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Bundesliga

Die Zebras nehmen erfolgreich Revanche

Mit einer eindrucksvollen Vorstellung besiegte der THW Kiel gestern Abend den „Favoriten-Schreck“ VfL Gummersbach mit 29:22 (15:14). In der mit knapp 9000 Zuschauern gefüllten Lanxess-Arena stand der Bundesliga-Hit lange auf der Kippe, doch in der letzten Viertelstunde zogen die „Zebras“ eindrucksvoll davon.
In einer leidenschaftlich kämpfenden Kieler Mannschaft ragten Thierry Omeyer und Filip Jicha heraus. Kiels Schlussmann hielt 56 Prozent der Bälle, eine Weltklasse-Quote, und der Tscheche versenkte 13 Bälle im Tor von Goran Stojanovic, der beim Pokal-Aus der Kieler vor einem Monat (28:35) noch der große THW-Albtraum gewesen war.
VfL-Trainer Sead Hasanefendic hatte sich entschieden, auch den Kielern mit der offensiven 3:3-Deckung zu begegnen, mit der er in der vergangenen Woche den HSV Hamburg geschockt hatte (39:31). Doch das Konzept ging diesmal nicht auf. „Uns hat heute der Wille, das Feuer gefehlt“, meinte Hasanefendic. „Und im Angriff haben wir mit zu viel Angst gespielt.“ Ein richtiges Handballspiel wollte nicht recht entstehen, zu sehr zerstörten die Hausherren die Angriffsaktionen des THW. Es wirkte, als hätte der VfL an diesem Abend seine Ringerabteilung in die Arena geschickt. Wie Kletten hingen Christoph Schindler und Co an den schwarz-weißen Trikots der Gäste, die trotz eines Blitzstarts (6:1/9.) zunächst keine Ruhe in ihre Aktionen bringen konnten. Der VfL kämpfte sich heran, hatte nach einer Viertelstunde den Abstand auf ein Tor verkürzt (6:7). Doch die Stimmung auf den Rängen bleib mau, kein Vergleich zum Pokalspiel, in dem sich die beschauliche Eugen-Haas-Halle in Gummersbach in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt hatte.
Auch mit dem Pausenpfiff war der VfL noch ebenbürtig, doch sie trafen mit ihrem Klammer-Handball nicht den Nerv der Kieler. Immer wieder spielte das Team von Alfred Gislason („Wir haben heute alles besser gemacht als im Pokal“) geschickt in die Lücken. Immer wieder landete der Ball beim starken Kreisläufer Marcus Ahlm, der nicht zu stoppen war. Das galt auch für Filip Jicha, der im zweiten Durchgang Tore am Fließband warf. Die Vorentscheidung fiel in der 45. Minute, als Ahlm und Kim Andersson Zeitstrafen absitzen mussten, und der VfL in doppelter Überzahl nicht in der Lage war, den Zwei-Tore-Rückstand (17:19) zu verkürzen. Rechtsaußen Vedran Zrnic scheiterte freistehend am immer stärker werdenden Omeyer, und Klein, der sich einen Fehlpass von Drago Vukovic schnappte, traf im Gegenzug zum 17:20. Dann spielte Kiels Linksaußen einen schlauen Pass zu Daniel Narcisse, der am Kreis gelauert hatte, und der Ex-Gummersbacher traf zum 17:21. Dann scheiterten Robert Gunnarsson und Schindler an Omeyer, die Partie war entschieden, der VfL entnervt. Aus dem Spiel heraus hatten die Gastgeber im zweiten Durchgang bis zu jener 49. Minute nur zweimal getroffen, eine verheerende Quote. Wie es geht, zeigte in der Schlussphase noch einmal Jicha, der bis zum Abpfiff noch sechs Tore erzielen sollte.
Mit diesem Sieg hat der THW nicht nur erfolgreich Revanche für die bittere Pokal-Pleite genommen, sondern auch vor dem nächsten Auswärtsspiel eine große Portion Selbstvertrauen getankt. Am Sonntag wartet der TBV Lemgo auf die „Zebras“. Jene Mannschaft, die als einzige den THW in der vergangenen Saison schlagen konnte.