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Auch Handball-Clubs müssen sparen

Ende des Aufschwungs

Auch in der DKB-Handball-Bundesliga ist Sparen angesagt. Die 18 Erstliga-Clubs planen für die am Freitag beginnende Spielzeit mit einem Etat von 72,9 Millionen Euro. Dies sind 750.000 Euro weniger als in der Vorsaison, in der noch ein Rekordetat aufgestellt worden war. Krösus ist einmal mehr Rekordmeister THW Kiel mit 9,5 Millionen Euro. Finanziell aufgestockt wurde beim Triple-Sieger aber nicht. Schlusslicht ist der TV Neuhausen/Erms, der nach dem ersten Aufstieg seit 35 Jahren mit 800.000 Euro nicht die Millionen-Grenze knackt.

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann macht einen klaren Trend aus. „Die Vereine sind auf einem Sparkurs“, erklärt er. Die deutsche Eliteklasse ist gewarnt, denn viele europäische Ligen sind in Finanznöten. Das abschreckendste Beispiel kommt aus Dänemark: Nach dem Rückzug von Mäzen Jesper Nielsen (vorher Rhein-Neckar Löwen) ging AG Kopenhagen, dänischer Meister und Champions-League-Halbfinalist, pleite und Stars wie Welthandballer Mikkel Hansen oder der von Kiel gekommene Kim Andersson waren oder sind vorübergehend arbeitslos.

Die drastischsten Einschnitte mussten die Rhein-Neckar Löwen und der HSV Hamburg hinnehmen. Bei den Löwen wurde nach dem Rückzug von Geldgeber Nielsen der Etat um zwei Millionen reduziert. Bei den Mannheimern hat ein Umdenken eingesetzt. „Wir haben die jüngste Mannschaft, die es bei uns je gab“, sagte Manager Thorsten Storm. Teure Spieler wurden abgegeben, neue Verträge wurden nur mit geringeren Bezügen ausgestattet. „An den Spielergehältern wird gespart. Auch die großen Clubs arbeiten jetzt mit einem sehr viel spitzeren Bleistift“, sagte Bohmann. Nach Jahren des starken Wachstums sind die Gehälter erstmals rückläufig.

Auch in Hamburg erfolgte nach sieben fetten Jahren ein Kurswechsel. Nach dem Rückzug von Ex-Präsident Andreas Rudolph, der mehrere Millionen Euro in den Club schoss, wurde der Etat in erheblichem Maße auf 8,1 Millionen Euro gesenkt. „Auch wir müssen sparen“, sagte der neue Präsident Matthias Rudolph, der Sohn. Sogar ein Gehaltsverzicht bei den Spielern von 20 Prozent soll laut Medienberichten im Raum stehen, was Rudolph aber nicht bestätigte. Neue Verträge gab es nur noch zu stark reduzierten Konditionen. Auch bei der SG Flensburg-Handewitt steht laut Geschäftsführer Dierk Schmäschke eine „Restrukturierung“ des gesamten Vereins bevor. „Es wird den ein oder anderen harten Einschnitt geben. Wir stellen die Mannschaft in den Mittelpunkt unseres Handelns“, sagte Schmäschke, der bereits die Pressestelle aus betriebsbedingten Gründe schloss.

In der Bundesliga haben laut HBL-Geschäftsführer „ein Drittel bis zur Hälfte der Vereine ein negatives Eigenkapital“. Bohmann: „Das ist handhabbar. Wenn es sich aber über mehrere Jahre immer weiter anhäuft, dann kann es zu Problemen führen.“ Einen Fall Kopenhagen könne es auch hierzulande geben. Daher wurde neben dem vor zwei Jahren eingeführten Verbot der Neuverschuldung in diesem Sommer zusätzlich der Schuldenabbau vereinbart. „Die überschuldeten Clubs müssen ihre Schulden in drei Jahren um 30 Prozent abbauen“, erklärte Bohmann. Zuletzt hatte der TBV Lemgo kurz vor der Insolvenz gestanden. Nur durch Gehaltsverzicht wurde das Schlimmste verhindert. Der VfL Gummersbach und der TV Großwallstadt hatten erst im zweiten Anlauf die Lizenz erhalten. Ganz spektakuläre Transfers blieben daher aus. Nachdem Kiel in der vorigen Saison erstmals seit 23 Jahren keinen Spieler verpflichtet hatte, kommen in Gudjon Valur Sigurdsson, René Toft Hansen, Marko Vujin und Patrick Wiencek vier Neue. Der HSV muss den Abgang der Gilles-Brüder verkraften und holte unter anderem die Olympia-Zweiten Andreas Nilsson und Fredrik Petersen. Die Löwen haben unter ihren zehn Neuzugänge Spieler wie Kim Ekdahl Du Rietz und Niklas Landin.

Bei den Füchsen könnte Russe Konstantin Igropulo (Barcelona) nicht nur auf dem Spielfeld für Schlagzeilen sorgen. Seine Frau Marina ist eine populäre Sängerin in ihrer Heimat. Laut Ligaverband HBL ging der Gesamtetat gar um gut fünf Prozent von 88 auf 83,6 Millionen Euro zurück. „Es ist bekannt, dass wir jedes Jahr diese unterschiedlichen Zahlen haben“, sagte Bohmann mit Blick auf die Diskrepanz. Zum Teil variieren die Angaben, da einige Clubs den Gesamtetat bekanntgeben und andere nur den für die Profis.