VfL Gummersbach - Gummersbach im freien Fall - "Dafür kann man sich nur entschuldigen" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Gummersbach im freien Fall

"Dafür kann man sich nur entschuldigen"

Der Traditionsclub VfL Gummersbach taumelt immer mehr dem Abgrund entgegen. In der Bundesliga kassierten die Oberbergischen beim TuS N-Lübbecke eine 25:40-Pleite und liegen mit nur einem Sieg aus sieben Spielen auf dem vorletzten Platz.

Immerhin, Gummersbachs Kentin Mahé wollte die Blamage hinterher gar nicht erst schönreden. „Das war eine Katastrophe. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal mit 0:11 in eine Partie gestartet zu sein. Dafür kann man sich nur entschuldigen. Das tut mir sehr leid - vor allem für die Fans“, sagte der französische Nationalspieler des VfL, nachdem der Traditionsclub beim TuS N-Lübbecke mit 25:40 (10:21) böse unter die Räder gekommen war.

16 Minuten dauerte es, bis Gummersbach durch Barna Putics zum ersten Treffer kam. Nach der sechsten Pleite im siebten Saisonspiel dümpeln die Oberbergischen in der Handball-Bundesliga auf dem vorletzten Platz herum. Dabei hatten die Verantwortlichen beim zwölfmaligen Deutschen Meister vor der Partie nichts unversucht gelassen, um endlich die Wende einzuleiten. Die Spieler diskutierten untereinander, der Spielerrat traf sich mit der Geschäftsführung, die Vereinsführung und Trainer Sead Hasanefendic setzten sich zusammen. Doch es half alles nichts. Der VfL war für Lübbecke kein Gegner, sondern ein Opfer, das in allen Belangen seine Erstligatauglichkeit schuldig blieb. Fast schien es so, als hätten die heimischen Fans in der Halle Mitleid gehabt mit den überforderten Gästen. „Wir haben gespielt wie ein Junioren-Team, sogar schlechter“, schimpfte Hasanefendic.

Doch die sportliche Schieflage beim VfL, der 13 internationale Titel gewinnen konnte und mit Heiner Brand, Joachim Deckarm, Stefan Kretzschmar oder Andreas Thiel zahlreiche Stars hervorbrachte, kommt nicht überraschend. Noch im Mai hatte die Liga den Gummersbachern wegen zu hoher Schulden die Lizenz verweigert. Nur ein gewaltiger Kraftakt sicherte dem Verein das Überleben. Erst verzichteten die Gläubiger auf rund die Hälfte ihrer Ansprüche von insgesamt rund vier Millionen Euro, dann kratzte der VfL bei den Sponsoren im oberbergischen Land nochmals rund 2,2 Millionen Euro zusammen. Der Gesamtetat des Clubs schrumpfte auf 3,9 Millionen. Und so musste Gummersbach mit Torhüter Goran Stojanovic, Drago Vukovic, Adrian Wagner und Geoffroy Krantz vor Saisonbeginn wieder einmal mehrere Leistungsträger ziehen lassen.

Nun scheint es so, dass sich die Prophezeiung von Stefan Kretzschmar bewahrheitet. Der Ex-Nationalspieler hatte Gummersbach einen „tiefen Absturz“ vorhergesagt. Trotz aller Probleme, Panik machen gilt für Gummersbachs Manager Axel Geerken nicht. „Wir wussten, dass es eine schwierige Saison werden würde“, sagte Geerken, „mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren haben wir die jüngste Mannschaft der Bundesliga, da brauchen wir Geduld. Aber wir können nur mit jungen und talentierten Spielern die Basis für eine erfolgreiche Zukunft legen. Alles andere wäre unehrlich.“ Doch manchmal kann man sich die Wahrheit nicht schönreden. Mahé weiß das.