Frank Bohmann (Geschäftsführer der TOYOTA HBL) im Interview - Die Clubs setzen wieder verstärkt auf deutsche Talente - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Frank Bohmann (Geschäftsführer der TOYOTA HBL) im Interview

Die Clubs setzen wieder verstärkt auf deutsche Talente

Dass die deutschen Junioren in Griechenland zum zweiten Mal in Folge Weltmeister wurden beeindruckt auch die Liga. Dass sich die damit verbindende Hoffnung, vermehrt deutsche Talente in der Bundesliga zu sehen, bestätigen könnte, hofft auch Frank Bohmann. Der Geschäftsführer der Toyota Handball-Bundesliga freute sich im Gespräch mit dem Pressedienst der HBL über den Triumph des deutschen Nachwuchses und zeigt auf, wie Liga und Verband gemeinsam ihrer Sorgfaltspflicht für die jungen Spieler nachkommen wollen.

Die Junioren des Deutschen Handballbundes haben im griechischen Thessaloniki überzeugend die WM gewonnen. Das ist auch aus Sicht der Liga ein schöner und bedeutsamer Erfolg, oder?

Frank Bohmann: Ganz sicher. Ich beglückwünsche das Team zu seiner beeindruckenden Leistung und zum Titelgewinn bei dieser Junioren-WM. Man durfte zwar erwarten, dass sich der deutsche Nachwuchs in Griechenland herausragend platzieren würde. Aber davon, dass die neu formierte Juniorenmannschaft ebenso erfolgreich sein würde wie ihr Vorgänger, war nun absolut nicht auszugehen. Auch, weil mit Steffen Fäth einer der absolut wichtigsten Spieler dieser Mannschaft verletzt passen musste, weil er mit hartnäckigen Schulterproblemen zu kämpfen hatte. Deshalb ist diese Leistung umso höher zu bewerten.

Wie hoch ist der Anteil des Trainers an diesem Erfolg?

Der Titelgewinn ist die beste Bestätigung für die herausragende Arbeit Martin Heubergers mit dem Team. Was mich besonders beeindruckt, ist die Kontinuität in der Arbeit des neuen Bundestrainers. In den neun Jahren seines Schaffens gelangen ihm zwei Europameister- und zwei Weltmeister-Titelgewinne. Zudem führte er seit acht Jahren sein Juniorenteam immer mindestens bis ins Halbfinale. Das ist eine unfassbar gute Bilanz. Der WM-Gewinn ist nun zum Abschluss seiner Arbeit mit den Junioren eindrucksvollster Beleg seines Wirkens – wenn es dafür überhaupt noch eines bedurft hätte.


Könnte aber auch gut sein, dass der Gewinn des Junioren-Weltmeistertitels für viele Spieler dieser Mannschaft schon der internationale Höhepunkt ihrer gesamten Karriere war.

Das glaube ich in diesem Fall nicht und möchte hier deutlich widersprechen. Klammern wir ein Ausnahmetalent wie Christian Dissinger einmal aus, der mit seinem Wechsel zu den Kadetten Schaffhausen in der Schweiz bei einem internationalen Topverein unterschrieb und ja schon einschlägige Erstliga-Erfahrung machen konnte, haben nahezu alle Spieler des WM-Kaders einen Vertrag bei einem Erst- oder Zweitligisten hier in Deutschland. Ich bin fest davon überzeugt – im Übrigen teilt auch Martin Heuberger diese Einschätzung – dass alle Spieler auch das Potenzial haben, sich in ihren Clubs durchzusetzen.

Vorausgesetzt, die Klubs setzen ihren deutschen Talenten nicht einfach fertige ausländische Spieler vor die Nase.

Das denke ich nicht. Ich beobachte gegenwärtig eher einen gegenläufigen Trend. Die Clubs setzen tatsächlich wieder verstärkt auf deutsche Spieler, wobei vor allem die jungen Talente gefragt sind.

Gilt das auch für die 2. Liga, wo sich der Konkurrenzdruck nach der Zusammenlegung von Nord- und Südstaffel in der neuen Saison deutlich verschärfen wird?

Gerade dort gilt das. Die von Skeptikern befürchtete inflationäre Verpflichtung fertiger Legionäre bestätigt sich im Bundesliga-Unterhaus sehr zu unserer Freude überhaupt nicht. Dem Nachwuchs gehen offensichtlich keine Ausbildungsmöglichkeiten verloren. Und die vorhandenen werden eine weit höhere sportliche Qualität haben als in den Jahren zuvor. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung der 2. Liga. Und das sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich und medial.

Gerade die Anschlussförderung der jungen Spieler war in den vergangenen Jahren immer wieder Thema in Gesprächen zwischen der Liga und dem Verband. Was kann die Liga ihrerseits tun, um den Handball-Nachwuchs zu fördern?

Die Liga hat ja schon viel getan. Es gibt das Jugendzertifikat, das die Proficlubs verpflichtet, Nachwuchs auszubilden, es gibt den Rookie-Cup und mit Beginn dieser Spielzeit haben wir nun auch eine Jugend-Bundesliga, aufgeteilt in vier Staffeln. Zudem wird die Liga sich verstärkt des Themas "Handball in der Schule" annehmen, um noch mehr Kids bereits in jungen Jahren an den Handballsport heranzuführen. In diesem Zusammenhang ist es auch enorm wichtig, dass die Liga den jungen Leuten eine so genannte duale Karriere ermöglicht. Wir wollen Profihandballer, die parallel eine Schul- oder eine Berufsausbildung bekommen und beides effektiv miteinander verbinden.

In der Vergangenheit entstand nicht selten der Eindruck, dass eine Kooperation zwischen Liga und Verband im Sinne des Nachwuchses an verhärteten Positionen scheiterte.

Das ist so nicht ganz richtig. Sowohl der Verband als auch die Liga waren und sind sich seit jeher einig darüber, dass der Sorge um den Nachwuchs absolute Priorität einzuräumen ist. Dass es in Detailfragen unterschiedliche Auffassungen über den Weg dorthin gibt, liegt in der Natur der Sache. Aber das ist doch jederzeit auch diskutabel. In diesem Zusammenhang von Scheitern zu sprechen, ist falsch und schadet der Sache.

Ganz sicher aber wäre es ratsam, nun rasch das Gespräch mit dem neuen Bundestrainer Martin Heuberger zu suchen.

Da stehen die Türen gegenwärtig sehr weit offen. Schon am kommenden Dienstag trifft sich das Präsidium der Liga in Frankfurt mit Martin Heuberger zu ersten Gesprächen. Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit mit ihm.