THW Kiel - Neue Aufgabe für Kiels Daniel Kubes - Der Wellenbrecher - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Neue Aufgabe für Kiels Daniel Kubes

Der Wellenbrecher

Bevor Daniel Kubes ein "Zebra" wurde, hatte er noch nie in einer 3:2:1-Deckung gespielt. Seine Aufgabe war gewesen, eine Hälfte im Mittelblock zu sein. Spätestens nach dem beeindruckenden 33:21 (18:9)-Sieg des THW Kiel in Göppingen war klar, dass der 33-Jährige in seiner bunten Karriere ein weiteres Kapitel beschrieben hat. Weil Filip Jicha wegen einer Zerrung gehandicapt war, musste die Verantwortung als Spitze in der offensiven Deckung neu vergeben werden. THW-Trainer Alfred Gislason wählte Kubes.
"Ich war ziemlich nervös", räumt der Tscheche ein. "Aber jetzt bin ich sehr glücklich, dass es mit mir in dieser Rolle so gut geklappt hat." Die Freude war dem Zwei-Meter-Mann ins Gesicht gemeißelt. Auch eine Viertelstunde nach der großen Show schrieb er fleißig Autogramme, verschenkte Schweißbänder an Jugendliche, die zuvor grün-weiße Schals geschwungen hatten. Mit einem Grinsen, das nicht mehr weichen wollte.

Kubes bezeichnet sich als "Handball-Verrückter". Einer, der im Wohnzimmer stundenlang Spiele seziert, Taktiken und Gegner studiert. Die Begegnung mit dem Eisenmann, das weiß die Konkurrenz längst, ist schmerzhaft. Das war diesmal nicht anders. Ihn auf den Schmerz zu reduzieren, wäre aber zu einfach. Abwehrarbeit, das ist für Kubes auch ein kreativer Prozess.

Die Schwaben hatten die letzten 20 Pflichtspiele in eigener Halle nicht verloren, in der Liga zuvor alle Top-Teams geschlagen. Außer den THW. Dessen 3:2:1-Deckung war in den jüngsten Duellen mit ihnen stets der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Doch mit Jicha fehlte der Schlüsselspieler. Die letzten zehn Minuten in der ersten Halbzeit wirkte der Welthandballer mit, nach der Pause kam er nicht mehr zurück. "Ich kann spielen. Aber wenn ich es mache, geht alles kaputt", sagt der Tscheche zu seinem Trainer, der dieses Risiko nicht eingehen wollte. Und mit Kubes gab es einen Ersatzmann, der mit der enormen Spannweite seiner Arme die ratlosen Gegenüber mit der Effizienz einer Reuse abfischte.

Vor vielen Jahren hatte er sich in einem Spiel gegen die SG Flensburg die Bänder im rechten Handgelenk mehrfach gerissen. Danach, so der Prager, hätte er sechs Monate lang nicht mehr hart werfen können. Eine Zeit, in der er sich zum Abwehrspieler umschulte. Einer, der Spaß daran hat, Angriffe zu unterbinden. "Er hat ein großartiges Spielverständnis und weiß, wo er stehen muss. Er ahnt voraus, was passieren wird", lobt Gislason den 106-maligen Nationalspieler, der zu Saisonbeginn aus Lemgo gekommen war. Vor einem Monat hatte der Isländer ihn zur Seite genommen, ihm erklärt, dass er die Alternative zu Jicha werden soll. Beim Champions-League-Spiel in Chambery feierte Kubes sein Debüt als Wellenbrecher, weil sein Landsmann Grippe hatte. Doch von Beginn an, so wie in der mit 5600 Zuschauern ausverkauften "Hölle Süd", hatte er im THW-Dress diese Aufgabe noch nie übernommen. "Er ist ein hochintelligenter Typ, hat sofort verstanden, was ich von ihm wollte", sagt Gislason.

Möglich, dass Kubes auch am Sonntag im Heimspiel gegen die SG Flensburg (15.15 Uhr) als Spitze auflaufen wird. Gestern war der Einsatz von Jicha noch fraglich, auch wenn sich Manager Uli Derad optimistisch gab. "Ich gehe davon aus, dass er dabei sein wird."