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Flensburg peilt die Champions League an

Emotionales Feuerwerk

Die letzten Sekunden des Spiels zählte die Campushalle herunter wie bei einem Jahreswechsel. Es war aber keine Silvester-Party, sondern ein Handball-Fest, dass die SG Flensburg-Handewitt mit ihren Fans feierte. Beim 36:30 über den HSV Hamburg zeigten die Nordlichter spielerisch eine glänzende Leistung, demontierten den deutschen Meister und beendeten nicht nur eine Durststrecke von drei Jahren ohne Pflichtspielsieg gegen die Hanseaten, sondern dürfen auch an die Rückkehr in die Champions League glauben. Nachdem sich auf den Rängen schon während der 60 Minuten das eine oder andere emotionale Feuerwerk entfacht und für Gänsehaut bei den Aktiven gesorgt hatte, feierten die Flensburger Handballer nach Spielschluss mit ihren Fans weiter. Petar Djordjic stieg sogar auf die Stehtribüne und eröffnete mit dem Megaphon die gemeinsame "Humba".

Der junge Serbe, der bald die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten soll, war so etwas wie der Zeremonienmeister. Der Stimmungsmacher war allerdings ein anderer: Mattias Andersson. Der schwedische Schlussmann der SG entschärfte 21 Würfe und stellte die HSV-Kollegen klar in den Schatten. In einem Angriff fing er sogar zwei Bälle und demütigte die Hamburger. "In so einem Spitzenspiel ist es immer wichtig, das Torwartduell zu gewinnen, du musst aber auch als Mannschaft überzeugen", wollte sich Mattias Andersson selbst nicht in den Vordergrund stellen.

In der Spielanalyse kam aber niemand an ihm vorbei. "Er war ein wichtiger Faktor für den Flensburger Erfolg", erkannte HSV-Rückraumspieler Blazenko Lackovic an. Und sein Präsident Martin Schwalb ergänzte: "Mattias Andersson hat nicht nur überragend gehalten, er ist auch ein fairer Sportsmann." Hintergrund: Als in der ersten Halbzeit ein Wurf von Blazenko Lackovic im Seitenaus landete, wollten die Schiedsrichter zunächst Einwurf für Flensburg geben, entschieden sich dann aber doch anders, da Mattias Andersson auf Nachfrage eingeräumt hatte, den Ball noch berührt zu haben.

Es war in jedem Fall ein sehr wichtiger Sieg für Flensburg. Angesichts eines noch immer nicht geklärten Streits mit dem Betreiber der Campushalle um die Hallennutzung in der nächsten Saison und einiger Hiobsbotschaften aus dem Sponsorenkreis setzte die Mannschaft ein klares Signal: Sie will international wieder in die erstklassige Champions League! "Ich möchte Zweiter werden, unserer Mannschaft ist dafür stark genug", sagte Kreisläufer Michael Knudsen. In jedem Fall ist dem HSV ein ernsthafter Kontrahent im Kampf um die vorderen Bundesliga-Plätze entstanden.

Neben der gleichen Zielsetzung waren die beiden Nordclubs auch mit ähnlichen Voraussetzungen in das Derby gegangen: Zuletzt hatte es nur glanzlose Pflichtsiege und teilweise unerwartete Punktverluste gegeben. Nach der Auseinandersetzung war die Konstellation grundverschieden. "Wir haben den roten Faden aus der Weihnachtszeit wiedergefunden", freute sich SG-Manager Holger Kaiser. Sein Team agierte geschlossen, konnte in Petar Djordjic gar einen "Joker" für den Rückraum aufbieten. Dagegen mutierte auf HSV-Seite Domagoj Duvnjak zunehmend zum Alleinunterhalter im Rückraum. Pascal Hens (Bauchmuskel-Zerrung) fehlte. Zudem fand die Abwehr keine Stabilität. "Wenn man das Gefühl hat, dass ohnehin jeder gegnerische Angriff mit einem Tor endet", erklärte HSV-Coach Jens Häusler, "dann schleicht sich eine Verunsicherung ein und man versucht es mit Einzelaktionen."

Das Gros seiner Spieler verkrümelte sich schnell mit hängenden Köpfen in den Mannschaftsbus. Manch einer versuchte, mithilfe der guten Anfangsphase in beiden Halbzeiten die Zuversicht zurückzugewinnen. "Uns fehlt nur ein kleines Stückchen, und wir spielen wieder wirklich guten Handball", kündigte Blazenko Lackovic an. "Das wollen wir in den Spielen gegen Berlin erreichen." Derweil drang aus der Flensburger Kabine ein Party-Kracher nach dem anderen. Mattias Andersson: "Heute wird gefeiert, morgen genießen wir diesen Erfolg und ab Montag bereiten wir uns auf die nächsten Aufgaben vor."