HSV Hamburg - Der Favorit wankt, aber er fällt nicht - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

Der Favorit wankt, aber er fällt nicht

Der Favorit wankte, aber er fiel nicht. Er wankte in der Anfangsphase, als er mit einem 8:9-Rückstand (16.) gegen einen wie entfesselt aufspielen Außenseiter noch gut bedient war. Und er wankte nach 32 Minuten, als die MT Melsungen beim 18:16 erstmals davon zu ziehen drohte. Der HSV Hamburg wankte auch noch bei Vasilakis´ Ausgleichstreffer zum 20:20 (37.), bereits der sechste (aber auch vorletzte) Treffer des Griechen. Danach fing sich der HSV, wankte nicht mehr.

Was folgte, war eine Lehrstunde des Titelkandidaten in Sachen Kaltschnäuzigkeit und Chancenverwertung, die schließlich in eine 28:35 (15:15)-Niederlage der Nordhessen mündete.

Die MT war unter Wert geschlagen und hatte doch vor toller Kulisse in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Rothenbach-Halle ein vom Publikum dankbar aufgenommenes Zeichen gesetzt. "So gut wie in den ersten 37 Minuten haben wir als Mannschaft in dieser Saison noch nicht gespielt", erklärte Rückraumspieler Alexandros Vasilakis, was ihm von HSV-Trainer Martin Schwalb bestätigt wurde: "Die Partie war 37 Minuten völlig ausgeglichen."

Und nicht, weil die Hanseaten (wie in den letzten beiden Saisonspielen) schwächelten, sondern weil die Gastgeber fast alles richtig machten. In der Abwehr, wo der starke Kelentric gleich voll da war und sich besonders auf seinen Mittelblock verlassen konnte. Dem gelang es, den gefährlichen Kreisläufer Vori an die Kette zu legen. "Wir haben versucht, ihn von Spielmacher Guillaume Gille fernzuhalten", erklärte der wieder genesene Franck Junillon das taktische Erfolgsrezept. Mit der Folge, dass beide noch in der ersten Hälfte zeitweise von Bertrand Gille und Domagoj Duvnjak ersetzt wurden.

Melsungens personelle Alternativen waren da wesentlich dünner, was aber zunächst nicht ins Gewicht fiel. Weil der uneigennützige Spielmacher Vladica Stojanovic jederzeit die Fäden des Spiels seiner Mannschaft in der Hand hielt. Und weil Jens Schöngarth in der Anfangsphase sicher traf und zwei Siebenmeter herausholte. Und auch weil Nenad Vuckovic nach 14 Minuten auftaute und Linkshänder Vasilakis nach seiner Einwechslung brannte und den erstmaligen Zwei-Tore-Vorsprung der Hamburger (10:12), den diese einer Zeitstrafe für Thomas Klitgaard zu verdanken hatten, postwendend ausglich.

Als die Gastgeber dann nach Wiederanpfiff sogar noch einen Zahn zulegten, schien das Feld bestellt. Bestellt für eine Überraschung, ehe sich fast blitzartig die erwarteten Kräfteverhältnisse einstellten. "Wir haben in drei Minuten alles verspielt", klagte Kreisläufer Klitgaard enttäuscht. Zwei Vuckovic-Fahrkarten und eine Sandström-Parade gegen Vasilakis nutzten Hans Lindberg, Krzysztof Lijewski und Thorsten Jansenper Gegenstoß, um auf 20:23 (49.) davon zu ziehen. Leichte Tore, an denen die Schwalb-Schützlinge nun Gefallen gefunden hatten und die MT bis zum 21:28 munter auskonterten. "Wir sind für jeden Fehler knallhart bestraft worden", stellte MT-Trainer Ryan Zinglersen ernüchtert fest. Das, was eine "Weltklasse-Mannschaft" offenbar ausmacht, wenn diese von einem Außenseiter zumindest zeitweise ins Wanken gebracht wird.