HSG Wetzlar - Das Wechseltheater um Michael Allendorf - Linksaußen sieht in Melsungen bessere Perspektiven - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

Das Wechseltheater um Michael Allendorf - Linksaußen sieht in Melsungen bessere Perspektiven

Als sein Name bei der Mannschaftsvorstellung genannt wurde, gab es Pfiffe für Michael Allendorf. Die Wetzlarer Fans waren sauer, dass Ligakonkurrent Melsungen am vergangenen Mittwoch den Wechsel des Linksaußen zur nächsten Saison bekannt gab, obwohl die HSG am 20. Januar 2010 die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2012 mit dem zweifachen Nationalspieler verkündet hatte. "Die damalige Pressemitteilung ging zu früh raus, obwohl wir uns bei zwei, drei Details noch nicht einig waren" sagte Allendorf. Da er aber damals gedacht habe, dass diese Dinge schnell geklärt werden würden "und ich davon ausgegangen bin, in Wetzlar zu bleiben", habe er die Meldung, in der er mit den Worten, "es ist schön zu wissen, dass ich auch in den kommenden beiden Spielzeiten das HSG-Trikot tragen werde", nicht dementiert und deshalb auch der Mannschaft mitgeteilt, "dass es gut aussieht, dass ich hier bleibe".

Weil eine Einigung über die strittigen Sachen aber ausblieb und es die HSG, die von einer mündlichen Abmachung mit dem Ex-Wallauer spricht, nicht schaffte, mit diesem einen schriftlichen Kontrakt abzuschließen, ging der 23-Jährige trotz der verkündeten Vertragsverlängerung davon aus, ab dem 1. Juli 2010 keinen Vertrag bei der HSG zu haben. Und dieser noch nicht einmal eine mündliche Zusage gegeben zu haben. Über das Melsunger Angebot sollen die HSG-Verantwortlichen vor Allendorfs Vertragsunterzeichnung Anfang vergangener Woche übrigens unterrichtet gewesen sein. "Wir hatten Michaels mündliche Zusage", sagte HSG-Manager Rainer Dotzauer, was auch Allendorfs Berater Björn Schultz, "Michael wurde von der HSG das Vertragswerk ausgehändigt", so sieht. Dass Schultz die HSG-Version einer Einigung über zwei Jahre bestätigte, führt Allendorf auf "Kommunikationsprobleme" zurück und könnte auch den Interessen des Beraters, der bei der HSG mit Timo Salzer und Peter Jungwirth noch weitere Spieler betreut, geschuldet sein. Weil er sich vertraglich aber nicht an Wetzlar gebunden fühlte, "und ich in Melsungen bessere sportliche und finanzielle Perspektiven sehe", unterschrieb der Linksaußen - ohne Schultz vorher zu informieren -, "nachdem ich vier schlaflose Nächte hatte, weil ich weiß, was ich an Wetzlar habe", bei der MT. Die Hoffnung Allendorfs, dessen Arbeitstag am Samstag nach unauffälliger Vorstellung nach 22 Minuten torlos beendet war, dass der Wechsel sauber über die Bühne gegen würde, wurde auch durch die provokante Pressemitteilung Melsungens, "die Absicht, Allendorf längerfristig an den Club zu binden, gelang Wetzlars Verantwortlichen offenbar nicht in die Tat umzusetzen", und die Äußerungen von Melsungens Sportlichem Leiter Alexander Fölker, "Wetzlar soll keine große Welle machen. Sie sollen erst einmal ihre Spieler bezahlen", durchkreuzt. So deutet vieles darauf hin, dass die HSG für Allendorf keine Ablöse erhalten wird.

"Mit Kevin Schmidt haben wir einen guten Ersatz auf Linksaußen", blickte Manager Rainer Dotzauer, der Allendorfs Position mit einem Nachwuchsmann besetzen will, bereits nach vorn. Befragt nach seinen Planungen für die nächste Saison zählte Geschäftsführer Sascha Schnobrich für den linken Rückraum auch Philipp Müller (25 Jahre/Balingen-Weilstetten) auf, so dass ein Wechsel des Zwillingsbruders von Nationalspieler Michael Müller nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Dagegen werden die Kreisläufer Sebastian Weber und Gregor Werum den finanziell angeschlagenen Club verlassen, während Rico Göde (27/Füchse Berlin) sie ersetzen könnte. HSG wetzlar