VfL Gummersbach - Krise in Gummersbach spitzt sich zu - Axel Geerken: "Das war absolut unwürdig" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Krise in Gummersbach spitzt sich zu

Axel Geerken: "Das war absolut unwürdig"

25:40 - ein Ergebnis wie bei einem Freundschaftsspiel eines Bundesligisten gegen einen Amateurclub. So etwas schon einmal erlebt?

Axel Geerken: Nein, daran kann ich mich nicht erinnern. Auch nicht daran, nach 15 Minuten bereits 0:11 hinten gelegen zu haben. Das war eine absolute Katastrophe.

Wie kann so etwas passieren?

Diese Frage muss jetzt jeder Spieler für sich beantworten. Ich habe einen kraft- und willenlosen VfL Gummersbach gesehen. Mit so einer Einstellung wird auch das Pokalspiel in Ferndorf sehr schwer, vom nächsten Bundesligaspiel gegen die Füchse ganz zu schweigen. Das verlieren wir so noch höher. Um es auf den Punkt zu bringen: Das war eines VfL Gummersbach absolut unwürdig.

Wird dieses Spiel Konsequenzen haben?

Das muss Konsequenzen haben. Als erstes werden wir uns mit der Mannschaft überlegen, wie wir die mitgereisten Fans entschädigen. Die haben über 200 Kilometer Anreise auf sich genommen und nach wenigen Minuten war der Nachmittag schon gelaufen. Das müssen wir dringend wieder gut machen.

... und die branchenüblichen Konsequenzen?

Wir werden trotz dieser derben Klatsche nicht in Hektik verfallen, sondern uns mit allen Beteiligten zusammensetzen. Dabei werden wir Mannschaft und Trainer noch einmal ganz deutlich an ihre Verpflichtung gegenüber diesem Club erinnern.

Aber war der personelle Aderlass nicht einfach zu groß?

Der war groß, ohne Frage. Einen Drago Vukovic, das haben wir gestern noch einmal gesehen, kann man schwer ersetzen. Aber so ein Auftritt wie in Lübbecke hat mit den Abgängen nichts zu tun. Wir haben mit Adrian Pfahl den besten Halbrechten Deutschlands, mit Vedran Zrnic den besten Rechtsaußen der zurückliegenden WM, den kommenden Kreisläufer der DHB-Auswahl Patrick Wiencek, außerdem gestandene Bundesligaspieler wir Christoph Schindler und Jörg Lützelberger. Wenn die ihre Leistung abrufen, können sich daran die jungen Spieler aufrichten. Anders geht es nicht.

Wird man angesichts von Platz 17 jetzt personell nachlegen müssen?

Es bleibt dabei: Wir beobachten unter sehr engen finanziellen Spielräumen den Markt. Schnellschüsse sind aber selten hilfreich und immer teuer. Außerdem hat die Mannschaft gegen Grosswallstadt, Hamburg und auch in den ersten 40 Minuten gegen Lemgo gezeigt, dass sie es kann. Alle müssen sich jetzt wieder so fokussieren wie in diesen Spielen.

Auch auf der Torhüterposition wird nicht an Verstärkungen gedacht?

Nein, aktuell nicht. Und als ehemaliger Schlussmann muss ich sagen, dass es gestern bestimmt nicht an Vjenceslav Somic gelegen hat. Er war doch der ärmste Hund. Wenn die Vorderleute über 20 Gegenstöße zulassen, da macht man als Torhüter nicht mehr viel.

Kann es passieren, dass der Preis für die finanzielle Gesundung der sportliche Abstieg sein wird?

Nein. Wie gesagt, wir haben eine absolut bundesligataugliche Mannschaft. Und zur finanziellen Sanierung gab und gibt es es keine Alternative. Bundesligahandball made in Gummersbach kann es nur noch geben, wenn die Einnahmen die Ausgaben decken. Verlassen wir diesen Weg jetzt wieder, stehen wir bald schon wieder dort, wo wir im Mai gestanden haben. Nämlich vor dem absoluten Aus. Wir sind es dem VfL, der mehr ist als nur eine Profiabteilung, nämlich ein richtiger Verein mit Jugendabteilung und Nachwuchsakademie, schuldig, vernünftig zu wirtschaften. Zum ersten Mal seit Jahren stimmt die Perspektive: Wir bekommen die neue Halle und werden nicht mehr von Altschulden in Millionenhöhe gedrückt. Dass die nächsten zwei Jahre sportlich schwierig werden, haben wir nie bestritten. Aber absteigen werden wir nicht, garantiert.