DHC Rheinland - Dormagens Trainer Wandschneider sieht bessere Zeiten kommen - "Aufgegeben wird höchstens ein Brief bei der Post" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Dormagens Trainer Wandschneider sieht bessere Zeiten kommen

"Aufgegeben wird höchstens ein Brief bei der Post"

Kai Wandschneider ist der Trainer in der ersten Liga mit der längsten Amtszeit aller Bundesliga-Kollegen. Der Diplom-Sportlehrer führte die Rheinländer von der Regionalliga zurück ins Oberhaus und hat sich mit seiner Arbeit längst einen hervorragenden Ruf in der Szene aufgebaut. Der 49-Jährige hat in seiner mittlerweile achtjährigen Trainertätigkeit am Höhenberg schon einige Angebote anderer Vereine abgelehnt, um seinen Weg und den Weg des TSV kontinuierlich fortzusetzen. Doch die derzeitig sportlich wie auch finanziell kritische Situation des Traditionsvereins dürfte die bisher schwierigste in Wand schneiders Karriere sein. Die HW sprach mit dem TSV-Coach nach der Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen.

> Herr Wandschneider, wie erklären Sie sich die zuletzt deutliche Leistungssteigerung der Mannschaft?
Kai Wandschneider: "In der Tat bin ich mit den Leistungen in den vergangenen drei Bundesligapartien - das Pokalspiel einmal ausgenommen - sehr zufrieden. Wir konnten uns sicherlich auch steigern, weil wir als Team keine weiteren Negativmeldungen aus dem Finanzbereich erhalten haben. Dass wir unmittelbar vor der wichtigen Partie gegen Balingen die Nachricht über die finanzielle Schieflage des Vereins mitgeteilt bekamen, war tödlich für das Team."

> Balingen ist ein gutes Stichwort, da wirkte die Mannschaft in der Tat wie gelähmt. Da kommt die Steigerung für Außenstehende schon ein wenig überraschend.
"Zum einen ist Florian Wisotzki nun wieder dabei. Er ist zwar noch längst nicht wieder da, wo er in der vergangenen Saison war - aber seine Rückkehr hilft. Einige Spieler haben zwar immer noch einen kleinen Durchhänger, andere haben sich dafür seit Saisonbeginn enorm gesteigert. Sehen wir uns einmal Kristian Nippes an. Der Junge hat eine unfassbare Integrationsgeschwindigkeit an den Tag gelegt. Er ist seit Jahren beim Bergischen HC und beim DHB hervorragend ausgebildet worden und spielt mittlerweile so, als wäre er schon seit vielen Jahren bei uns."

>Trotz der am Ende in Zahlen deutliche Niederlage gab es auch gegen die Rhein-Neckar Löwen viel Positives zu sehen…
"Das denke ich auch. Wir haben nahtlos an die vorherigen Spiele angeknüpft und qualitativ richtig guten Handball gespielt. In der zweiten Hälfte haben wir dann leider nicht mehr getroffen und sind ausgekontert worden, aber unsere Moral hat jederzeit gestimmt."

>Wie sieht das Programm in der Länderspielpause aus?
"Bis auf unsere beiden Holländer und Kentin Mahé, der bei der französischen Junioren-Nationalmannschaft ist, habe ich alle Spieler beim Training. Wir werden die Zeit für viel Individualtraining und Einzelgespräche nutzen. Leider hat sich Spyros Balomenos im Training zwei Bänder angerissen, das wirft ihn und uns mal wieder zurück. Am Donnerstag nehmen wir alle zusammen Anschauungsunterricht beim Supercup. Ich denke, die spielfreie Zeit bis zum Hannover-Spiel wird uns gut tun. Wir werden gut vorbereitet und nicht chancenlos nach Burgdorf fahren."

>Was stimmt Sie optimistisch, mit dem TSV - trotz Mini-Etat und angespannter Personaldecke - erneut den Klassenverbleib zu schaffen?
"Das Team und der Trainer geben hier niemals auf. Aufgegeben wird bei mir höchstens ein Brief bei der Post. Wir sind hier immer positiv vorangegangen und werden das auch weiterhin tun. Unsere Zuschauer sind auch einmalig, dafür lohnt es sich jede Sekunde zu kämpfen."

> Dann bleibt zu hoffen, dass das Engagement von Team und Trainer auch eine Belohung erfährt. Am 2. November - Ihrem 50. Geburtstag - soll es eine Pressekonferenz geben, an der sich der Verein zu seiner finanziellen Zukunft äußern will…
"Dann hoffe ich mal auch, dass ich dann nicht nur wegen meines Geburtstages etwas zu feiern habe. Die Dormagener Handballfans und wir als gesamtes Team hätten es verdient, dass es weiter Bundesliga-Handball in dieser Region gibt."