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HSG Wetzlar gegen Frisch Auf Göppingen ohne jede Chance

Eine 6:0-Deckung wie aus dem Lehrbuch

Katja Ebstein hatte nicht gelogen, als sie 1970 beim Grand Prix d´Eurovision die Behauptung aufstellte, dass es Wunder immer wieder gäbe. Die Schlagersängerin hatte ja nicht versprochen, dass sie fortan jeden Tag eintreten würden. Dass musste auch die HSG Wetzlar am vergangenen Wochenende spüren.

Vor Wochenfrist konnten sich die Schützlinge von Trainer Michael Roth nach dem Sensationssieg über den TBV Lemgo noch als die große Überraschungsmannschaft feiern lassen. Am Samstagabend aber zog Göppingen in der Rittal-Arena beim 24:33 (9:15) aus Sicht der HSG schon früh den Stecker, so dass die Partymusik, die vor der Rückkehr von Velimir Petkovic und Lars Kaufmann zu ihrem Ex-Verein an den Coup gegen den TBV erinnern sollte, abrupt gestoppt wurde.

Mit einer "überragenden Deckung und einem Enid Tahirovic in Weltklasseform dahinter", wie FA-Trainer Velimir Petkovic festgestellt hatte, beherrschten die Gäste aus Schwaben das Geschehen. "Wir haben Wetzlar gut analysiert und hatten daher eine gute Aufteilung zwischen Block und Torwart", lobte Göppingens Kreisläufer Manuel Späth, der seine Abwehr besonders im ersten Abschnitt beeindruckend zusammengehalten hatte. Es war ein Lehrstück in Sachen 6:0-Formation, das die Gäste in Perfektion dargeboten hatten.

Starke Vorstellung von Tahirovic

"Unsere Defensivleistung hat schon in der ersten Halbzeit das Spiel entschieden. Es war ein verdienter Sieg. Die Abwehr war überragend. Es hat alles gestimmt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann aber ein paar Tore bekommen, die wir normalerweise nicht bekommen hätten", erklärte FA-Keeper Tahirovic, der in der ersten Viertelstunde schon neun Paraden auf seinem Konto hatte und so maßgeblich daran beteiligt war, dass sich Göppingen durch einen Treffer von Nationalspieler Christian Schöne auf 7:4 absetzen konnte (15.).

Die Truppe von Velimir Petkovic deckte aggressiv, sehr mannbezogen und hatte mit den gegnerischen Angreifern schon Körperkontakt, ehe die sich überhaupt entschlossen hatten, auf das Tor zu werfen. Zudem gelang es den Hausherren nicht, die FA-Abwehr in Schwung zu bringen und so Lücken aufzureißen. Kein Wunder also, dass beim 13:7 durch den guten Rechtsaußen Kai Häfner in der 25. Minute längst eine Vorentscheidung gefallen war.

HSG-Rückraum ein Totalausfall

"Wir haben kollektiv versagt. Wenn alle drei Rückraumspieler ausfallen, fehlt uns die Qualität", machte auch HSG-Coach Michael Roth keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über den miserablen Auftritt seiner Rückraumreihe um Daniel Valo, Timo Salzer und Sven-Sören Christophersen, die sich in kaum einer Phase gegen ihre Gegenspieler durchsetzen konnten. "Bei allem, was ich versucht habe, habe ich eine Niete gezogen", bestätigte Roth nach dem ernüchternden Auftritt, dass weder seine Versuche, durch unterschiedliche Abwehrsysteme bei Göppingen Rhythmusprobleme hervorzurufen, noch seine taktischen Einwechslungen von Erfolg gekrönt waren.

Zwar konnten sich Alois Mraz und Petar Djordjic nach dem zwischenzeitlichen Zehn-Tore-Rückstand (13:23/43.) immerhin mit insgesamt je fünf Toren auszeichnen. Diese Treffer aber waren es, die Tahirovic später als Gegentore bezeichnen sollte, die er "normalerweise nicht bekomme". Das sagt alles über die Kräfteverhältnisse vom Samstagabend aus.