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Alfred Gislason

Der ruhige Steuermann auf rauer See

Alfred Gislason hat den THW Kiel wieder auf Kurs gebracht. Nach der verunglückten Spielzeit im Vorjahr, als Nordrivale HSV Hamburg dem Handball-Rekordmeister in der Bundesliga enteilt war, regieren nun wieder die Schwarz-Weißen.

Was Bayern München im deutschen Fußball für sich beansprucht, schreibt sich auch der Turnverein Hassee-Winterbek von 1904 auf die Fahnen: Titel, Titel, Titel. Gislason nimmt diese Herausforderung gern an - der ehrgeizige Isländer aus Akureyri hat höchste Ansprüche. Damit passt der 52-Jährige zum THW wie die Förde zu Kiel. «Ich darf mein Hobby leben und das an einem Ort, der für einen Trainer der beste der Welt ist: Kiel», sagte Gislason einst. Bei den Spielern ist der dreifache Vater überaus beliebt. Er gilt als fair, ist aber gleichzeitig sehr fordernd - und hart auch gegen sich selbst.

«Die Spieler sind für mich wie eigene Kinder, ich liebe meine Mannschaft. Aber Freunde? Nein», betont Gislason. «Wenn einer die Erwartungen nicht erfüllt, muss ich ihn aussortieren.» So einfach ist das. Zu spüren bekam dies Milutin Dragicevic, der seinen Vertrag beim THW mehr oder minder absitzt. Gislason hat wenig Vertrauen in die Qualität des Serben. Am Kreis sollte er später Kapitän Marcus Ahlm beerben. Das funktionierte nicht. Stattdessen bietet Gislason den Rückraumspieler Filip Jicha als Ahlm-Ersatz auf. Zur neuen Spielzeit kommen Rene Toft Hansen aus Kopenhagen und Patrick Wiencek vom VfL Gummersbach. Dragicevic kann gehen.

Privat ist Gislason ein Familienmensch. Der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter schwärmt von Ehefrau Kara-Gudrun Melstad. «Wir kennen uns seit wir zwölf sind, sind im gleichen Dorf aufgewachsen», sagt Gislason. «Sie hat alles versucht, um mir Mathe beizubringen.» Es sei sinnlos gewesen. «Obwohl sie viel intelligenter ist als ich und eine tolle Karriere hätte machen können, hat sie sich entschieden, mir zu folgen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.»

Der bekennende Weinliebhaber und Borussia-Dortmund-Fan bezeichnet sich selbst als «Berufsoptimist». Akribisch studiert er die Stärken und Schwächen der gegnerischen Teams und stellt seine Mannschaft bestens ein. Seit 2008 ist Gislason in Kiel. In dieser Zeit führte der frühere Nationalspieler (190 Spiele/542 Tore) den THW zum Titel in der Champions League und zur dritten Meisterschale. Und das soll noch nicht alles sein.