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Frauen-Handball

Alles Müller oder was?

Es war nach dem verlorenen WM-Play-off in Russland, und Susann Müller hatte keinen Bock auf das gemeinsame Abendessen. „Ich will Pizza“, soll die bisweilen ein wenig exzentrische Linkshänderin an der gedeckten Tafel verkündet haben - und wie immer bekam sie ihren Willen. Grit Jurack, Teammanagerin der deutschen Handballerinnen, verließ gemeinsam mit Müller die Gesellschaft in Richtung Pizzeria. „Susann ist wie sie ist, ich will ihr gar keinen Vorwurf machen, aber das Trainerteam darf so etwas nicht zulassen“, sagt Kerstin Wohlbold, bis vor kurzem als beste Spielmacherin der Republik gelobt und nun aus dem Kader für die WM im Dezember in Dänemark gestrichen.

Stattdessen sei aber gerade Jurack dafür zuständig, Müller möglichst dauerhaft bei Laune zu halten. Dass solche Interna so kurz vor der WM öffentlich werden, ist auf Svenja Huber zurückzuführen. Mit ihrem überraschenden Rücktritt hat die Rechtsaußen des deutschen Meisters Thüringer HC einen beachtlichen Stein ins Rollen gebracht. Sie habe, sagte Huber dem SID, „die Atmosphäre und den zwischenmenschlichen Umgang in der Mannschaft nicht mehr ertragen“. Huber nennt keine Namen, aber: „Wenn man Führungsspielerin sein will, muss man sich auch so benehmen.“ Nun ist es nicht so, dass Susann Müller, die nach ihrer überragenden WM 2013 den Beweis ihrer Klasse oft schuldig blieb, innerhalb der Mannschaft eine ausgesprochene Sympathieträgerin wäre. Als das Amt der Spielführerin vergeben wurde, erhielt sie in der geheimen Wahl von den Mitspielerinnen keine einzige Stimme. Um ihr dennoch ein Mitspracherecht einzuräumen, beförderten Bundestrainer Jakob Vestergaard und Jurack sie kurzfristig in den Mannschaftsrat.

Vestergaard selbst werden erhebliche Kommunikationsdefizite vorgeworfen. Langjährige Leistungsträgerinnen wie Wohlbold, Nadja Nadgornaja oder auch Anja Althaus, so eines der Hauptargumente, wurden nicht in einem persönlichen Gespräch über das Ende ihrer internationalen Karriere informiert. Vor allem Wohlbold hat das tief verletzt, ihr hatte Vestergaard morgens um 11 Uhr auf die Mailbox gesprochen: „Er wusste genau, dass ich als Lehrerin vormittags in der Schule bin und er mich um die Zeit nicht persönlich erreicht“, sagt Wohlbold. Einen weiteren Anruf habe es nicht gegeben: „Er hat gesagt, ich könne mich ja melden, wenn ich Fragen habe.“ Nadja Nadgornaja erfuhr von ihrer Nichtnominierung durch ein Schreiben des DHB, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie künftig keine Sporthilfe mehr beziehen werde. „Das hat mich sehr getroffen“, sagt sie. Warum Vestergaard auf eine der besten deutschen Abwehrspielerinnen und eine Shooterin par excellence verzichtet, darüber wird reichlich spekuliert.  Für Kerstin Wohlbold ist die Sache allerdings klar: „Nadja hat Susann Müller mal im Training gesagt, sie solle schneller zurücklaufen. Da wurde Nadja von den Trainern zur Seite genommen mit den Worten, sie möge Susann nicht sagen, was sie zu tun habe.“ Und wer mit Susann Müller nicht klarkomme, „der ist schnell raus“. Weder Vestergaard noch Jurack oder Müller wollten sich zu den Vorwürfen äußern. Dafür aber DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld. Vestergaard habe „den Weg des Umbruchs nach den gegen Russland verlorenen WM-Play-offs begonnen“ und werde diesen „mit seinem Trainerteam konsequent fortsetzen“, sagte er auf SID-Anfrage.

Für die Aussagen der nicht berücksichtigten Spielerinnen habe man im DHB „kein Verständnis“, man sei vielmehr davon überzeugt, dass die Mannschaft „nicht nur zukunftsorientiert ist“, sondern bereits „bei der WM in Dänemark für positive Ergebnisse sorgen kann“. Ohne Wohlbold, Nadgornaja und Huber. Aber natürlich mit Susann Müller.

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