Sieben Gebote gegen den Abstieg - Düsseldorf setzt auf eingespielten Kader und Hoffnungsträger Hegemann - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Sieben Gebote gegen den Abstieg

Düsseldorf setzt auf eingespielten Kader und Hoffnungsträger Hegemann

Zwischen Erholung und Qual liegt nur ein schmaler Grad. Die 600 Meter vom Mann-schaftshotel bis zur Sporthalle legen die Handballer der HSG Düsseldorf in knapp fünf Minuten zurück. Der Rückweg quer durch die Schermbecker Einfamilienhaus-Idylle kann schon einmal doppelt so viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Beine sind schwer. Sechs Tage Trainingslager haben ihre Spuren hinterlassen. In der Abgeschiedenheit der beschaulichen Weseler Kleinstadt am Nieder-rhein, 60 Kilometer vor den Toren der Landeshauptstadt, soll sich der Aufsteiger den nötigen Feinschliff für die Bundesliga holen. Goran Suton fa-vorisiert für die tägliche Schin-derei den Begriff "Sommerlager". Klingt harmloser, ist es aber nicht.

Der Nachfolger von Aufstiegstrainer Georgi Sviridenko soll in der kommenden Saison nicht nur das Primärziel Klassenerhalt, sondern darüber hinaus auch den ehrgeizigen Drei-Jahres-Plan der Düsseldorfer realisieren. Dieser sieht eine erstklassige Zukunft vor. Anders als nach dem letzten Aufstieg vor fünf Jahren soll nach drei Spielzeiten nicht schon wieder Schluss sein. Dafür wurde vor allem in den Nachwuchs investiert. Neben neun A-Jugendlichen, die dem erweiterten Kader angehören, wurden mit den Junioren-Nationalspielern Max Weiß (Concordia Delitzsch) und seinem kroatischen Pendant Nikola Kedzo (CD Teucro, Spanien) zwei 20-jährige Perspektivspie-ler verpflichtet.

Das Projekt "Jugend forscht" liegt den Düsseldorfern am Herzen. Nicht nur, weil der mit knapp anderthalb Millionen Euro auf Vorjahresniveau geschnürte Etat fast schon traditi-onell keine großen Sprünge zulässt. Obendrein muss für Torhüter Almantas Savonis, der bis Ende September ausfällt, noch Ersatz besorgt werden. Nach einem Freizeitunfall in der litauischen Heimat wurden dem 39-Jährigen in einer Not-Operation drei Sehnen der linken Hand gerichtet. Die für eine "hohe sechsstellige Summe", so HSG-Manager Frank Flatten, an eine Vermarktungsagentur abgetretenen Rechte an den Zuschauereinnahmen erhöhten zwar den Handlungsspielraum. Namhafte Neuzugänge sind mit einer Ausnahme jedoch Mangelware.

Umso mehr verspricht man sich von der Rückkehr von Michael Hegemann, der alle Mühe hat, die aufkeimende Euphorie um seine Person in kontrollierbare Bahnen zu lenken. "Ich bin weder ein verlorener Sohn noch ein Wunderheiler", versucht sich der 32-jährige Blondschopf jene tonnenschweren Lasten abzustreifen, die ihm bei seiner Rückkehr aufgeschultert wurden. Der Ex-Mindener soll den Aufsteiger führen. Als Spielmacher, Torjäger, Abwehrspezialist, verlängerter Arm des Trainers und Teamkapitän. So wie es der gebürtige Gladbecker von 2001 an vier Jahre lang tat. In dieser Zeit verpasste er keines der 136 Punktspiele und warf die HSG vor fünf Jahren fast im Alleingang ins Oberhaus.

Zurück im Schermbecker Trai-ningslager. Acht Stufen führen im Mannschaftshotel in einen kleinen Kellerraum hinab, in dem die Spieler entspannen können. Auf einer großen Tafel hat Goran Suton in schwarzen Buchstaben seine sieben Gebo-te für die Mission Klassenerhalt untereinander notiert: Kommunikation, Emotion, Hierarchie, Respekt, System und Motivation. Und unter einem Schlussstrich: Leidenschaft!