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THW-Affäre

Anklage wohl nur wegen Bestechung

In der Affäre um angebliche Manipulationen beim deutschen Handball-Meister THW Kiel müssen sich Ex-Manager Uwe Schwenker und der frühere Trainer Zvonimir Serdarusic möglicherweise nicht wegen Betrugs und Untreue, sondern lediglich wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr verantworten.

Damit ist eine deutlich geringere Strafandrohung verbunden. Für Betrug und Untreue sind bis zu fünf Jahren Haft möglich. Für Bestechung wären es höchstens drei Jahre. Eine Sprecherin des Kieler Landgerichts bestätigte einen Bericht der «Süddeutsche Zeitung», wonach die 5. Große Strafkammer derzeit nicht von Betrug zulasten der Europäischen Handballföderation (EHF) ausgeht. Sie halte auch den Vorwurf der Untreue zulasten des THW für fraglich.

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte unter Berufung auf eine Mitteilung des Kammervorsitzenden an Verfahrensbeteiligte berichtet, dass die Kammer prüfe, ob der Straftatbestand der Bestechung im geschäftlichen Verkehr erfüllt sei. Den klagt die Staatsanwaltschaft allerdings nicht an. Die Verteidiger beider Angeschuldigten haben noch bis Freitag Zeit, dazu Stellung zu nehmen, sagte die Landgerichts- Sprecherin. Die Kammer entscheidet dann, ob sie das Hauptverfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer des THW und den Erfolgstrainer eröffnet. Dazu muss sie einen hinreichenden Tatverdacht bejahen und eine Verurteilung als wahrscheinlich ansehen.

Den Justizkreisen zufolge gilt die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr als wahrscheinlich. Da die Kammer das Hauptverfahren dann abweichend von der Anklage eröffnen würde, könnte die Staatsanwaltschaft Beschwerde einlegen beim Oberlandesgericht. Vermutlich werden die Ankläger aber erst einmal den Verlauf des Verfahrens abwarten, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Januar Anklage erhoben. Sie wirft dem Duo gemeinschaftlichen Betrug vor, Schwenker zudem Untreue und Serdarusic Beihilfe zur Untreue. Laut Anklage ließen die Beschuldigten den polnischen Schiedsrichtern des Champions-League-Finals 2007 gegen Nordrivale SG Flensburg-Handewitt über einen kroatischen Mittelsmann einen fünfstelligen Geldbetrag zukommen. Schwenker soll zudem im Jahr 2008 eine unrichtige Bilanz vorgelegt und mit Serdarusic im April/Mai 2008 aus der THW-Kasse insgesamt 60 000 Euro entnommen haben. Schwenker und Serdarusic wiesen die Anklagevorwürfe zurück.