HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann - "Die Liga ist gesund" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

"Die Liga ist gesund"

Die Handball-Bundesliga startet am Samstag in ihre 35. eingleisige Saison. Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL, spricht über deutsche Spieler, Vermarkter-Pleite, Geld und Wetten.

In der Bundesliga spielen Handballer aus 25 Nationen. Bleibt da noch Platz für deutsche Spieler?

Frank Bohmann: «Ja. In den Kaderplanungen haben wir rund zehn Prozent mehr deutsche Spieler als in der vorigen Saison. Das heißt, wir haben einen deutschen Anteil von rund 56 Prozent. Das ist erstmal gut. Aber die nackten Zahlen sagen da vielleicht zu wenig aus. Wir müssen natürlich zusehen, dass wir auf den prägenden Positionen, was ja Heiner Brand in der Vergangenheit zu recht beklagt hat, für den Bundestrainer eine größere Auswahl schaffen.»

Martin Heuberger hat die Forderung von Brand nach einer deutschen Quote nicht mit übernommen. Wie läuft bisher die Zusammenarbeit mit dem neuen Bundestrainer?

«Der Anfang war sehr gut, mit sehr offenen Gesprächen und sehr offenen Formulierungen, was die Erwartungshaltung betrifft. Da bewegen wir uns ganz klar aufeinander zu. Es ist ja nicht nur im Interesse der Nationalmannschaft, dass wir eine gute deutsche Basis haben, sondern es ist auch im Interesse der Vereine. Mit deutschen Spielern hat man sicher auch bessere Identifikationspotenziale und Vermarktungsmöglichkeiten als mit noch mehr ausländischen Spielern. Insofern ist es auch Eigeninteresse, dass wir diese Forderung forcieren.»

Wie wichtig ist für die Bundesliga die Qualifikation für Olympia?

«Die ist sehr wichtig. Aber die Welt wird auch nicht untergehen, wenn wir es nicht schaffen. Das würde uns nicht zurückwerfen, aber das würde uns sehr fehlen, wenn Deutschland nicht dabei wäre. Bislang war ja Handball in Deutschland auch immer eine der am stärksten verfolgten Sportarten bei Olympischen Spielen. Und da gehören wir auch hin.»

Was kann die Liga dafür tun?

«Wir haben immerhin schon einen Spieltag verlegt. Das war ein Kraftakt und ein Organisationsakt. Da haben wir ein erstes Zeichen der Solidarität gesetzt.»

Werden in der Zukunft die Bundesligisten später in den DHB-Pokal einsteigen als schon zur 2. Runde?

«Das ist eine Sache, die wir nicht allein entscheiden können. Dazu brauchen wir den DHB. Wir sind aber auf einem guten Weg dahin, und ich würde es begrüßen, wenn die Bundesligisten eine Runde später einsteigen und dadurch weiter entlastet werden.»

Anfang Mai findet die DHB-Pokalendrunde in Hamburg statt. Der Vertrag läuft aus. Bleibt Hamburg Austragungsort?

«Jetzt machen wir es erstmal in Hamburg. Wir sind aber mit mehreren Standorten in Gesprächen, wo wir es ausrichten. Mit Hamburg sprechen wir auch. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.»

Der Standort Hamburg ist offen. Wie sieht es mit Leipzig für das Allstar Game und München für den Supercup aus?

«Der Supercup ist auf jeden Fall auch im nächsten Jahr noch in München. Die Vereinbarung läuft bis 2012. Weitere Gespräche haben wir noch nicht geführt. Leipzig läuft erstmal nur für nächstes Jahr, aber mit der klaren Absicht, es dort längerfristig zu platzieren.

Wie viel Geld wird an die Teilnehmer an der DHB-Pokalendrunde ausgeschüttet?

«In den vergangenen Jahren haben wir immer den Gewinn gefünftelt für die vier Teilnehmer und die HBL. Da kamen rund 150 000 Euro für jeden bei herum. Im laufenden Jahr wird es für die Teilnehmer bei 120 000 Euro gedeckelt. Den Überschuss, den wir dann erzielen, verwenden wir für die Wettüberwachung beziehungsweise zur Verminderung des Risikos zur Wettmanipulation.»

Seit voriger Saison arbeitet die Liga dafür mit «betradar» zusammen. Gab es Rückmeldungen über Auffälligkeiten?

«Wir kriegen einen sehr dezidierten Rekord. Es sind keine auffälligen Beträge auf ein besonderes Spiel in der Handball-Bundesliga oder in Pokalspielen gesetzt worden, so dass wir davon ausgehen können, dass es in der vorigen Saison keine Wettmanipulation gab.»

Vor der vergangenen Saison ist der HBL-Vermarkter «kick and rush» Pleite gegangen. Wie groß war der wirtschaftliche Schaden?

«Der war hoch - im mittleren sechsstelligen Bereich.»

Seither vermarktet die HBL ihre drei Veranstaltungen Supercup, Pokalendrunde und Allstar Game selbst. Wie läuft's?

«Unsere Veranstaltungen sind seither ausverkauft. Allerdings auch mit einem erheblichen Aufwand von unserer Seite. Ich laufe auch selber los und verkaufe Banden.»

Ist die Liga finanziell gesund?

«Ja, sie ist gesund. Im Rahmen unseres kontinuierlichen Lizenzierungsprozesses haben wir da einen noch viel tieferen Einblick als vorher. Die Zeichen der Zeit sind erkannt. Husarenritte gibt es nicht mehr so, wie wir es noch vor fünf, sechs Jahren gehabt haben.»

Einige Clubs, insbesondere der VfL Gummersbach, sind mit Ach und Krach durchs Lizenzierungsverfahren gekommen. Kommen denn alle Clubs durch die Saison?

«Davon gehe ich aus.»

Seit 1. Januar gibt es das Neuverschuldungsverbot. Greift das schon?

«Ja. Derjenige, der ein negatives Einkommen hat, darf das zum 31.12.2011 nicht verschlechtert haben. Wer ein positives Einkommen hat, darf es verschlechtern bis Null.»

Wie sehen mögliche Sanktionen aus?

«Das obliegt der Lizenzierungskommission. Es geht von Geldstrafen, die natürlich in diesem Fall kontraproduktiv wären, bis zum Punktabzug.»