HBW Balingen-Weilstetten - "Die Lichter gehen nicht aus ..." - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

"Die Lichter gehen nicht aus ..."

Der HBW Balingen-Weilstetten hat gegen Tabellennachbarn Dormagen so angefangen, wie er sein Heimspiel gegen die MT Melsungen beendet hat: Ohne Leidenschaft.

Erst nach der Pause kam Feuer ins Spiel. Da war es aber schon zu spät. Die Rheinländer spielten in der ersten Halbzeit die HBW-Abwehr mit einfachem Kreuzen aus und gingen mit einem Fünf-Tore-Vorsprung in die Kabine. Zwar zeigten die Schützlinge von Dr. Rolf Brack nach dem Seitenwechsel Moral und kamen mehrfach zum Anschlusstreffer, aber der Ausgleich wollte selbst in Überzahl nicht fallen. Und ausgerechnet Spyros Balomenos, der sich vor einem Jahr für den TSV - und gegen den HBW - entschieden hatte, machte in den Schlussminuten mit zwei Rückraumkrachern den Sack zu. "Dieser Sieg war wichtig für uns", sagte der Grieche, welcher nur kurze Einsatzzeiten bekommen hatte: "Mir ist es egal, wie lange ich spiele, solange wir gewinnen und ich meinen Beitrag leisten kann. Und heute habe ich mich gut gefühlt."

Während Balomenos & Co feiern durften, schlichen die Württemberger mit hängenden Köpfen von der Platte. Routinier Frank Ettwein traute sich als Erster aus der Kabine und stellte sich den Fragen von Presse und Fans. "Ich bin sprachlos", war er ebenso enttäuscht vom Ergebnis und der Leistung des Balinger Bundesligisten wie seine Mannschaftskameraden: "In der ersten Halbzeit hat nichts gestimmt. Weder unser Abwehr- noch unser Abschlussverhalten. Wir wussten, dass es schwer wird, aber zehn Tage Vorbereitung müssten eigentlich genügen, damit ein Erfolg herausspringt. Davon haben wir nichts umsetzen können."

Im Gegensatz zum TSV Dormagen: "Unsere Vorbereitung hat sich ausbezahlt", strahlte etwa Sebastian Linder, der fünfmal - völlig unbedrängt - traf. Die 3:2:1-Abwehr der Balinger sei mit zwei Kreisläufern und mehrfachem Kreuzen ausgehebelt worden "und dann hatte ich genügend Platz um mich herum".

Genau diese Spielzüge sind dem HBW durchaus bekannt gewesen und waren deshalb eigentlich keine Überraschung. "Wir wollten dieses Kreuzen verhindern, aber es ist uns nicht gelungen", erklärte Sascha Ilitsch, der mit seiner Leistung überhaupt nicht zufrieden war, obwohl er neben Torhüter Ivan Zoubkoff zu den wenigen Aktivposten gehört hatte: "Die Abwehr war ganz klar unser Hauptproblem. Wir haben den gegnerischen Kreisläufern zu große Freiräume gegeben, weil wir weit vorgerückt sind."


Die Motivation war da

Dass es auch im Angriff haperte, gab Felix Lobedank zu: "Wir haben phasenweise etwas kopflos agiert", bezog er sich auf das schlechte Überzahlspiel, das der Schlüssel zum Sieg hätte sein können. Aber irgendwie sei das Team schlecht in dieses Spiel rein gekommen, obwohl die Motivation auf jeden Fall da gewesen sei. In der zweiten Halbzeit habe auch der kämpferische Einsatz gestimmt, "leider sind wir zu oft am gegnerischen Torwart gescheitert". Von einer ärgerlichen Niederlage sprach HBW-Regisseur Alexander Oelze: "17 Gegentore in der ersten Halbzeit sagen alles über unsere Abwehrqualität." Nach der Pause sei es besser geworden, aber der Ausgleich sei halt nicht gefallen, "sonst wäre das Spiel gekippt." Dieser Meinung war auch Kapitän Wolfgang Strobel, den sein Bruder Martin und seine Lebensgefährtin vergeblich versuchten zu trösten. "Wir sind nach dem frühen Rückstand nicht mit der Jäger-Rolle klar gekommen. Immer hat uns ein Stückchen gefehlt zum Ausgleich. Jetzt seien zwei einkalkulierte Punkte weg und die Situation sei mit Rang 16 alles andere als optimal: "Dessen wird sich jetzt jeder bewusst sein." Wichtig sei es, dass die Mannschaft weiter an sich glaube und jede Chance nutze, "dann kommt auch das Glück wieder zu uns zurück".

Am kommenden Samstag fahre das Team als krasser Außenseiter nach Gummersbach, so dass es befreit aufspielen könne: "Vielleicht tut uns das gut und wir bringen mal wieder eine gute Leistung."

Das ist dringend notwendig, sonst steigt der Außenseiter aus Württemberg ab. Branchenüblich versuchen die Verantwortlichen die Wogen zu glätten. "Wir wären auch bei einem Sieg nicht gerettet gewesen, insofern sind wir jetzt auch nicht abgestiegen", meinte Geschäftsführer Benjamin Chatton, der Team und Trainer in die Pflicht nimmt: "Wir müssen wieder zu eigenen Tugenden zurückfinden und über den Kampf kommen. Es sind noch einige Spieltage zu absolvieren, noch gehen die Lichter nicht aus…" Hintergrund >