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Dramatische Szenen in Dormagen

Nach dem verkrampften Beginn mit vielen Fehlern auf beiden Seiten entwickelte sich das Kellerduell zu einer kämpferischen und spannungsreichen Begegnung, die erst in der letzten Sekunde durch einen direkt verwandelten Freiwurf des ansonsten eher blassen Barna Putics zum 31:31 entschieden wurde. "Der muss mir alles nachmachen", witzelte Stephan Just - der verletzte Mindener hatte für das gleiche Kunststück vor fast genau einem Jahr an gleicher Stelle gesorgt und damals das 23:23 erzielt.

Der Verlauf des Spiels am Tag der Arbeit war freilich ein völlig anderer: Die besser startenden Gäste führten nach 13 Minuten bereits mit 8:4. Erst nach der Auszeit gelang es dem TSV, seine Abwehr zu festigen und dann auch auszugleichen. Nicht zuletzt, weil sich Michiel Lochtenbergh an seinem 29. Geburtstag als sicherer Strafwurf-Vollstrecker bewährte. Die erste Führung zum 17:16 war indes Maciej Dmytruszynski vorbehalten, der am Tag vor dem Spiel Vater von Kasper (3.750 Gramm, 54 cm) geworden war und vor Spielfreude sprühte.

Minden ging danach noch zwei Mal durch den treffsicheren Rene Bach Madsen in Führung, doch danach legte immer Dormagen einen Treffer vor. In der 51. Minute hatten die Gastgeber sich gar mit drei Toren (29:26) abgesetzt. Ulf Schefvert reagierte, setzte Gylfi Gylfason verstärkt auf Florian Wisotzki an. Irritiert war der Dormagener Angriff in dieser Phase allerdings auch durch zwei nicht mit einem Strafwurf geahndeten Fouls gegen Max Holst. Ein Foul von Ingimundarson wurde von neutralen Beobachtern gar als gesundheitsgefährdend eingestuft.

So kam was kommen musste: Gylfason glich aus zum 29:29. Die siebenminütige Dormagener Torflaute wiederum beendete der Jüngste auf dem Feld mit einem Doppelpack: Der 18-jährige Kentin Mahé lieferte, mit sehenswerten Würfen und einer in der Schlussphase bissigen Abwehrarbeit gegen Madsen eins seiner besten Spiele im TSV-Trikot .

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Moritz Schäpsmeiers einziges Tor ließ Minden wieder hoffen, zu dem Zeitpunkt war Christian Skusa bereits als siebter Feldspieler auf dem Feld, Medhus hatte das Tor verlassen. Eine Situation wie geschaffen für Wisotzki, der zuletzt in Wetzlar mit einem Wurf ins leere Gehäuse erfolgreich war. Gegen Minden wäre es rund 20 Sekunden vor Schluss allerdings wohl ratsamer gewesen, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Der Kapitän entschied sich für den Torwurf, doch der zurück eilende Medhus konnte den Ball doch noch abfangen. "Wir gehen davon aus, dass in diesem Augenblick acht Mindener Spieler auf dem Feld waren", begründete später TSV-Teammanager Thomas Dröge den vorläufig eingelegten Einspruch gegen die Wertung der Partie, die noch einmal an Dramatik zunahm: Drei Sekunden blieben zu spielen, als Minden einen Freiwurf zugesprochen bekommt. Putics wirft an den Pfosten, die Dormagener feiern, das Spiel ist vorbei - meinen aber nicht die Schiedsrichterzwillinge Bernd und Reiner Methe. Sie zeigen auf den Fuß von Wisotzki, der den Ball offenbar noch berührt haben soll. "Da haben wir sicher Glück gehabt, denn man hätte hier nicht pfeifen brauchen", urteilte Mindens Co-Trainer Frank von Behren. Doch der Freiwurf wurde ausgeführt - gegen eine um zwei Spieler dezimierte Dormagener Mauer. Denn nach einer umstrittenen Zeitstrafe gegen Dmytruszynski sprang dieser nach dem Pfosten-Wurf begeistert von der Bank hoch und betrat das Spielfeld - weil er wie die meisten vom Ende des Spiels ausging. Nach Intervention von Uwe Stemberg zeigten aber noch einmal zwei Methe-Finger auf den Abwehrchef, für den Holst das Feld verlässt. Der Ausgang des Spiels ist bekannt.