MT Melsungen - Eine echte Erfolgsstory - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

Eine echte Erfolgsstory

Politikern werden gemeinhin 100 Tage zur Eingewöhnung in neue Ämter eingeräumt, ehe eine erste kritische Bewertung ihres Schaffens fällig ist. Eine Art Schonfrist, von der Handballtrainer nur träumen können. Umso mehr, wenn sie wie Michael Roth die MT Melsungen mitten in der Bundesliga-Hinrunde übernehmen. Und dieser auch noch ganz dringend Punkte zum sportlichen Überleben braucht. Der "Neue" machte das Beste daraus, obwohl oder gerade weil der 48-Jährige mit einer Schlappe startete.

Denn die 25:40-Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen offenbarte ihm schonungslos, an was es bei seiner neuen Mannschaft mangelte: an nahezu allem. "Das waren wichtige Erkenntnisse", konnte der ehemalige Nationalspieler seinem verpatzten Einstand auf der MT-Bank Debüt durchaus Positives abgewinnen. Michael Roth reagierte schnell, brachte zunächst Struktur und Stabilität in die 6:0-Deckung, um damit auch das eigene Tempogegenstoßspiel - ein Stiefkind seiner Vorgänger - zu aktivieren. Danach wurde eine 5:1-Variante erarbeitet und mehr Wert auf das gebundene Spiel im Angriff gelegt.


Reine Kopfsache

Zu diesen überwiegend spieltaktischen Maßnahmen gesellte sich eine psychologische Komponente - für seine neuen Schützlinge die Basis für die Wende. Zu einer "reinen Kopfsache" etwa erklärte Rückraumrecke Alexandros Vasilakis die kontinuierliche Leistungssteigerung der Mannschaft, die nach zwei knappen Heimniederlagen in eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage mündete. "Nun sind die Köpfe endgültig frei", jubelte Savas Karipidis nach dem ersten Saisonsieg in Friesenheim - und gab damit eine griffige Erklärung für den folgenden Coup gegen Lemgo.

Der Tominec-Nachfolger hat es in der Tat geschafft, aus einer Ansammlung vermeintlicher Individualisten eine spielstarke Einheit zu formen und jedem einzelnen eine Prise Selbstvertrauen einzuflößen. In der Krise haderte zwar jeder Spieler mit sich selbst, litt bisweilen wie ein Hund unter der anhaltenden Erfolglosigkeit, doch gegenseitige Schuldzuweisungen waren tabu. Auch Michael Roth war vom wohl nicht ganz erwarteten inneren Zusammenhalt des Teams angetan: "Alle haben von Anfang an voll mitgezogen."