DHC Rheinland - Schuldenstand soll mehr als 1,8 Millionen Euro betragen - Droht Dormagen der Zwangsabstieg? - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Schuldenstand soll mehr als 1,8 Millionen Euro betragen

Droht Dormagen der Zwangsabstieg?

So richtig können sich die Spieler des TSV Dormagen nicht auf das Kellerduell konzentrieren, zu dem heute Abend der HBW Balingen-Weilstetten im TSV-Sportcenter gastiert. 16 Tage nach den Meldungen, dass die Rheinländer genau wie vorher schon die SG Flensburg-Handewitt und der VfL Gummersbach Gehaltskürzungen erwägen, soll Dormagen nun sogar der Zwangsabstieg drohen.

Zumindest wurde auf einigen Internetseiten von einem angeblichen „Schuldenstand in Höhe von 1,8 bis 2,5 Millionen Euro" gemunkelt, der in einem "klubinternen Papier" festgehalten sei. Diese Meldungen will Karl-Josef Ellrich so nicht stehen lassen: „Diese Zahlen stimmen nicht", sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende der Bayer AG. Der kommissarische Vorsitzende des knapp 5000 Mitglieder starken Gesamtvereins TSV Bayer Dormagen sagte der ‚Neuß-Grevenbroicher Zeitung‘: „Ich gehe davon aus, dass wir die Saison zu Ende spielen, und wenn wir sportlich den Klassenerhalt schaffen, werden wir alles daran setzen, weiter Bundesliga-Handball in Dormagen zu bieten."

Prüftermin bei der HBL

Heute muss Ellrich der Handball-Bundsliga die aktuellen wirtschaftlichen Dasten des TSV vorlegen, dieser Prüftermin wurde bereits vor drei Wochen vereinbart, wie HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann der HANDBALLWOCHE mitteilte. Über die angebliche Höhe der Schulden weiß Bohmann nichts: „Das verwundert mich.“ Möglichst schnell will der Vereinsvorsitzende Ellrich für alle Beteiligten Klarheit schaffen, wie es weitergeht. Dazu seien aber noch Gespräche zu führen, nach NGZ-Informationen mit der Bayer AG, die vor anderthalb Jahren aus dem Sponsoring des Spitzen-Handballs ausstieg. Bereits im Jahre 2001 hat die Bayer AG Verbindlichkeiten des Handball-Bundesligisten, angeblich damals 1,5 Millionen Euro, übernommen, damals aber den Rückzug in die Regionalliga zur Bedingung gemacht.  

Unabhängig vom Ausgang der laufenden Gespräche wird laut Ellrich an einem Wirtschaftsplan gearbeitet und geprüft, wo Einsparungs- und weitere Vermarktungsmöglichkeiten seien: „Die Vermarktung des Hallennamens ist ja auch noch nicht vollzogen“, sagt Ellrich. Der TSV-Boss gibt zu, dass er mit noch ernsteren Finanzproblemen rechnet: „Im Dezember werden wir eine Zahlungslücke haben, wenn wir nicht gegensteuern.“ Bis Ende November, seien die Zahlungen gesichert, ebenso ab wieder Januar, "weil dann wieder für 2010 zugesagte Sponsorengelder fließen. Den Zeitraum dazwischen müssen wir irgendwie überbrücken."

Ursachen ungeklärt

Ungeklärt bleibt einstweilen, wie es überhaupt zur aktuellen Finanzlage kommen konnte. Im ehemaligen Geschäftsführer Uli Derad wird ein Sündenbock gesucht. So sollen in den Etatplanungen die Werbeeinnahmen zu optimistisch eingeschätzt worden sein und angeblich Rechnungen nicht rechtzeitig eingebucht worden sein, „um die Verbindlichkeiten in der Bilanz zu drücken.“ Derad sagte dazu schon vor zwei Wochen der NGZ: „Wir haben die Lizenz bekommen, und wir haben sie rechtmäßig bekommen.“

TSV-Trainer Kai Wandschneider hofft, dass sein Spieler den Kopf frei bekommen und setzt auf baldige Planungssicherheit: "Wir befinden uns in einer Art Schwebezustand und hoffen, nächste Woche Klarheit zu haben."