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DKB Handball-Bundesliga

Der EHF-Pokal ist eine deutsche Domäne

Mit viel Freude erlebte Frank Bohmann, Geschäftsführer der DKB Handball-Bundesliga, am vergangenen Wochenende den Europacup-Triumph der Löwen, der in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes war. Für die Löwen, weil es deren erster Titel in der Vereinsgeschichte war. Für Handball-Europa, weil damit der nach der Zusammenlegung von EHF-Cup und dem Europacup der Pokalsieger erstmals ausgetragene EHF CUP an eine deutsche Mannschaft ging. Jetzt freut sich Bohmann auf das bevor stehende Champions League-Finale. Auf das im Handball wohlgemerkt. In einem ausführlichen Interview würdigt Bohmann den Erfolg der Rhein-Neckar Löwen, weiß aber auch, dass im europäischen Handball nicht alles nur eitel Sonnenschein ist.

Herr Bohmann, am vergangenen Wochenende gewannen die Rhein-Neckar Löwen den EHF Cup und damit den ersten Titel in Ihrer Vereinsgeschichte. Schöne Sache für die Liga, oder?
Frank Bohmann:
Das ist wirklich ein toller Erfolg und ich gratuliere den Löwen dazu gerne nochmals. Der Triumph beim EHF Cup Final Four in Nantes ist um so höher zu bewerten, als es für die Mannschaft im Finale durchweg ein Auswärtsspiel war. Ich ziehe den Hut davor, wie die Löwen in dem Hexenkessel von Nantes bestehen konnten und sich von der hitzigen Atmosphäre nicht aus der Ruhe bringen ließen.

Der EHF-Cup scheint eine deutsche Domäne zu sein…
Unbestritten. Es ist der zehnte deutsche Erfolg in diesem Wettbewerb in Folge und der 17. in den zurückliegenden 19 Jahren. Da darf man absolut von einer deutschen Domäne sprechen, auch wenn die Clubs der Liga in dem bis zum vergangenen Jahr ausgetragenen Cup der Pokalsieger ebenfalls immer ganz vorne mitspielen konnten. Für die Champions League gilt Ähnliches, mal sehen was der HSV Handball und der THW Kiel Anfang Juni in Köln ausrichten werden.

Diese Leistungen sprechen für die Stärke der DKB Handball-Bundesliga, oder?
Absolut. Das zeigt, dass – im Gegensatz zu allen anderen Ligen in Europa – die DKB Handball-Bundesliga in der Spitze sehr breit aufgestellt ist. In vielen anderen Ligen gibt es immer mal wieder eine oder zwei Mannschaften, die zur europäischen Spitze gehören, aber die Bundesliga kann auch ihren Fünften oder Sechsten mit großen Erfolgsaussichten in den jeweiligen Wettbewerb schicken.

Muss man den Gewinn des EHF Cup nach der Zusammenlegung mit dem Cup der Pokalsieger noch höher bewerten als in den Jahren zuvor?
Natürlich hat der Wettbewerb dadurch an sportlicher Qualität gewonnen. Mit den Rhein-Neckar Löwen hat die eindeutig beste Mannschaft den Wettbewerb gewonnen. Frisch Auf Göppingen und der SC Magdeburg, die beide an den Rhein Neckar Löwen gescheitert sind, zeigten ebenfalls eine sehr gute Leistung.

Sportlich an Qualität gewonnen, aber der neue Modus fand nicht bei allen Klubs ungeteilte Zustimmung.
Verständlicherweise. Es gab von Seiten der Clubs wohl nicht zu Unrecht das eine oder andere kritische Wort, weil der Wettbewerb finanziell nicht so lukrativ ist wie seine beiden Vorgänger. Auch da war es schwer, Geld zu verdienen, aber wenn man es bis in das Halbfinale und Finale schaffte – was immer das Ziel aller deutschen Teilnehmer war – dann waren zumindest ab dem Halbfinale mit zwei weiteren Heimspielen die Kosten des Wettbewerbes zu decken.

Wie sieht es derzeit aus?
Tja, jetzt hat man Halbfinale und Finale zu Gunsten eines Final Fours abgeschafft, um die Vermarktbarkeit des Wettbewerbs zu erhöhen. Aus Sicht von Göppingen allerdings sieht das nun so aus, dass der Club als Vierter dieses Final Fours ganze 10.000 Euro mit nach Hause nehmen kann. Da lohnt sich allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Hinfahren nicht. Hier muss das Format sicherlich noch entwickelt werden, um eine bessere Alternative zur bisherigen Wettbewerbsform zu werden.

Wie bewerten Sie das Comeback von Uwe Gensheimer?
Nachdem er ein paar Tage zuvor in Kiel nur ein paar Minuten Einsatzzeit hatte, war damit in dieser Form nicht zu rechnen. Wie der vor allem die Siebenmeter verwandelte und so cool blieb in dieser teilweise sehr aufgeheizten Atmosphäre, war beeindruckend. Dass er wieder zurück ist, ist gut für die Löwen, für die Liga und für die deutsche Nationalmannschaft.

In eineinhalb Wochen steht uns mit dem VELUX EHF FINAL4 in der Champions League der Höhepunkt der europäischen Wettbewerbe noch ins Haus.
Hier hat die EHF sehr gute Arbeit geleistet, auch wenn ich aus Sicht der Liga mit den Spielterminen dieses Wettbewerbes nicht immer ganz glücklich sein kann. Der Erfolg der EHF Champions League wird von den deutschen Teams entscheidend mitgeprägt, ohne uns dabei zu sehr selbst auf die Schulter schlagen zu wollen. Allein in der Bundesliga gibt es ein halbes Dutzend Clubs mit dem Potenzial für das Final4 in Köln. In unseren europäischen Partnerligen gibt es, wenn überhaupt, nur einzelne Teams, die man fortlaufend zur europäischen Spitze zählen kann. Der große sportliche und wirtschaftliche Erfolg des Wettbewerbes und des Final4 wird durch unsere Clubs stark beeinflusst.

Das außergewöhnliche Finale zwischen Bayern und Dortmund bestimmt seit Wochen die Berichterstattung der Sportmedien. Kommt die Titelsammlung der deutschen Handballclubs zu kurz?
Fußball stellt alles in den Schatten, unsere Aufgabe ist es, unseren Teil der Bühne auszuleuchten. Ich nehme die Berichterstattung über die Leistungen der DKB Handball-Bundesliga schon wahr, zum Saisonende und zum Finale der internationalen Wettbewerbe würde ich mir allerdings schon eine etwas intensivere Begleitung durch die Medien wünschen. Zum Beispiel ist die beeindruckende Siegesserie des THW Kiel sportartübergreifend faszinierend und historisch. Jeder Fußballverein wäre stolz auf die Trophäen, die in den Kieler Vitrinen stehen. Insgesamt sind die Spitzenleistungen der Handballclubs eine herausragende Visitenkarte für den deutschen Sport. Es lohnt sich immer, darüber zu berichten.