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Trainerschein geschafft: Kehrmann folgt Stephan und Schwarzer

Die Lizenz zum Trainieren

Gebüffelt, geschwitzt, geschafft: Florian Kehrmann ist als nächster Handballer der sogenannten Goldenen Generation in die Gilde der Trainer aufgestiegen. In einem zweiwöchigen Crash-Kurs des Deutschen Handballbundes (DHB) für langjährige National- und Bundesliga-Spieler hat der 33 Jahre alte Rechtsaußen des TBV Lemgo die B- und C-Lizenz erworben. Mit dem Zertifikat in der Tasche kann der Weltmeister von 2007 nun Regionalliga-Mannschaften und – mit Ausnahmegenehmigung - sogar Zweitligisten trainieren. Davon will Kehrmann aber vorerst nichts wissen. „Es ist ja ein  Trugschluss zu glauben, wenn man einen Schein hat, kann man alles“, meinte er nach den zwei Wochen und zog einen Vergleich: „Nicht jeder, der einen Führerschein hat, kann auch fahren.“ Für die Lizenz hat er zweimal eine Woche lang gelernt - gemeinsam mit den ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Frank von Behren (Minden), dem früheren weißrussischen Auswahlspieler Andrej Siniak und weiteren 13 (Ex-) Handballern.

Der Praxis in Leipzig ging allerdings die Theorie in Dortmund voraus: Für zwölf bis 13 Lernstunden à 45 Minuten mussten sich die bewegungsgewohnten Leistungssportler auf den Hosenboden setzen, um Grundlagen von Technik, Taktik oder Trainingsplanung zu pauken. „Das ist mir schon sehr schwer gefallen“, gab Kehrmann zu, „die zweite Woche war einfacher, da konnte ich meine Erfahrung einfließen lassen.“ Vor allem abwechslungsreicher war die Praxis in Leipzig: Beim Wasserspringen nahm Kehrmann „natürlich“ den Zehner mit, er übte die Trainingsleitung mit der B-Jugend vom Sportgymnasium und Aquajogging oder auch simuliertes Höhentraining. „Wir nutzen hier das sehr gute Netzwerk für die praxisorientierte Ausbildung. Das ist sehr effektiv und die beste B/C-Ausbildung, die man sich vorstellen kann“, sagte Kursleiter Maik Nowak, Ex-Trainer des Frauen-Meisters HC Leipzig.Zum vierten Mal seit 2005 wurde die unter Bundeslehrwart Jens Pfänder eingeführte Blitz-Ausbildung angeboten. „Er hat sehr viel bewegt. Die Ausbildung ist sehr professionell geworden“, erklärte Nowak.

Vergangenes Jahr hatten mit Christian Schwarzer und Daniel Stephan bereits zwei Spieler der „Goldenen Generation“ von Bundestrainer Heiner Brand davon profitiert. „Sie haben mir nur Gutes davon erzählt“, berichtete Kehrmann, der mit den früheren Lemgoer Clubkollegen Europameister und Olympia-Zweiter 2004 wurde. Wie Schwarzer, inzwischen DHB-Jugendkoordinator, sowie Stephan haben auch Kehrmann und von Behren ihre Trainer-Prüfung bestanden. „Ich kann sehr erfreut zur Kenntnis nehmen, dass solche Leute wie sie das sehr ordentlich gemacht haben“, sagte Nowak.

Trotz des Scheins in der Tasche bleibt Florian Kehrmann vorerst weiter Handballer. „Ich wollte meinen Horizont erweitern und die Zeit sinnvoll nutzen, die ich nun habe, weil ich nicht in der Nationalmannschaft spiele“, sagte er. Beim TBV Lemgo hat er noch einen Vertrag bis 2011. „Ich gehe davon aus, dass ich noch zwei, drei Jahre spielen werde“, meinte er. Eine eventuelle Rückkehr in die Nationalmannschaft, aus der er sich nach den Olympischen Spielen 2008 für eine dringend benötigte Regeneration zurückgezogen hatte, ließ er offen. „Ich genieße jetzt auch das Mehr an Zeit und habe nicht die zweieinhalb Wochen Stressurlaub wie die Nationalspieler. Aber es ist auch eine tolle Sache, für Deutschland zu spielen“, bekannte er.