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Eine Karnevalsparty in Dormagen

Es waren gerade mal acht Minuten und 24 Sekunden gespielt, da lagen die Gastgeber in der vom TSV Sportcenter in "HR-Commitment ARENA" umgetauften Halle mit 5:2 vorne. Lübbeckes Coach Patrik Liljestrand blieb gar nichts anderes übrig, als die Auszeit zu nehmen. Die Hoffnung auf baldige Verbesserungen im Abwehr- und Angriffsspiel wurde allerdings nach der einminütigen Unterbrechung enttäuscht. Kurioserweise war es die doppelte Zeitstrafe für den zunächst foulenden und dann meckernden Michal Jurecki, die neue Kräfte bei den Gästen freisetzte: Sie machten zwei Treffer in Unterzahl und kamen bis auf 7:5 heran. Doch ernsthaft beeindruckt waren die Rheinländer trotz einiger Nachlässigkeiten bei der Chancenverwertung nicht. Sie zogen immer wieder ein konzentriertes Angriffsspiel auf und setzten sich bis auf 11:6 ab. Ein Aktivposten war dabei Linkshänder Dinos Chantziaras, der präzise abschloss und ständig Kreisläufer Sebastian Linder suchte. Der wurde freilich von den Schiedsrichtern besonders begutachtet, mehrfach monierten sie vermeintliches Einklemmen des Gegenspielers. Spätestens in der zweiten Hälfte stand Linder aber wiederholt so frei, dass es wirklich keinen Grund mehr zum Abpfiff gab.

Dass die Partie nicht schon vor dem Pausenpfiff entschieden war, lag auch an Jurecki, der mit drei Toren in Folge für neue Spannung sorgte. Doch Michiel Lochtenbergh per Siebenmeter und Christoph Schindler schafften die neuerliche Vier-Tore-Führung bis zur Halbzeit.

Die zweiten 30 Minuten begannen wie die ersten: Jens Vortmann hielt und Max Holst erhöhte auf 14:9. Vortmann hatte keine Probleme mit dem speziellen Spieldruck: Aufgrund von Bandscheibenproblemen musste sich sein Mannschaftskollege Vitali Feshchanka das Spiel von der Tribüne aus ansehen. So erlebte er mit, wie der 22-Jährige die namhaften Gästewerfer schier zur Verzweiflung brachte und eine Erfolgsquote von über 50 Prozent verbuchte: "Die Abwehr vor mir stand auch sehr gut und hat es mir leicht gemacht", erklärte der begeistert gefeierte Torwart mit gewisser Zurückhaltung.

Gleichwohl schmolz der Vorsprung dahin, der TuS witterte eine neue Chance, als der Ex-Dormagener Oliver Tesch nach einem 5:1-Lauf auf 15:14 verkürzte. Die Sorge, dass die TSV-Spieler mit Gedanken schon bei der anschließenden Karnevalsparty waren, war freilich unberechtigt: Nach einer Dreiviertelstunde war der TSV beim 21:15 wieder im Besitz einer komfortablen Führung. Als zunächst Florian Wisotzki traf und danach Linder das 23:16 markierte, war klar, dass an diesem Abend nichts mehr anbrennen würde. Jurecki konnte sich lediglich noch über das 24:19 in doppelter Unterzahl freuen.

Doch auf der TSV-Bank begannen schon die Vorbereitungen für die Feier der Saisonpunkte neun und zehn. Dabei stand natürlich einer im Mittelpunkt: Jens Vortmann genoss den Sonderapplaus, als Kai Wandschneider ihn in der 58. Minute vom Feld holte und dem 19-jährigen Daniel Schlingmann die Bundesliga-Premiere ermöglichte. Der führte sich auch gleich mit einer guten Parade ein.