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René Toft Hansen wird ein Kieler

Einen Kindheitstraum erfüllt

Ende März gab der THW Kiel die Verpflichtung des dänischen Nationalkreisläufers René Toft Hansen ab Sommer 2012 bekannt. Der deutsche Rekordmeister konnte sich mit der Unterschrift des 26-Jährigen die Dienste eines weiteren Perspektivspielers sichern, mit dem auch der nach der dänischen Handballkrone strebende AG Kopenhagen große Pläne hatte. Für Toft Hansen indes bedeutet der Dreijahresvertrag an der Kieler Förde etwas ganz Besonderes: er erfüllt sich mit dem edlen schwarzweißen Dress einen lang gehegten Kindheitstraum.

René Toft Hansen stammt aus dem winzigen Ort Rybjerg auf der Halbinsel Salling am Limfjord. Er begann seine Handballkarriere im benachbarten Roslev bei HRH-74. In jungen Jahren blieb er der Heimaterde im Nordwesten Jütlands treu, als es ihn über Skive fH zu HF Mors zog.

2003 verließ der Kreisläufer den Limfjord Richtung Süden nach Viborg. Bei den soeben in die zweite Liga abgestiegenen Grünhemden übernahm Ulrik Wilbek als Trainer das Zepter. Neben dem damals gerade einmal 18 Lenze zählenden Rohdiamanten Toft Hansen sollten mit dem Halbrechten Per Leegaard und Linksaußen Andreas Toudahl weitere verlockende Neuzugänge für einen möglichst zügigen Wiederaufstieg sorgen. Im selben Jahr errang Toft Hansen bei der Jugend-EM in der Slowakei die Bronzemedaille.

Schon im Oktober 2004, kurz nachdem er bei der Junioren-EM in Lettland die Silbermedaille gewonnen hatte und zum besten Kreisläufer des Turniers gewählt worden war, verlängerte das Talent seinen Vertrag bis 2008. 2005 wurde er in Ungarn Junioren-Weltmeister. In der Spielzeit 2005/06 sammelte der Abwehrrecke an der Seite der Ex-Zebras Nikolaj Jacobsen und Morten Bjerre erste Erfahrungen auf europäischem Parkett, und zwar im EHF-Cup. Ein Jahr vor Vertragsende vepflichtete ihn KIF Kolding.

Nach seiner Ankunft in Kolding im Sommer 2007 musste der ehrgeizige zwei Meter lange und 103 Kilo schwere Kreisläufer zunächst weiter auf seinen ersten Titel warten. 2009 schließlich wurde Kolding dänischer Meister, ein Jahr später Vizemeister. Bei den Südjütländern sammelte Toft Hansen weitere internationale Erfahrung: in den Spielzeiten 2007/08 sowie 2008/09 trat die Mannschaft im Europapokal der Pokalsieger an, in der Saison 2009/10 schließlich in der Königsklasse.

René Toft Hansen entschied sich im Winter 2009, das rot-weiße Koldinger Trikot gegen das ärmellose von AG Kopenhagen zu tauschen, um sich als Teil des ambitionierten Projekts des Fusionsclubs zu beweisen und sich erneut ein Stück weiter zu entwickeln. Damals hätten ihm keine anderen Angebote vorgelegen, auch aus Kiel nicht. Die Fördestädter hätten ihr Angebot vielmehr erst ein halbes Jahr später, im Sommer 2010, unterbreitet. Als AG Kopenhagen schließlich vor einigen Wochen Gespräche über eine Vertragsverlängerung begonnen habe, habe er ihnen seine Wechselabsichten zum deutschen Rekordmeister mitgeteilt.

Der vielleicht größere finanzielle Pondus Kopenhagens habe bei seiner Wahl nicht gezählt. Vielmehr habe die in Kiel bzw. in der Bundesliga zu erwartende größere sportliche Herausforderung den Ausschlag gegeben. Er spüre, dass Kiel der beste Verein der Welt sei. Ganz selbstverständlich wolle er deshalb ein Teil dieses Clubs sein.

Wenn er einmal groß sei, wolle er für Kiel spielen. Solange er denken könne habe er davon geträumt, zum Handballspielen ins Ausland zu gehe, vor allem nach Kiel. Jetzt könne er diesen Traum ausleben. Kiel sei sein Manchester United. Wäre er Fußballer, dann wäre sein Traum, die Heimspiele in Old Trafford auszutragen, verriet der ältere der beiden Toft Hansen-Brüder.

Löste sein Transfer in Dänemark zunächst hier und dort eine gewisse Verwunderung aus, nannte Toft Hansen als zweiten Grund dafür auch die stark besetzte Bundesliga: die Liga in Deutschland sei härter, denn in jeder Partie herrsche Druck und man könne es sich nicht leisten, eine zu verlieren, ohne dass dadurch vielleicht schon die Meisterschaft entschieden werde. In der Heimat hingegen müsse man am Ende nur unter den besten acht Teams landen, bevor es in den darauf folgenden Spielen um die Wurst ginge.