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Hamburgs Sportdirektor Christian Fitzek im Interview

"Amis" gönnen HSV deutsche Meisterschaft

Christian Fitzek versucht bereits seit 2005 – zunächst als Co-Trainer und Trainer, heute als Sportlicher Leiter – mit dem HSV Hamburg die deutsche Meisterschaft zu gewinnen. In dieser Saison sieht es gut aus. In einem Interview spricht er über die Silvestertage, die er mit vielen anderen aktuellen und ehemaligen Bundsliga-Stars in New York verbracht hat, und warum 2010 das Jahr des HSV Hamburg werden könnte. 

>Ein Frohes Neues Jahr Ihnen und Ihrer Familie. Wie ich hörte, haben Sie den Jahreswechsel in New York verbracht.
Christian Fitzek: „Ja, allerdings ohne meine Familie. Die machte wie jedes Jahr den traditionellen Ski-Urlaub in Österreich. Aber die Reise nach New York war eine richtig tolle Geschichte. Unglaublich, wie viele Menschen dieses Angebot wahrgenommen haben. Das waren insgesamt sicher mehr als 200 Leute.“

>Mit Ihnen waren auch zahlreiche Handballer unterwegs.

„Insgesamt drei Mannschaften, die allesamt auch noch ihre Ehefrauen oder Lebenspartner dabei hatten, waren da am Start. Ob im Hotel oder auf der Straße in Manhatten: Immer hast du irgendwelche Handballer getroffen.“

>Da wurde bestimmt ordentlich gefeiert, oder?
Das war richtig klasse. Die Silvester-Party stieg direkt am Times Square mitten in Manhattan. Das ist schon anders als bei uns. Bei Schneeregen, Kälte und Feuchtigkeit stehen Zigtausende Menschen draußen an der Straße starren auf die große Uhr und warten auf Mitternacht – und zahlen auch noch Eintritt dafür. Wobei der Konfettiregen zum Jahreswechsel schon beeindruckend ist. In unmittelbarer Nähe hatte der Reiseveranstalter eine komplette Etage in einer mehrstöckigen Bar gemietet, in der wir dann unter uns feiern konnten. Das war eine richtige Handballer-Party, die zum Ende hin noch richtig lustig wurde. Aber ich war ja erst am Silvestertag angekommen und musste aufgrund des Zeitunterschieds die Party um ein Uhr wegen Müdigkeit abbrechen.“

>Und dann haben Sie auch noch Handball gespielt. Erzählen Sie mal.
Das war eine Riesensache. In der Nähe des Central Parks fand das Turnier statt, an dem die drei mitgereisten Teams teilnahmen. Wir haben uns das natürlich angeschaut. Die Turnhalle lag im ersten Stock eines großen Gebäudes, und das Spielfeld hatte zwar Originalbreite, aber in der Länge fehlten bestimmt zehn oder zwölf Meter. Aber die Teams, die dort spielten, haben das allerdings richtig ernst genommen. Und mittendrin haben wir noch ein sogenanntes All Star Game gegen den US-Meister aus New York veranstaltet. Meine Aufgabe war es, unser Team, in dem unter anderem Stefan Lövgren, Ljubomir Vranjes, Henning Fritz und Peter Gentzel und einige andere namhafte Spieler dabei waren, zu coachen. Das war gar nicht so einfach. Ich hatte 30 Spieler zur Verfügung – und jeder wollte spielen. Ich habe natürlich versucht, den Namhaftesten unter ihnen mehr Einsatzzeiten zu geben. Aber im Tor führte zunächst kein Weg an meinem Präsidenten Andreas Rudolph vorbei, der aufgrund seiner gewaltigen Erfahrung in der Startformation stand.“

>Im Ernst: Wie stark muss man den US-amerikanischen Meister einschätzen?
„Ich möchte da niemandem zu nahe treten, aber das Team aus New York hatte vielleicht das Niveau einer guten Regionalliga-Mannschaft. Der Keeper war sehr gut, aber auch er konnte nicht verhindern, dass wir am Ende mit 39:27 gewannen. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass das Match richtig klasse war. In Deutschland hätten wir mit diesem Spiel sicher ein paar tausend Besucher in die Halle locken können, in New York waren 400 Besucher da. Doch damit war die Halle aber auch voll bis obenhin.“

>Ist das alles nicht ein höchst kurioser Versuch, Handball in den USA populär zu machen?
Das war ja keine offizielle Aktion des amerikanischen Verbandes, sondern lediglich eine Privatinitiative des Reiseveranstalters. Um damit Werbung zu machen, war der Rahmen zu klein und zu wenig offiziell. Ich bezeichne das eher als eine internationale Handball-Begegnung. Aber schon im Juli soll die DHB-Auswahl in Chicago ein Länderspiel absolvieren. Peter Esch, Präsident des US-Verbandes, hat schon in New York verlauten lassen, dass das Match dann ganz sicher ausverkauft sein wird und insgesamt 15.000 Besucher erwartet werden.“

>Konnte Sie den Amerikanern denn nahe bringen, dass Ihr HSV Hamburg zurzeit Tabellenführer der stärksten Liga der Welt ist und was es bedeutet, wenn Ihre Mannschaft endlich Deutscher Meister wird.
„Ich hatte schon den Eindruck, dass viele uns den Titel in dieser Saison gönnen und uns die Daumen drücken.“

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, warum die beiden Kroaten für den HSV Glücksgriffe waren und was Fitzek von der Handball-Euphorie in Hamburg hält.