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Alfred Gislason

Die Reise in die Vergangenheit

Die Reise in die Vergangenheit löst bei Alfred Gislason Glücksgefühle aus. «Ich freue mich unheimlich auf diese Stadt», sagte der Trainer, bevor er mit seinem THW Kiel zum Final Four der Champions League nach Köln flog.

Er hat die Domstadt schätzen gelernt in seiner Zeit beim VfL Gummersbach, den er bis Sommer 2008 erfolgreich trainierte. Das «multikulturelle Flair» Kölns hat es dem 50-Jährigen angetan. Zudem ist er, wie er lachend betont, «als einziger Trainer vor Ort Mitglied des 1. FC Köln».

Gislason erhält in diesen Tagen viele Nachrichten von alten Kölner Weggefährten, etwa von Claus Horstmann, dem Aufsichtsratschef des VfL Gummersbach. Doch wird wenig Zeit bleiben, alte Freundschaften zu pflegen. Dem Isländer wird nachgesagt, sich extrem akribisch auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Seine Videoanalysen, mit denen er die Spieler einstimmt, haben in der Handballszene legendären Ruf. Insofern freut sich die Fachwelt auf das taktisch hochkarätige Duell zwischen Gislason und Talant Dushebajew, auf dessen Team BM Ciudad Real die Kieler in der Kölner Arena treffen. «Das wird eine ganz schwierige Partie», sagt Gislason.

Man könnte annehmen, dass Gislason die Champions League als Zugabe empfindet. Als Kür, die dem 33:31-Sieg beim HSV Hamburg in der Bundesliga folgt; hier benötigt der THW noch zwei Siege gegen Balingen und in Großwallstadt, um den 16. Titel einzufahren. Der Titel des Deutschen Meisters wird schließlich an der Kieler Förde verlangt, das hat Gislason schnell verstanden. «Wenn wir nicht Meister werden, dann sollte ich mir schnell ein Fluchtauto organisieren», so kommentierte Gislason 2008 die hohe Erwartungshaltung in der handballverrückten Stadt, nachdem er diese Aufgabe von Noka Serdarusic übernommen hatte.

Doch diese Annahme trügt. Gislason gibt stets zu verstehen, wie wichtig ihm der Titel in der Champions League ist. Ihn betrachtet er als den bedeutendsten Wettbewerb des Handballs. Dementsprechend lange feierte Gislason, als er dieses Kunststück im Jahr 2002 mit dem SC Magdeburg schaffte: Eine Woche.

Sollte Gislason die Champions League nun mit dem zweiten Club gewinnen, dürften ihm die Fans in Kiel ein Denkmal bauen. Schon jetzt ist der ehemalige isländische Nationalspieler hier populärer als Serdarusic. Im Gegensatz zu seinem unnahbaren Vorgänger wird Gislason, auch wenn es ihm peinlich ist, in der Sparkassen-Arena mit Sprechchören gefeiert. Und nicht nur wegen seiner menschlichen Ausstrahlung und seines trockenen Humors. Sondern auch, weil er stets versucht hat, die Mannschaft von den Manipulationsvorwürfen, die den Klub seit März 2009 erschütterten, abzuschirmen. Die Herzen der Kieler Fans hat er schon lange gewonnen.