer MT-Trainer

Adé Wetzlar, hallo Melsungen

Am 17. August verlängerte Michael Roth seinen bis zum 30. Juni 2011 laufenden Vertrag bei Handball-Bundesligist HSG Wetzlar vorzeitig um ein Jahr. Nicht einmal zehn Wochen  später bat der 48-Jährige den Erstliga-15. um die Auflösung des Kontrakts, um zum Ligakonkurrenten und Tabellenletzten MT Melsungen zu wechseln, wo er bereits heute sein erstes Training leiten wird. „Das ist kein Hurra-Wechsel. Ich habe mir diesen Schritt gut überlegt“, sagte Roth, der sich bereits am Freitag von seiner alten Mannschaft und Mitarbeitern der HSG-Geschäftstelle verabschiedete und damit Druck auf seinen alten Arbeitgeber ausgeübt hatte.

In Wetzlar hatte der Coach eine Klausel in seinem Kontrakt, um für eine festgeschriebene Summe vorzeitig gehen zu können. Spekuliert wurde über 100.000 Euro, welche die HSG bei dem  am Sonntagnachmittag beendeten Wechselpoker aber nicht in voller Höhe aus Melsungen erhalten haben dürfte -auch weil eine Rückkehr von Roth zu den Grün-Weißen nach seinem von ihm forcierten Abgang nicht mehr realistisch erschien.

„Ich habe in Wetzlar in eineinhalb Jahren soviel erlebt wie in zehn Trainerjahren  vorher“, sagte Roth und spielte mit dieser Aussage auch auf die Fast-Insolvenz der HSG, wo er seit Juli auch Sportlicher Leiter war, Ende des vergangenen Jahres und die Wechsel in der Führungsetage an. So hatten sich die Mittelhessen vor zwei Wochen nach nur elf Monaten von ihrem erkrankten Geschäftsführer Sascha Schnobrich getrennt, nachdem kurz zuvor Aufsichtsratschef Hardo Reimann aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war und sich im Juni bereits der langjährige Manager Rainer Dotzauer nach zwei Schlaganfällen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte  und den Grün-Weißen nun nur noch als Berater zur Verfügung steht. „Von den Leuten mit denen ich meinen neuen Vertrag ausgehandelt habe, ist niemand mehr am Werk“, sagte Roth, der vom Rücktritt von Reimann, „er war mein Mentor“, und Schnobrichs Entlassung nur aus der Zeitung erfahren hatte. Weil er sich verständlicherweise von den neuen HSG-Verantwortlichen im Stich gelassen und vom Informationsfluss abgeschnitten fühlte,  zog es Roth trotz einer Gehaltsaufbesserung im August nach Melsungen.

„Ich habe moralische Ansprüche an mich, aber wir sind hier auch im Profisport“, sagte Roth auf den berechtigten Einwand, dass er mit seinen Abgang die von ihm selbst zusammengestellte Wetzlarer im Stich gelassen hat. Nach Rang 13 in der Vorsaison muss sich der eloquente Trainer das peinliche Pokalaus bei Zweitligist Obernburg und die Pleiten zuhause gegen Friesenheim und in Balingen anrechnen lassen. Eine Trennung von ihm hätte sich die finanziell angeschlagene HSG indes bei weiteren Misserfolgen kaum leisten können. Bis die Grün-Weißen einen neuen Coach  gefunden haben, werden Ex-Spieler  Gennadij Chalepo und Roths Co-Trainer Jochen Beppler die Übungseinheiten leiten. Eine Verpflichtung des früheren Düsseldorfer Coachs Goran Suton bezeichnete Manfred Thielmann, der vom HSG-Aufsichtsrat mit der Abwicklung des „Falles Roth“ beauftragt worden war, als „Unsinn.“ Am 12. November will die HSG Spielbetriebs GmbH und Co. KG bei ihrer Gesellschafterversammlung einen neuen Geschäftsführer und einen neuen Aufsichtsrat bestellen, wobei der Radioredakteur und HSG-Presse- und Hallensprecher Björn Seipp als neuer Geschäftsführer gehandelt wird.