Ehemalige Spitzen-Schiedsrichter Lemme/Ullrich ziehen Schlussstrich - "Endlich wieder Ruhe im täglichen Leben" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Ehemalige Spitzen-Schiedsrichter Lemme/Ullrich ziehen Schlussstrich

"Endlich wieder Ruhe im täglichen Leben"

Fünfjahressperre durch den europäischen Handball-Verband EHF, öffentliche Vorverurteilung und Querelen um ein nationales Comeback: Nach monatelangen Diskussionen haben die früheren deutschen Top-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich selbst den Schlussstrich unter die mutmaßliche Manipulationsaffäre gezogen und nur wenige Wochen nach Ablauf ihrer Suspendierung durch den DHB überraschend ihren Rücktritt erklärt.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, denn so sollte unsere Laufbahn sicher nicht enden. Aber nach Abwägen aller Für und Wider und neun Monaten in den Medien muss endlich wieder Ruhe in unser tägliches Leben einziehen“, heißt es in einer Erklärung des Duos. Lemme/Ullrich waren im Zusammenhang mit einem Europapokalfinale aus dem Jahr 2006 unter Bestechungsverdacht geraten, der nie ganz ausgeräumt werden konnte.

Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, nach der am 15. Dezember 2009 abgelaufenen nationalen Sperre aufs Bundesliga-Parkett zurückzukehren, gingen die beiden Magdeburger mit ihrem Entschluss nun auch dem drohenden Widerstand aus dem Ligaverband HBL aus dem Weg. „Die Kraft für weitere Machtkämpfe mit der Liga ist aufgebraucht“, ließ das Referee-Gespann wissen. Zahlreiche Vertreter der HBL hatten eine Rückkehr der beiden Unparteiischen in den Ligabetrieb zuletzt klar abgelehnt und sich damit auf Konfrontationskurs mit dem DHB begeben.

Dessen Präsident Ulrich Strombach kritisierte die Widerständler entsprechend scharf: „Es kommt nicht auf die Meinung einzelner Bundesliga-Vertreter an“, schimpfte der Verbandschef und nannte die Einmischung in DHB-Hoheit einen „Giftpfropfen“. Strombach und Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß waren bereits am 28. Dezember von Lemme/Ullrich über deren Entschluss in Kenntnis gesetzt worden. „Ich bedauere diese Entscheidung der beiden ausdrücklich“, sagte Strombach, und Rauchfuß ergänzte: „Die lang anhaltende Vorverurteilung hat sie meiner Meinung nach zu diesem Schluss bewogen.“

Hintergrund im Fall Lemme/Ullrich ist der Vorfall nach dem Finalrückspiel im Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid am 29. April 2006. Damals hatten russische Zollbeamte am Moskauer Flughafen Scheremetjewo 50.000 Dollar Bargeld in Ullrichs Gepäck gefunden. Lemme/Ullrich bestreiten alle Manipulationsvorwürfe und geben an, reingelegt worden zu sein. Die EHF war den Unschuldsbeteuerungen der beiden nicht gefolgt und hatte sie wegen Verstoßes gegen den Ehrenkodex für fünf Jahre gesperrt. Dagegen hatten Lemme/Ullrich mit einer finanziellen Unterstützung von 10.000 Euro durch den DHB Einspruch eingelegt, den sie auch jetzt weiter verfolgen wollen. „Wir werden den Einspruch bei der EHF bis zum Ende durchfechten“, sagen beide.

Seit 1976 waren Lemme/Ullrich als Schiedsrichter tätig, absolvierten 560 DHB-Einsätze und wurden 185 Mal von der IHF und der EHF berufen. 2005 pfiffen sie das WM-Finale, dazu kamen zwei Endspiele der Champions League und als Höhepunkt 2008 in Peking das Olympia-Finale der Männer zwischen Frankreich und Island.

KOMMENTARE

Robert, 10.01.10, 23:23 Uhr
Huch, da hab ich doch tatsächlich 50 000 Dollar im Gepäck und hab keine Ahnung woher und warum! Für mich kein Grund mehr »
Holger Dierks, 10.01.10, 15:40 Uhr
Schade! Ein besseres und souveräneres Team haben wir nicht, und beide hätten einen würdigeren Abschied verdient! mehr »
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